Seliger Karol Wojtyla

Im Laufschritt zur Seligsprechung

1. Mai 2011, 17:51

Eine Million Fans belagern Petersplatz in Rom

Schon um 1.30 Uhr eilten die zugelassenen Zuseher von der Absperrung in den Vatikan zur Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. Sein Nachfolger, Papst Benedikt, erinnerte an den "Duft seiner Heiligkeit".

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Vor der beeindruckenden Kulisse von mehr als einer Million Gläubigen wurde am Sonntag in Rom Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Hunderttausende hatten die Nacht im Freien verbracht, um an der Zeremonie teilnehmen zu können. Bereits um Mitternacht war es fast unmöglich, den Tiber in Richtung Petersplatz zu überqueren. Tausende waren am Ponte Vittorio Emanuele und vor der Engelsburg bei kühlen Temperaturen in ihre Schlafsäcke geschlüpft.

Angesichts des großen Andrangs wurde der Zugang zur Sperrzone um den Vatikan wesentlich früher als geplant geöffnet. Um 1.30 Uhr wurde die indische Ordensschwester Lourdes Marie als Erste in die Via della Conciliazione vorgelassen. Die meisten Gläubigen legten die 200 Meter bis zum Petersplatz im Laufschritt zurück. Dort mussten sie weitere vier Stunden ausharren, bis sie den Platz betreten durften.

Rom glich am Wochenende einer polnischen Stadt. Fast 100.000 Reisende aus dem Heimatland Wojtylas prägten mit ihren weißroten Fahnen das Stadtbild und bevölkerten die Basiliken der Stadt und den Circus Maximus, wo sich am Samstagabend rund 200.000 Menschen zu einer Vigilfeier einfanden. Dabei schilderte die französische Nonne Marie Simon-Pierre ihre dem polnischen Papst zugeschriebene Heilung von einem Parkinson-Leiden.

Kardinal Stanislaw Dziwisz, der langjährige Privatsekretär des Papsts, versicherte: "Ich fühle, dass Karol Wojtyla jetzt unter uns weilt." Die eigentliche Seligsprechung begann um 10 Uhr vor dem Petersdom. Kardinal Agostino Vallini schilderte zunächst das Leben Johannes Paul II. Als Benedikt XVI. um 10.37 Uhr die Seligsprechung verkündete und ein überdimensionales Porträt des polnischen Kirchenoberhaupts enthüllt wurde, kannte die Begeisterung keine Grenzen. "Santo subito" -Rufe schallten über den Platz.

So überschwänglich war der Jubel, dass das versammelte Kirchenvolk in mehrsprachigen Ansagen zu größerer Andacht aufgefordert und ersucht wurde, den Gottesdienst nicht durch lebhaften Beifall und Fahnenschwingen zu stören.

Papst Benedikt XVI. würdigte den "unerschütterlichen Glauben und die große Spiritualität" des polnischen Papsts: "Ich danke Gott dafür, dass ich mit ihm so lange zusammenarbeiten durfte." Schon bei dessen Begräbnisfeier sei der "Duft seiner Heiligkeit" zu spüren gewesen. Deshalb habe er gewollt, dass die Seligsprechung seines Vorgängers zwar vorschriftsmäßig, aber "ziemlich rasch vorangehen konnte" . Das Verfahren war in Rekordzeit abgewickelt worden.

Monstranz mit Papst-Blut

Zwei Nonnen präsentierten bei der Zeremonie eine Monstranz mit einer Ampulle, die Blut des 2005 verstorbenen Papsts enthält. Ein Großaufgebot der Polizei überwachte die Zeremonie und das Umfeld des Vatikans.

Mehrere Dutzend Staats- und Regierungschefs hatten sich zur Feier eingefunden, darunter der polnische Präsident Bronislaw Komorowski, das belgische Königspaar, der Präsident der EU-Kommission José Manuel Barroso und der französische Regierungschef François Fillon. Als ungebetener Gast nutzte auch Zimbabwes Präsident Robert Mugabe die Gelegenheit, das EU-Einreiseverbot zu umgehen.

Zehntausende Pilger, die im Gedränge nicht bis zum Vatikan vordringen konnten, verfolgten die Seligsprechung auf Großbildschirmen auf dem Circus Maximus und anderen Plätzen Roms. Deren Zahl reichte bei weitem nicht aus.

Nach der Zeremonie küssten alle Kardinäle den Sarg des polnischen Papsts, der aus der Krypta vor den Hauptaltar der Kirche gebracht worden war. Bis Montag bleibt er dort allen Pilgern zugänglich, dann wird er in der San-Sebastians-Kapelle neben Michelangelos Pietá bestattet. (Gerhard Mumelter aus Rom/DER STANDARD, Printausgabe, 2.5.2011)

Kommentar posten
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Phoenixx
 
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26.9.2011, 08:47
Götzendienst

Wie heißt es im Wort Gottes: Du sollts keine Götzen anbeten...

cantanto
00
22.9.2011, 15:08
Schon bei dessen Begräbnisfeier sei der "Duft seiner Heiligkeit"

Schon lang nicht mehr so gelacht!

the troll with no name
00

määäääääh !

Roperato
25
Schon beeindruckend,

wie verkleidete, erwachsene Männer in vollem Ernst ein Spektakel wie die "Chrisrtliche Kirche" seit Jahrhunderten durchziehen und immer noch zahlende Mitglieder haben. Naturvölker werden ob ihrer Schamanen und Wunderheiler belächelt und als primitiv beurteilt. Gerade die Christen wollten die Riten dieser Völker eindämmen, wenn notwendig mit Gewalt. Und trotzdem hat man alle diese Riten übernommen und perfektioniert. Wenn man jetzt sieht, wie Ratzinger die Blutprobe von Wojtyla abbusselt und man sich klarmacht, dass der Verein auch andere "Reliquien" (wie Knochen, Kleiderfetzen, Speichelproben, etc.) sammeln und verehren, dann muss man zugeben, dass "Die Kirche" sich nicht von den Naturburschen unterscheidet. Im Gegenteil. Man hat alles perf

leberkasi
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ich danke ihnen für das posting der woche.

Alastair McKenzie
 
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Vieles an Kritik ...

... an Johannes Paul II. ist sicher angebracht, insbesondere dass er den von Johannes XXIII. begonnenen Reformprozess nicht nur nicht weitergeführt, sondern teilweise umgekehrt hat. Zwei epochale Taten müssen ihm aber zweifellos zu Gute gehalten werden: Erstens seine bedeutende Rolle bei der (damals schon überfälligen) Befreiung Osteuropas vom Kommunismus, zweitens seine Bemühungen um Annäherung und Dialog zwischen katholischer Kirche und Judentum. Ich denke, für diese Leistungen ist eine Seligsprechung schon angebracht. Dass Papst Woytila kein perfekter Mensch und auch kein perfekter Kirchenführer war, ist klar - aber wer ist das schon? In Summe überwiegen bei ihm aber MMN doch die guten Leistungen über die weniger guten und schlechten.

Tethys
00
Erstens seine bedeutende Rolle bei der (damals schon überfälligen) Befreiung Osteuropas vom Kommunismus

Interessant, jeder, den man fragt, hat eine eigene Meinung dazu, wer den Eisernen Vorhang zum Einsturz gebracht hat: ob das nun der Papst, die marode Wirtschaft, die Perspektivenlosigkeit, der aufkeimende Nationalismus etc. gewesen ist, jeder wird was anderes behaupten. Die Wahrheit liegt wie immer irgendwo in der Mitte.

Aber eine Seligsprechung für die bemühungen (die andere auch getan haben) und den "Dialog" zwischen Katholischer Kirche und Judentum zu rechtfertigen ist schon problematisch: zum einen hat eine Seligsprechung damit nichts zu tun, zum anderen wäre eine Seligsprechung aus diesen Gründen "zu wenig".

Alastair McKenzie
 
00
Ich stimme Ihnen weitgehend zu, ...

insbesondere zu Ihrer Aufzählung der Hauptgründe für den Fall des Kommunismus. Ich habe von einer "bedeutenden Rolle" des Papstes geschrieben, keinesfalls davon, dass er allein den Eisernen Vorhang zum Einsturz gebracht hat, wie Sie mir offenbar unterstellen. Ich würde Ihrer Aufzählung den grundsätzlichen Konstruktionsfehler des Kommunismus hinzufügen, der das Kartenhaus irgendwann zum Einsturz bringen musste, nämlich dass es eine Gesellschaft, in der alles jedem gehört und damit jedem nichts, auf die Dauer gar nicht funktionieren _kann_.
Im Gegensatz zu Ihnen glaube ich schon, dass sein Dialog mit dem Judentum mit der Seligsprechung was zu tun hat.
Ad "zuwenig": Natürlich braucht es ein "Wunder", aber damit beschäftige ich mich nicht.

DD1981
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Jesus war ja auch mal ein Normalo oder? Der wurde ja auch erst 300-400 Jahre später in einem Konzil zu dem gemacht was er jetzt ist? Das das da nicht mehr Katholiken nachdenklich macht^^

Pandoras_Box
 
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Diejenigen, die versuchten darüber nachzudenken, endeten allesamt als Heizmaterial..

Speedy Gonzales
21
Wojtyla letzter Sieg

Spannend zu sehen wie sich die Masse nach heiligen Führern sehnt. Steht der arabisch Welt um nichts nach, könnte man meinen. Die rationale Ausprägung der Kultur ist da sicher die beste Unterscheidung und die Tatsache das die "Katholisierung" als eine Extreminterpretation des Katholizismus bei uns seit dem 2. Vat. Konzil vorbei ist. Sollte man meinen. Carol Wojtyla hat sicher dem kapitalistischen Westen damals die Moral/Ethische Komponente des Antikommunismus verliehen, ja gar legitimisiert. Die Kirche selbst hat er dabei nicht vorangebracht. Ja dabei eher ausgelaugt und sie heute ihrer Realität ausgesetzt. 100.000 Polen ergeben das Bild einer Massenhysterie, eine Perfekte Inszenierung. Andererorts ist man skezptischer.

Alastair McKenzie
 
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Ihrer Meinung über das ...

... "Nicht-Voranbringen" bzw. "Auslaugen" der Kirche schließe ich mich an. Johannes Paul II. war sicher kein Modernisierer der Kirche. Stattdessen hat er aber bei der Modernisierung der osteuropäischen Gesellschaften entscheidend mitgewirkt. Daher kann ich Ihre skeptischen Äußerungen diesbezüglich (Moralische "Legitimisierung" des Antikommunismus, wie Sie schreiben) überhaupt nicht nachvollziehen. Wojtyla hat eine wichtige Rolle im Kampf gegen den Kommunismus eingenommen, ist sogar von einem Schergen dieses kranken Systems fast getötet worden - und wie jedem Kämpfer gegen die menschenverachtende Ideologie des Kommunismus ist auch ihm dafür Tribut zu zollen.

Der Ruhestifter
 
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Gutes argument für einen wojtyla kongress

Aber ein miserables argument für die seligsprechtung.

Man kann alles mögliche über wojtyla sagen. Er war zeifellos eine interessante figur in einer interessanten zeit. Nichts gegen eine kritische würdigung. Auch nicht, wenn deren resume ein anderes ist als jenes, welches ich ziehen würde.

Dessen unbeschadet ist die seligsprechung jedoch ein höchst peinlicher mummenschanz.

Speedy Gonzales
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wenns nur das wäre, kein Problem

Die Welt ist aber seit dem auch nicht besser geworden, eher im Gegenteil. So manch einer würde sich wünschen die Zustände in Westeuropa wie vor dem Mauerfall wieder zu haben. Mit recht. Auch im Westen hat das Individuum als Beitrag zum gesellschaftlichen und individuellen Stellenwert verloren. Die Tendenz zum Konservativismus hat auch die Polarisierung der restlichen Welt vorangetrieben. Auch dies der Extrem-Islamisierung. Wo die Werte des einzelnen nichts gelten wird eben polarisiert. Siehe die rechte Parteien bei uns. Das können wir diesen Reisepapst als moderner Missionar auch danken.

Alastair McKenzie
 
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Also ich sehe es anders.

Nie war die Welt individueller als heute. Den aus den USA kommenden Polit-Konservativismus sehe ich auch sehr argwöhnisch, den radikalen Islamismus sowieso, aber in Europa ist der Individualismus heute ein sehr hoher Wert. Schauen Sie sich den Umbruch der arabischen Welt an - ist das nicht auch eine eher individualistisch geprägte Bewegung? Eine die sich gegen Führungspersonen und Eliten wendet (insbesondere natürlich gegen zweifelhaft legitimierte)? Was aber, glauben Sie, hat Extrem-Islamisierung und die, wie Sie behaupten, zunehmende Nichtgültigkeit der Werte des Einzelnen, mit Papst Johannes Paul II. zu tun?

Pandoras_Box
 
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Noch eine Sub-Gottheit mehr.

Ich frage mich, wie sich das Christentum mir dieser unüberschaubaren anbetungswürdigern Heerschar an Halbgöttern noch monotheistisch nennen kann?

Feliks E.D.
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Wo bitte?

Wo bitte kann man sich als Wunder-Kontrolleur bewerben und welche Qualifikationen muss man dazu mitbringen? Finde den Job absolut reizvoll...

Meister Yoda
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Leichtgläubigkeit, Naivität und ein Mützengesicht.

h 90
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Sicher Stress mit alle den Fake Wundern.

Feliks E.D.
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naja, die Beweislast müsste natürlich beim Antragsteller liegen... (bzw. bei denen, die den oder die partout selig/heilig haben wollen)

h 90
00

Ich glaub Sie haben das Konzept von Religion nicht ganz verstanden.
Wenns mit sowas wie mit Beweis kommen, dann sinds auf einer Uni besser aufgehoben.....

Feliks E.D.
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hm, na irgendwas müssens schon vorlegen, nur irgend einen nonne auftreten zu lassen, die behauptet früher mal krampfadern gehabt zu haben, die jetzt weg sind, wär mir zu wenig - und dann stellt sich natürlich noch die frage der bestechlichkeit ;-)

h 90
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Zum Beispiel

Eine junge Nonne die unter sexueller Lustlosigkeit gelitten hat.
Durch ein Wunder wurde sie geheilt. Sie muessen das detailliert beweisen.
Das wuerde fuer eine selig Sprechung reichen.
Fuer die heilig Sprechung muss allerdings ein ganzer Orden alter Nonnen geheilt werden und Sie muessen das wieder ueberpruefen.

Feliks E.D.
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ok, dann doch besser als Trüffelschwein. ^^

Quasis Herr Karl
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Schon bei dessen Begräbnisfeier sei der "Duft seiner Heiligkeit" zu spüren gewesen.

Nekrophile Partie.

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