"Ollas Zigeuner"

Zum Rauswurf eines Straßenzeitungsverkäufers aus einem Lokal im "Alten AKH"

Im städtischen Naherholungsgebiet "Altes AKH" haben sie jetzt aus einem dortigen Lokal einen der bekannten Straßenzeitungsverkäufer hinausgeschmissen. Auf Nachfrage fiel seitens der Geschäftsführung der Satz: "Des san ollas Zigeuner!"

Ja, und wenn? Unter den Bettlern und eben auch unter den Verkäufern diverser Straßenzeitungen befinden sich offenkundig auch Sinti und Roma. Manche geben Anlass zu Bürgerunmut (und zu entsprechenden behördlichen Bettelverboten). Sie sind manchmal aufdringlich (nicht die Verkäufer des Augustin), manchmal hat man das Gefühl, sie seien gar keine offiziellen Verkäufer und hätten sich die Zeitungen aus dem nächsten Müllcontainer besorgt. Das ist trotzdem kein Grund, so vorzugehen, wie die Pächterin des Lokals im "Alten AKH" (die sich entschuldigte, nachdem die Salzburger Bierfirma, die den Laden verpachtet hat, richtig reagierte).

Unter Hitler wurden "die Zigeuner" umgebracht (250.000 von ihnen). Briefbomber Franz Fuchs tötete 1995 vier von ihnen mit einer Sprengfalle. Viele Zeitgenossen würden sie am liebsten deportieren, auch wenn sie sich legal hier aufhalten. Aber solche Hasslösungen lösen nichts. Die Bürger haben ein Recht darauf, nicht ungebührlich angemacht zu werden; das muss man behördlich sicherstellen, so gut es geht. Aber die "Zigeuner" haben auch ein Recht darauf, nicht wie der letzte Dreck behandelt zu werden. (Hans Rauscher, DER STANDARD; Printausgabe, 30.4./1.5.2011)

Share if you care