Räuber schoss "unabsichtlich"

29. April 2011, 19:29
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Fünf Männer versuchten im Juli des Vorjahrs eine Lustenauer Tankstelle zu überfallen, einer schoss dabei einen Kunden nieder - Das Opfer ist seither behindert - Drei Täter standen am Freitag in Feldkirch vor Gericht

Feldkirch - Es war eine Mischung aus Grimms Märchen und Lost in Translation, die die drei Männer, des versuchten schweren Raubes, einer auch des versuchten Mordes beschuldigt, dem Geschworenengericht am Freitag boten. Alle drei, ein Rumäne und zwei Serben, zum Tatzeitpunkt 1. Juli 2010 in Offenbach wohnhaft, erklärten sich zum Raubvorwurf schuldig. Man wollte die Spielautomaten der Tankstelle knacken, den Schuss auf den zufällig anwesenden Kunden habe man nicht beabsichtigt. Der Revolver sollte nur abschrecken, der Schuss war unabsichtlich. Warum die Waffe geladen war, konnte keiner erklären. Man schob die Verantwortung hin und her, belastete sich gegenseitig, konnte oder wollte Fragen nicht verstehen. Der 27-jährige Hauptbeschuldigte gab sich unwissend, die Raubabsichten der Kollegen habe er erst kurz vor der Tat mitbekommen. Dass die Waffe, die er tragen musste, weil er sich beim Automatenaufbrechen nicht auskenne, geladen war, habe er nicht gewusst. Widersprüche zu früheren Aussagen erklärte er mit: "Ich weiß nicht, was der Dolmetscher da gesagt hat."

Er sei mit den Männern nach Vorarlberg gefahren, weil der Mitangeklagte M. dort "Geschäfte" erledigen wollte. Welcher Art die Geschäfte waren, habe er nicht gewusst. M., arbeitslos, fünf Kinder, eine halbe Million Euro Schulden, gab freimütig zu, dass er schon mehrmals "geschäftlich" in Vorarlberg, wo er geboren wurde, unterwegs gewesen war: Gemeinsam mit dem Mitangeklagten B. habe er Einbrüche gemacht, mit dabei war auch sein 13-jähriger Sohn. Seine Werkzeugkiste führe er immer mit sich. Ob er nicht stutzig geworden sei, als er die Brecheisen und Baseballschläger im Kofferraum gesehen habe, fragte Richter Wilfried Marte den Hauptangeklagten. Antwort: "Nein, das hat in Rumänien jeder im Kofferraum."

Hauptangeklagter reumütig

M., der von seinen beiden Komplizen als Kopf der Bande dargestellt wurde, gab sich reumütig. Er habe im letzten Moment beschlossen, nicht mitzumachen und im Auto zu bleiben. Dass der Revolver geladen war, habe er gewusst. Er habe versucht, die Kollegen von der Tat abzuhalten. "Das schwöre ich Ihnen, Herr Richter." Nein, M. habe sie nicht abgehalten, sagte Angeklagter B. "Der hat nicht mitgemacht, weil er Angst hatte." Die Aussage des Opfers, eines 30-jährigen Familienvaters, der seit der Tat auf den Rollstuhl angewiesen ist, verfolgten die Angeklagten mit gesenkten Blicken.

M. wurde schließlich zu 18 Jahren Haft verurteilt. Zwei der Komplizen des 27-Jährigen wurden zu Haftstrafen in Höhe von 17 bzw. 16 Jahren verurteilt. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Dem Opfer wurde eine Zahlung von 100.000 Euro zugesprochen, zudem müssen die drei Angeklagten für die künftigen Schäden haften, die dem Opfer noch entstehen könnten. Die Geschworenen entschieden einstimmig und folgten mit ihrem Schuldspruch in allen Punkten der Anklage. Zwei weitere Täter sind noch flüchtig. (Jutta Berger/APA, DER STANDARD; Printausgabe, 30.4./1.5.2011)

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