Nationalisten wegen zweifachen Mordes verurteilt

29. April 2011, 18:33
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Rechtsradikales Paar erschoss laut Urteil Menschenrechtsanwalt und Journalistin

Moskau/Wien - Zwei russische Nationalisten sind des Mordes an dem Menschenrechtsanwalt Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastasija Baburowa für schuld befunden worden. Der 34-jährige Anwalt und die 25-jährige Mitarbeiterin der Oppositionszeitung Nowaja Gaseta waren 2009 am helllichten Tag mitten auf einer belebten Straße im Zentrum Moskaus erschossen worden.

Obwohl die Angeklagten, der 30-jährige Nikita Tichonow und die 26-jährige Jewgenija Chassis, abstritten, etwas mit dem Mord zu tun gehabt haben, war die Beweislage erdrückend. Zwei Augenzeugen erkannten Tichonow. Die Tatwaffe, eine Browning 1910, wurde in der Wohnung des Nationalisten gefunden.

Die Geschworenen befanden das Paar knapp mit sieben zu fünf Stimmen schuldig. Die beiden Angeklagten versuchten sich im dreieinhalb Monate dauernden Prozess als patriotische Märtyrer darzustellen und verübten vor dem Schuldspruch einen Selbstmordversuch. Das Strafmaß soll am 5. Mai verkündet werden. Als Höchststrafe droht lebenslange Haft.

"Ich bin kein Unschuldslamm. Ich habe Waffen verkauft und Dokumente gefälscht, aber ich habe Markelow und Baburowa nicht getötet", sagte Tichonow vor der Urteilsverkündung. Tichonow, Mitbegründer der rechten Zeitschrift Russki Obras, war zum Tatzeitpunkt arbeitslos und handelte daher mit Waffen. Seine Freundin Chassis, Aktivistin der nationalistischen Menschenrechtsorganisation "Russki Werdikt", machte den Geheimdienst für die Morde verantwortlich.

Laut der russischen Menschenrechtsorganisation Sowa hat sich die rechtsradikale Szene in Russland in jüngster Zeit verändert. Die Nationalisten versuchen, sich ein neues Image als demokratische Oppositionsbewegungen zu geben. Viele Rechtsradikale engagieren sich als Menschenrechtsaktivisten und in Sozialprojekten.

Die Ermittlungen ergaben, dass Markelow wegen seiner antifaschistischen Aktivitäten ermordet wurde. Baburowa war eigentlich nicht das Ziel. Tichonow habe auf die junge Journalistin nur geschossen, weil sie ihm nach dem Schuss auf Markelow nachgelaufen war. (ved/DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.2011)

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    Schuldig: Nikita Tichonow und Jewgenija Chassis.

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