Evolution in flottem Schneckentempo

29. April 2011, 18:22
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Hobbyforscher helfen Biologen bei Großstudie über Anpassungen einer Schneckenart

Wien - Arten, die sich schnell vermehren, sind prinzipiell in der Lage, sich in kurzer Zeit genetisch an veränderte Lebensbedingungen anzupassen. Es gibt jedoch kaum historische genetische Daten aus einem großen Verbreitungsgebiet, mit denen man solche rasche Evolution zeigen könnte. Eine Ausnahme ist die Schwarzmündige Bänderschnecke, deren Gehäuse zahlreiche Farben und Muster aufweist, und die schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts in ganz Europa intensiv untersucht wird.

Die Bänderschnecke kommt in den verschiedensten Lebensräumen von Küstendünen bis zu Gebirgswäldern vor. Die Vielfalt der Schneckengehäuse hängt dabei mit der Anpassung an verschiedene Lebensräume und Fressfeinde zusammen.

Anlässlich des 200. Geburtstags von Charles Darwin im Jahr 2009 wurde das europaweite Mitmach-Projekt "Evolution MegaLab" gestartet - "eine der größten Studien zur Evolution, die es jemals gegeben hat", wie Jonathan Silvertown von der Open University in Großbritannien sagt, der die Idee zu dem Projekt hatte.

Tausende freiwillige Hobbyforscher aus 15 Ländern engagierten sich im Rahmen der Studie, darunter auch viele aus Österreich. Deren Beteiligung wurde von Helmut Sattmann vom Naturhistorischen Museum Wien (NHM) koordiniert.

Die Ergebnisse wurden nun im Fachblatt "PLoS ONE" publiziert und bestätigen, dass die Farbe der Schneckenschalen in Wechselwirkung mit der Umgebungstemperatur stehen. In kaltem Klima können Tiere mit dunkler Schale die Sonnenstrahlung besser aufnehmen, in warmen jene mit hellen Schalen besser reflektieren. Tatsächlich sind die hellen Varianten im Süden des Verbreitungsgebietes häufiger.

Allerdings konnte die durch die globale Klimaerwärmung erwartete Zunahme der hellen Varianten nicht festgestellt werden - im Gegenteil: Es wurde allgemein ein leichter Trend zur Abnahme der hellen und Zunahme der gebänderten Formen festgestellt.

Die Wissenschafter gehen davon aus, dass auch andere Selektionsfaktoren Einfluss auf Farbe und Musterung nehmen. Sie vermuten, dass die Tarnung vor Fressfeinden ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. (APA, tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 4./1.5. 2011)

  • Europaweit werden im Darwin-Jahr 2009 Freiwillige gesucht, um die Evolution der Schwarzmündigen Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) aufzuklären.
    foto: al geer/ evolution megalab

    Europaweit werden im Darwin-Jahr 2009 Freiwillige gesucht, um die Evolution der Schwarzmündigen Bänderschnecke (Cepaea nemoralis) aufzuklären.

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