Salzburger Gynäkologie bleibt in Männerhand

29. April 2011, 18:27
90 Postings

Intrigen und Kampagnen im Landeskrankenhaus: Deutsche Medizinerin verzichtet auf Primariat

Salzburg - Es hätte ein Neustart werden sollen. Herausgekommen ist ein beispielloses Chaos und ein in seinem Ruf arg beschädigtes Landeskrankenhaus. Herausgekommen ist auch die Erkenntnis, dass es sogar im 21. Jahrhundert für eine Frau nicht so einfach möglich ist, Primaria zu werden - auch nicht für Frauenheilkunde.

Nach dem derzeitigen Stand der Dinge soll Thorsten Fischer die Leitung der Salzburger Gynäkologie übernehmen. Fischer ist Chefarzt der Frauenklinik im deutschen Landshut.

Im nach der Pensionierung des langjährigen Gynäkologieprimars Alfons Staudach gestarteten Auswahlverfahren belegte Fischer freilich nur den zweiten Platz. Erstgereihte war Sara Yvonne Brucker aus Tübingen - Spezialistin für endoskopische Gynäkologie. Die 36-jährige Dozentin am Universitätsklinikum gab dann aber Mitte April auf. Offiziell heißt es, Brucker ziehe es vor, eine Professur in Tübingen anzunehmen.

Der wahre Hintergrund für den Rückzieher war freilich ein anderer: "Die Berufungsgespräche mit Dozentin Brucker wurden von massiven Interventionen überschattet", musste die Klinikleitung in einer Aussendung eingestehen. Damit umschrieb die Pressestelle des Landeskrankenhauses eine beispiellose Kampagne gegen die Medizinerin aus Deutschland. In offenen Briefen wurde die Qualifikation Bruckers von Standeskollegen in Zweifel gezogen. Eines der Hauptargumente war das vergleichsweise jugendliche Alter der Ärztin.

Viele VerliererInnen

Mit dem Rückzug Bruckers wurde der ohnehin schon ramponierte Ruf der Salzburger Frauenheilkunde weiter beschädigt. Denn eigentlich wollte die Landesregierung mit der Ausschreibung des Jobs vor allem eines erreichen: Die jahrelangen Streitigkeiten und Eifersüchteleien zwischen den geteilten Abteilungen Frauenheilkunde und Geburtshilfe auf der einen Seiten und der speziellen Gynäkologie samt Brustzentrum auf der anderen Seite sollten endlich ein Ende haben.

Zu den VerliererInnen in der Auseinandersetzung gehört auch Herbert Resch. Der Rektor der Privatmedizinischen Universität und Primar an der Unfallchirurgie hatte sich für die Kollegin aus Deutschland stark gemacht.

Keine gute Figur machte aber auch die Salzburger Landespolitik. Zuerst versuchte der Personalressortchef des Landes Sepp Eisl (ÖVP) eine Ausschreibung überhaupt zu verhindern. Er wurde öffentlichkeitswirksam von Landeshauptfraustellvertreter und Finanzressortchef David Brenner (SPÖ) overruled, der dann die Ausschreibung erzwungen hatte. Die Dynamik des ärztlichen Intrigenspiels bekam man aber nicht in den Griff.

Völlig abgemeldet waren schließlich die Frauenbeauftragten von Land und Stadt. Sie schwiegen zur öffentlichen Demontage der deutschen Ärztin ebenso wie zur Kampagne des Kleinformates gegen Oberärztin Barbara Maier. Sie gehörte ursprünglich auch zum FavoritInnenkreis für das Primariat ist aber vom lokalen Boulevard bereits im Vorfeld als SP-nahe Kandidatin abmontiert worden. Zumindest theoretisch könnte Maier übrigens das gesamte Bestellungsverfahren noch mit einem Einspruch bei der Gleichbehandlungskommission kippen, heißt es spitalsintern. (Thomas Neuhold, DER STANDARD, Printausgabe 30.4./1.5.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Weiter in Männerhand: Die Gynäkologie in Salzburg.

Share if you care.