Analyse

Thailändische Putschgerüchte befeuern Grenzstreit

29. April 2011, 18:16

Die Gerüchteküche brodelt, seit am 21. April die Fernsehbildschirme in Thailand schwarz wurden

Bangkok/Pnom Penh/Wien - Ungeachtet der erst am Donnerstag verkündeten Waffenruhe wurde am Freitag erneut an der Grenze zwischen Thailand und Kambodscha geschossen. Dabei starb ein weiterer Soldat, mittlerweile beklagen beide Länder gemeinsam 16 Tote.

Beide Seiten beschuldigten sich - wie auch schon in den letzten Tagen - gegenseitig, als erste gefeuert zu haben. Kambodscha rief nun den Internationalen Gerichtshof mit Bitte um Klärung des umstrittenen Grenzverlaufs am Hindu-Tempel Preah Vihear an. 1962 war die Anlage vom Gericht Kambodscha zugesprochen worden.

Wie und warum sich ein Grenzstreit zu einer kriegerischen Auseinandersetzung auswachsen kann, darüber wird derzeit heftig spekuliert: Die Gerüchteküche brodelt, seit am 21. April die Fernsehbildschirme in Thailand schwarz wurden. Die Armee hatte wenige Stunden zuvor demonstrativ ihre Muskeln während eines Manövers spielen lassen.

In den vergangenen 80 Jahren putschten die Militärs in Thailand 18 Mal und brachten im Vorfeld immer die Radio- und Fernsehstationen unter ihre Kontrolle. Seit dem letzten Putsch 2006, bei dem der populistische Regierungschef Thaksin Shinawatra ins Exil gejagt wurde, ist das Land politisch tief gespalten. Pikantes Detail: Thaksin berät ausgerechnet Kambodscha in Wirtschaftsfragen.

Dem derzeitigen thailändischen Ministerpräsidenten Abhisit Vejjajiva kommt ein internationaler Konflikt nicht ungelegen: In zwei Wochen soll das Parlament aufgelöst werden, spätestens im Juli gibt es Neuwahlen. Das nationalistische Lager fordert von ihm demonstrative Härte im Grenzstreit - somit könnte der Streit sein Wahlkampf-Trumpf werden.

Das Militär bestreitet zwar die Putschgerüchte, sein Chef hat aber deutlich gemacht, dass er die Oppositionsbewegung von Thaksin, die "Rothemden", nicht im Amt sehen will. (Julia Herrnböck/DER STANDARD, Printausgabe, 30.4.2011)

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