Hoch die internationale Attraktivität!

29. April 2011, 18:11
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In der Wissenschaft ist die Anzahl ausländischer Forscher längst auch zum Gradmesser für Qualität geworden - Österreich hat diesbezüglich stark aufgeholt, andere Länder machen es noch besser

Wien - "Der Gelehrte hat ein Vaterland, aber die Wissenschaft nicht." Zu Beginn des 21. Jahrhunderts scheint der Satz des französischen Biologen Louis Pasteur, der einer der wichtigsten Forscher des 19. Jahrhunderts war, völlig überholt. Wissenschafter werden zur Kerngruppe der globalen "kreativen Klasse" (Richard Florida) gezählt, die sich durch "grenzenloses Arbeiten" auszeichnet. Die Staatszugehörigkeit ist für sie zur Nebensache geworden.

Entsprechend gilt Internationalität in der Wissenschaft längst als ein verlässlicher Gradmesser für Qualität - sowohl für individuelle Karrieren wie auch auf institutioneller Ebene. Für ein kleines Land wie Österreich trifft das ganz besonders zu. Dass man hierzulande durchaus auf dem richtigen Weg ist, legen einige womöglich überraschende Zahlen nahe.

Man nehme etwa die Start-Preise her, die wichtigste Auszeichnungen (und Projektfinanzierungen) für herausragende junge Forscher, die in Österreich tätig sind: Beschränkt man sich auf die vergangenen sieben Jahre seit 2003, so kamen 21 der 46 "Durch-Starter" aus dem Ausland nach Österreich. Bis 2003 waren es laut Angaben des Forschungsfonds FWF, der die Preise vergibt, hingegen gerade einmal zwei von 36.

Noch internationaler sieht es bei den ERC Starting Grants aus, dem Pendant der Start-Preise auf europäischer Ebene: Von den bisher 27 nach Österreich vergebenen Starting-Grants für Topforscher bis rund 35 Jahre gingen 20 an Wissenschafter, die nicht in Österreich geboren sind.

Österreich ist als Standort für aufstrebende Spitzenforscher also durchaus attraktiv. Helga Nowotny, die aus Österreich stammende Präsidentin des European Research Council (ERC), der die Förderungen vergibt, weist allerdings drauf hin, dass es noch besser ginge: Insbesondere die Schweiz und Großbritannien würden einen noch viel höheren Grad von Internationalisierung aufweisen - und bei der Rekrutierung von internationalen Spitzenforschern noch erfolgreicher sein.

Dass es auch an Topforschungseinrichtungen hierzulande auch schon recht global zugeht, zeigen etwa das Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) und Institut für Molekulare Biotechnologie (Imba) in Wien: Die beiden Vorzeige-Institute am Vienna Biocenter beschäftigen Forscher aus insgesamt 39 Nationen. Darunter sind auch etliche aus Mittel- und Osteuropa. Für sie galt schon vor dem Beitritt ihrer jeweiligen Heimatländer eine Ausnahmeregelung für ihren Aufenthalt in Österreich.

Warum einige der besten osteuropäischen Nachwuchskräfte in den letzten Jahren in Österreich landeten, hängt nicht zuletzt mit der Bezahlung zusammen, sagt Kristina Uzunova, die als Post-Doc am IMP forscht: In Bulgarien, wo Wissenschaft besonders wenig staatliche Unterstützung findet, würde sie als Jungwissenschafterin mit Dissertation gerade einmal 160 Euro im Monat verdienen.

Dorothea Sturn, die neue Geschäftsführerin des Wissenschaftsfonds FWF, hält die Rolle Österreichs beim Anwerben von Talenten insbesondere aus Mittel- und Osteuropa noch für ausbaufähig: Durch die geopolitische Lage gäbe es sehr gute Voraussetzungen im 'race for talents' zu reüssieren, so Sturn. Allerdings seien noch einige Hausaufgaben zu erledigen, sagt die Forschungsmanagerin und nennt gute Studienbedingungen, eine wettbewerbsfähige Infrastruktur und nicht zuletzt "international relevante Top-Forschung durch Top-Leute".

Und die wieder holt man am besten aus dem Ausland, quod erat demonstrandum. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 4./1.5. 2011)

  • Doktoranden und Postdoktoranden von zwei Instituten am Biocenter in Wien, deren 
Forscher aus 39 Ländern kommen.
    foto: corn

    Doktoranden und Postdoktoranden von zwei Instituten am Biocenter in Wien, deren Forscher aus 39 Ländern kommen.

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