Arbeitsmigrant auf der Bühne

29. April 2011, 17:51
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Tanz in Wien: Oleg Soulimenko aus Moskau hat vom Ingenieur zum Tänzer umgesattelt und fühlt sich willkommen

Ein halbes Dutzend nackter Mittdreißiger tanzte, wankte, wälzte sich unaufgeregt, beinahe träge auf der Bühne. Eine provokante Performance, die 1996 unter dem Titel "life is life" im Wiener Kulturzentrum Wuk lief. Die Herren waren Mitglieder des lokalen Kollektivs Doch und der Moskauer Gruppe Saira Blanche Theatre. Einer der russischen Künstler blieb in Wien: Oleg Soulimenko.

Er ist einer der vielen Arbeitsmigranten, die den zeitgenössischen Tanz erst ermöglichen. Das Zauberwort heißt Zusammenarbeit - von Tänzern, Musikern und Künstlern aus unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen -, denn Tanz entsteht so gut wie ausschließlich in Gemeinschaften.

Willkommen in Wien

Nachdem Soulimenko 1994 mit seinem Kollegen Andrei Andrianov erstmals in Wien angekommen war, sahen die beiden eine Aufführung im Wuk. Schöne Bühne, sagten sie und fragten an, ob sie hier auch performen könnten. Im folgenden Jahr traten sie tatsächlich auf, fühlten sich in Wien willkommen. Auf die Zusammenarbeit mit Doch folgte eine weitere mit dem Wiener Kollektiv Lux Flux. Diese sollte mehr als fünf Jahre anhalten. Und: Soulimenko verliebte sich.

Mitte der 1980er-Jahre hatte er in Moskau vom Ingenieurs- zum Tänzerberuf gewechselt. Als die Perestrojka kam, wurde er freier Performer. Aufritte auf der Straße, in Clubs und bei einem kleinen Festival folgten. Er gründete das Saira Blanche Theatre, arbeitete, beeinflusst von Improvisationstanz und dem japanischen Tänzer Min Tanaka, bei Anatoly Vasiliev und bildete sich in den Niederlanden und Italien weiter.

Nach der Kooperation mit Lux Flux in Wien entschied sich Soulimenko, weiter hierzubleiben. Er arbeitete an eigenen Stücken und in internationalen Projekten mit Künstlern wie Meg Stuart, Steve Paxton und Markus Schinwald. Nun schlägt sich sein Migrationsleben auch in seinen Stücken nieder - in "A visit to this planet". Part 1 (2010), auch im nächsten Made for Austria über Immigranten, die in Österreich Karriere machten. Zu sehen 2012 im brut Theater. (Helmut Ploebst/DER STANDARD; Printausgabe, 30.4./1.5.2011)

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    Symbolfoto. Oleg Soulimenko hat vom Ingenieurs- zum Tänzerberuf gewechselt.

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