"Das Schönste war, immer Arbeit zu haben"

29. April 2011, 17:18
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Kellnern in Tirol: Yvonne Meissner aus Brandenburg - Seit zwei Jahren lebt sie in der Tiroler Landeshauptstadt

Innsbruck - Yvonne Meissner kann sich vorstellen, in ihrer alten Heimat die Rente zu verbringen. Aber um dortzubleiben und seinen beruflichen Weg zu finden, hat es nicht gereicht. "Daheim findet man so schlecht Jobs", erzählt Yvonne Meissner.

Deshalb ist die 28-Jährige vor rund zehn Jahren von Brandenburg nach Tirol gekommen: "Ich hätte ohne Führerschein überhaupt keine Arbeit gefunden, auf den Ländereien zu Hause." Das sehe sie bei ihrer Mutter. Diese mache eigentlich alles. Derzeit arbeite sie eben in einem Stall, "irgendwas bei Pferden", im heimatlichen Landkreis Elbe-Elster.

Ein anständiges Gehalt

Yvonne kellnert derzeit im In-Lokal Wolke 7 auf der Hungerburg über Innsbruck. Endlich geregelte Arbeitszeiten und ein anständiges Gehalt. Wie viel sie verdient, will sie nicht verraten, denn: "Über Geld redet man nicht. Aber ich kann gut davon leben."

Gelernt hat sie eigentlich Schauwerbegestaltung, also Dekorateurin, erzählt sie. Nach zehn Jahren Schule und vier Jahren Lehre landete Yvonne dann aber doch im Service, und das weit weg von zu Hause.

Über das Arbeitsmarktservice lernt sie die Möglichkeiten kennen, in der Tiroler Gastronomie zu arbeiten. Jahrelang ist Yvonne "auf Saison", kellnert sich durch diverse Bars in den hochfrequentierten Tourismusskiorten wie Ischgl, Sölden, Vent oder Längenfeld.

Sie wollte "voll im Stress sein", und es sei ja auch super gewesen. "Das Schöne war, immer Arbeit zu haben in den letzten Jahren", sagt Yvonne: "Und man lernt durch die Saisonarbeit auch viele Menschen kennen. Die werden Freunde, und dann wandert man zusammen von einer Saison zur nächsten, von einem Ort zum nächsten."

Seit zwei Jahren lebt Yvonne in der Tiroler Landeshauptstadt. "Jetzt will ich es ein bisschen ruhiger angehen. Und auch mal an mich denken." Heim nach Deutschland, nach Brandenburg ging es in den Jahren auf Saison immer nur dann, wenn nichts los war, also im Frühsommer oder Herbst.

Urlaub, einmal im Jahr

Jetzt, mit der geregelten Arbeitszeit in der Wolke 7 geht sich der Heimurlaub nur mehr einmal im Jahr aus. Und dann fühle sie sich fremd: "Es ist nicht mehr so, wie ich es als Kind erlebt habe. Der Landkreis stirbt aus. Alle ziehen weg, weil es keine Arbeit gibt." Und auch die Familie wird ihr immer fremder.

Nach dem Alter ihrer Geschwister gefragt, muss sie nachrechnen. "Sie sind halt nicht mehr so präsent." Die drei sind trotzdem immer bei ihr. Denn das Einzige, was sie bei ihren zahlreichen Umzügen immer mitnimmt, sind Andenken an die Geschwister, je ein Plüschtier.

Ob sie Gedanken hegt, irgendwann wieder zurück nach Brandenburg zu ziehen? Der Gedanke ist da, der Zeitpunkt ist ungewiss. "Vielleicht, wenn ich in Pension gehe", sagt Yvonne. Denn: "Die Arbeit ist hier. Und die Landschaft ist auch schön." Und auch ohne ihre Brandenburger Familie habe sie viele Freunde. Die kämen hauptsächlich aus ihrer alten Heimat, Deutschland. Von denen seien ja so viele hier in Tirol. (ver, DER STANDARD, Printausgabe, 30.4./1.5.2011)

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    Jahrelang war Yvonne "auf Saison"

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