Creme und rot

29. April 2011, 17:18
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Hochzeiten, so prunkvoll sie auch sein mögen, haben nur begrenztes Spannungspotenzial

Hochzeiten, so prunkvoll sie auch sein mögen, haben nur begrenztes Spannungspotenzial. Eine Herausforderung für die zahlreichen Moderatorenteams, die in den öffentlichen und privaten Sendern immerhin sechs (im ORF gar sieben) Stunden lang für Unterhaltung sorgen mussten.

Zu allem Überfluss waren die Themen begrenzt, wie man auf Sat.1 bald feststellte: An einem so wunderschönen Tag kann man ja jetzt nicht mit den unguten Geschichten eines Prinz Andrew daherkommen. Das wäre auch der illustren ORF-Runde nicht eingefallen, Skandale beließ man dezent in halbfertigen Nebensätzen.

Mit gleich zwei Historikerinnen im Studio konnten sich Birgit Fenderl und Adelsexpertin Lisbeth Bischoff schließlich auch ganz prächtig über Hüte (klein ist jetzt in Mode) und Kleiderfarben (Cremetöne schmeicheln dem Teint) austauschen. Warum William rote Uniform trug, konnte der Alibi-Adelige Karl Hohenlohe nicht genau sagen. Empörung unter den Damen rief der hundsgemeine Ehevertrag hervor, den die arme Kate offenbar unterschreiben hat müssen.

Irgendwann ging der Gesprächsstoff dann doch aus und einfach gar nichts mehr: "Hier sehen wir - ein ganz normales Auto." Die ARD filmte einem anderen Auto gleich minutenlang hinterher: "Ich hab das Gefühl, es ist Carole Middleton." Gott sei Dank füllte sich die Kirche dann mit Leuten, über die man reden konnte: Der Prinz Philip schaut aber agil aus: "Da wird nicht gehumpelt." Ob die Queen wohl auch gern mal ein Gläschen trinkt? Und was redet eigentlich der Charles da mit dem Pfarrer? "Die denken sich sicher, jetzt sind wir im Fernsehen, jetzt müssen wir was reden." (Andrea Heinz, DER STANDARD; Printausgabe, 30.4/1.5.2011)

  • Lisbeth 
Bischoff und Dianas ehemaliger Butler Paul 
Burrell plauderten im ORF:
    foto: orf/milenko badzic

    Lisbeth Bischoff und Dianas ehemaliger Butler Paul Burrell plauderten im ORF:

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