Zukunft aus Hacker-Sicht: Burger aus dem 3D-Drucker

8. Mai 2011, 16:45
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Im Intellectual Ventures Lab will man unter anderem Malaria und die Auswirkungen des Klimawandels bekämpfen

Sie schießen mit Laserkanonen auf Moskitos, wollen Hurrikans mit Schläuchen im Meer abschwächen und basteln an der Zukunft der Nahrung mit 3D-Druckern. Die Erfinder des Intellectual Ventures Labs gehen die Probleme unserer Zeit aus der Perspektive eines Hackers an, wie der bekannte Hacker Paul "Pablos" Holman auf der Sime Vienna Ende April erzählte.

Hacker denken anders

Hacker hätten ein andere Denkweise als andere Personen, so Holman. "Normale" Menschen würden sich bei einem Gegenstand fragen, wie er funktioniert und was sie damit machen können. Hacker wollten hingegen erkunden, was man Neues daraus erschaffen kann, indem man ein Objekt auseinandernimmt und mit anderen Dingen kombiniert. Das sei der Ausgangspunkt für Erfindungen.

Malaria-Bekämpfung

Ziel des Intellectual Ventures Labs, in dem Holman arbeitet, ist es diese kreativen Hacker-Energien in Projekten zu bündeln, mit denen Probleme wie die Ausbreitung von Malaria in Afrika gelöst werden sollen. Hier haben Holman und seine Kollegen ein System entwickelt, mit dem sich aus vergleichsweise günstigen und einfach zu beschaffenden Komponenten ein Moskito-Abwehrzaun basteln lässt. Dabei werden Mücken im Flug analysiert, ob es sich um die blutsaugenden Weibchen handelt, und mittels Laserstrahlen abgeschossen. 

Simulations-Modelle

Die Erfinder arbeiten auch an weiteren Methoden, wie Malaria eingedämmt und behandelt werden kann. So wurde ein Computer-Simulations-Modell entwickelt, das dabei helfen soll die Effizienz verschiedener Bekämpfungsmethoden zu analysieren und aufzeigen soll, wie die verschiedenen Ansätze kombiniert werden können. Das Simulationsmodell sei jedoch nicht nur zur Projektion von Malariainfektionen einsetzbar, sondern kann laut Holman für verschiedenste Zwecke wie etwa zur Effizienzsteigerung von Werbekampagnen verwendet werden.

Mahlzeiten aus dem 3D-Drucker

Ein weiteres Projekt des Labors widmet sich der Zukunft der Nahrung. Mit dem Buch "Science of Cooking" haben die Erfinder bereits ein Kochbuch aus Hackerperspektive veröffentlicht. Nun soll im Labor ein 3D-Drucker für Nahrungsmittel Realität werden. Holman erhofft sich davon, dass in Zukunft nur mehr die exakte Menge an Nahrung hergestellt wird, die auch verzehrt wird. Außerdem ließen sich damit einerseits Bestandteile ausfiltern, auf die jemand allergisch reagiert, oder Medikamente einbinden. Auch könnten Diätziele besser erreicht werden, wenn sich beispielsweise die Menge an Salz täglich um eine exakt berechnete Menge verringern lässt.

Neuartiger Kernreaktor

Ein besonders ehrgeiziges Vorhaben dreht sich um neuartige Energieversorgung und die Abschwächung des Klimawandels. Aus aktuellem Anlass besonders brisant ist die Entwicklung eines neuen Kernreaktors, der mit atomarem Abfall betrieben wird. Die Lagerung des Atommülls ist noch immer nicht geklärt. Dieser stellt jedoch eine besondere Bedrohung dar, wie Holman betont. Das neue Reaktor-Design der Forscher - TerraPower genannt - ermöglicht den Betrieb eines Reaktors für etwa 60 Jahre mit abgereichertem Uran. Mit weiteren Erfindungen wie dem StratoShield gegen die Erderwärmung und einem System zur Abkühlung des Meeres mittels Schläuchen, was die Kraft von Hurrikans vor Küstengebieten abschwächen soll, will man die Auswirkungen des Klimawandels vermindern.

Fundamentaler Wandel

Gleichzeitig will Holman bei neuen Technologien darauf aufmerksam machen, wie leicht sich diese ausnutzen lassen. So wurde im Labor der sogenannte Hackerbot entwickelt, der WLAN-Nutzer aufspürt und ihnen ihr Passwort auf einem Display anzeigt. Mithilfe eines billigen RFID-Lesegeräts demonstrierte Holman auf der Sime, wie sich Kartennummer und Name des Inhabers von neuen Kreditkarten mit RFID-Chips quasi im Vorbeigehen auslesen lassen. Autos, Handys, Fernseher - immer mehr Geräte werden zu Computern samt Internetanschluss. Das sei ein fundamentaler Wandel, der seine Vor- und Nachteile mit sich bringe, denn all diese Geräte lassen sich hacken. Schlecht für Nutzer, deren Kreditkartendaten ausspioniert werden, gut für Hacker, die die Welt zum Guten verändern wollen. (Birgit Riegler/derStandard.at, 8. Mai 2011)

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    Essen "on demand": in Star Trek kommt das Essen aus dem Replikator, nach Vorstellung von Hacker Pablos Holman soll es in der Realität in Zukunft aus dem 3D-Drucker kommen.

  • Hacker Pablos Holman auf der Sime Vienna (Foto: Gil Cheng/www.gilcheng.de)
    foto: gil cheng/www.gilcheng.de

    Hacker Pablos Holman auf der Sime Vienna (Foto: Gil Cheng/www.gilcheng.de)

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