Nur K.? - Ein kurzer Name.

29. April 2011, 17:36
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Im TAG - Theater an der Gumpendorfer Straße wird Josef K. "Der Prozess" gemacht

Wien - "Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet." Aber von wem? Weswegen ist er schuldig? Und was hat Theaterautor Gernot Plass mit Franz Kafkas Text gemacht? Er hat ihn bearbeitet und den oft zitierten ersten Satz aus dem Roman-Fragment Der Proceß nicht an den Anfang seiner Dramatisierung gestellt, die als Der Prozess - Eine bürgerliche Farce im Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) eine überzeugende Premiere feierte. Auf die spärlich mit Sesseln und Amtstischen eingerichtete Bühne (Ausstattung: Alexandra Burgstaller) bringt Plass, der auch für die energiegeladene Inszenierung sorgte, wortgewandte, witzige und gedrängte Dialoge: Wie heißt er? - K. - Nur K.? - Ein kurzer Name.

Josef K., dargestellt von dem bravourösen Julian Loidl, ist ein loyaler Bankbeamter, einer, der seine Lage unter Kontrolle hat. Die Lüge, in der er lebt, erkennt er nicht. An seinem 30. Geburtstag verhaften ihn frühmorgens drei Männer einer unbekannten Behörde aus dem Bett heraus, essen sein Frühstück und leiten ein gerichtliches Verfahren ein. K.'s Unschuldsbeteuerungen und Irrtumsbekundungen erweisen sich jedoch als unnötig und geradewegs sinnlos. Der lange Gang gegen seinen Prozess (oder für sein Leben?) beginnt und führt den eitlen Gecken durch mobile Türrahmen zu den skurrilen Mächten des Gesetzes in vorstädtische Sitzungssäle und ominöse Wartezimmer. Wandelbar zeigt sich das perfekt aufeinander abgestimmte und powervolle Ensemble um Maya Henselek, Jens Claßen, Gottfried Neuner und Georg Schubert, das mit komischen Posen einen surrealen Charakter verleiht und zeitweise an Bilder von de Chirico und Magritte erinnert. (Sebastian Gilli, DER STANDARD - Printausgabe, 30. April/1. Mai 2011)

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