Anzeige bei der Staatsanwaltschaft

Thomas Trenkler , 29. April 2011, 17:53
  • Artikelbild
    screenshot: kunsthalle wien mediazone

    Auf der Homepage der Kunsthalle Wien: 60 Spots von Paul Albert Leitner mit dem Titel "Schach Matt". Gerald Matt ist in ebenso vielen Rollen zu sehen.

Kunsthallendirektor Gerald Matt versuchte, für vier Ausländer österreichische Staatsbürgerschaften zu erwirken - Er nahm eine Einladung nach Kuwait an

Die Grünen brachten Anzeige ein, die VP forderte Dienstfreistellung.

***

Wien - 2010 wurde bekannt, dass Kärntens Landeshauptmannstellvertreter Uwe Scheuch (FP) geneigt war, einem russischen Investor im Gegengeschäft für ein Investment die österreichische Staatsbürgerschaft verschaffen zu wollen. Nun sind die Sozialdemokraten mit einem ähnlichen Problem konfrontiert: 2007 bis 2009 versuchte Gerald Matt, Direktor der Kunsthalle Wien, für vier Ausländer Staatsbürgerschaften zu erwirken.

Diese Personen - aus Russland, Kasachstan, Indien und Kuwait - waren Matt vom Bregenzer Anwalt Horst Lumper vermittelt worden. Sie seien, so die Salzburger Nachrichten, bereit gewesen, je 1,4 Millionen Euro in eine zu gründende Kunsthalle Wien Privatstiftung einzuzahlen.

Matt ließ seine SP-Verbindungen spielen: Laut Unterlagen, die dem STANDARD vorliegen, sprach er u. a. mit dem ehemaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer über die Angelegenheit, und er mailte mit Nikolaus Pelinka, dem ehemaligen Pressesprecher von Kulturministerin Claudia Schmied.

Der Deal kam nicht zustande, denn das Gesetz verlangt, dass die außerordentliche Leistung bereits vor Antragsstellung erbracht sein muss. Die Kunsthallen-Mäzene hätten das Geld aber erst nach erfolgter Einbürgerung gezahlt.

Der Vorstand der Kunsthalle bestätigte die Vorgänge: "Wie die Albertina und andere Kulturinstitute auch" habe die Kunsthalle "über die zuständigen Behörden und offizielle Kontakte" die Frage geklärt, "ob außerordentliche Sponsorleistungen an ein öffentlich gefördertes Kulturinstitut zu einer Verleihung der Staatsbürgerschaft aus öffentlichem Interesse - so wie dies bei Leistungen von Sportlern und Künstlern üblich ist - führen kann".

Das Klären der Frage nahm besondere Ausmaße an. Lumper schrieb Matt am 6. Februar 2008: "Einer der vier Kandidaten (...) hat mich kontaktiert und Sie eingeladen, zusammen mit mir nach Kuwait zu fliegen; selbstverständlich würde er sämtliche Kosten übernehmen." Matt antwortete, dass er sich "sehr auf die Einladung nach Kuwait" freue. Am 18. April wurde das Büro Lumper informiert, dass "die Reise nach Kuwait nun doch klappt". Involviert in die Reiseplanung war ein Mitarbeiter der HSBC Private Bank. Am 21. April übermittelte das Büro Lumper das elektronische "Matt-Ticket".

Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, brachte am Freitag bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen Matt ein. Er wirft ihm Untreue, Förderungsmissbrauch und unerlaubte Intervention vor. Auch das Wiener Kontrollamt wird sich mit der Causa beschäftigen: Alle Rathausparteien stimmten einem von der VP initiierten Antrag zu, die Gebarung der Kunsthalle zu prüfen.

Isabella Leeb, die Kultursprecherin der Wiener VP, forderte SP-Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny auf, "sich nicht länger schützend vor seinen Günstling Matt zu stellen, sondern ihn mit sofortiger Wirkung, bis zur vollständigen Aufklärung aller Vorwürfe dienstfrei zu stellen". Mailath sagte, dass er gegen Vorverurteilungen sei, eine Beurlaubung Matts halte er für nicht sinnvoll. Leeb fragt sich allerdings, ob Mailath nicht seine Pflicht verletzt habe: Er hätte bei Verdacht einer verbotenen Intervention die Staatsanwaltschaft einschalten müssen. (Thomas Trenkler, DER STANDARD - Printausgabe, 30. April/1. Mai 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2
Matterhorn2
00
11.5.2011, 09:11
Wo ist hier das Problem?

Wo soll das Probem sein, wenn einer sich bemueht, Geld fuer die Kunst aufzutreiben? Der Schroeder hat's ja auch getan. Gibt es nicht andere Probleme in unserem Land?

la papagena
00

viel glück bei der suche nach einer partei, die sich für die belange der künstler genauso hingebungsvoll einsetzt wie sie für die existenz von noever, matt und co!
tipp zur weiterbildung: npo-akademie, speziallehrgang management von kulturorganisationen, module 4 und 6. es gibt auch sauberes fundraising!!

Tom Racek
21
Zinggl

Ich bin Künstler, habe bisher die Grünen gewählt.
Aber wer wie Zinggl auf Existenzvernichtung abzielt, hat in der Kunst nichts verloren und wird von mir auch nicht mehr gewählt werden.

gießhübl!
01
Schach Matt!

Eine interessante Figur in dieser Causa, ist der Zingll Freund und Matt Sekundant, Miessgang. Seine Rolle in diesem Spiel wird wohl erst nach der zukünftigen Rollenverteilung klar werden.
Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde.

Kalvarienberg
01
Hoppala: Gut versteckt, der Artikel mittlerweile...

Lord Schaumloeffel
00
naja...

... vintage ist halt teuer. da muss man sich schon was einfallen lassen.

Saskia Fabian
 
03
der narzist matt ist ein hartnäckiger gegner

außerdem hat er einen persilschein von der spö

natha
34

zinggl, der hans peter martin der grünen. wäe aber auch ziemlich interessant, was der mumok-kuratoriumsvorsitzende zinggl bezügl. köb und dessen nebenjobs (etwa kuratieren im belvedere und bei essl, weiler-ausstellungen etc) sagt. aber da ist er verdächtig ruhig geblieben. auch der standard könnte recherchieren, was mit wochenklausur seinerzeit war. unerträglich, wie selbstgefällig und gegen die kunst zinggl agiert!

hungrybear
01
wäre er OEBB Vorstand ...

... würde man ihn nach Zahlung einer Millionenabfertigung in einen Aufsichtsrat setzen ;-)

hayseed
35

Die Kunstszene scheint eine raue zu sein. Denunzianten, Intriganten, Neider..

Tschikist
01
Na das ist ja ganz was Neues

oskar-marie
00
30.4.2011, 22:07
was ist dabei die rolle von bettina leidl?

=der geschäftsführerin?

Tschikist
00

Die immer schon die zweite Geige spielen muss. Aber alles ohne Risiko, weil sie ja beurlaubte Beamtin des BKA ist. Mitllerweile dürfte allerdings ihr warm gehaltener Sitzplatz ins Schmied-Ressort gewandert sein.

-.-.-.-.-.-
00
ach, die beschäftigt sich mit kör

Gerhard Eigner
12
30.4.2011, 19:33
jetzt schaut er matt aus...

Minus 30 % bei den BeamtInnen
 
113
30.4.2011, 13:26
Erst wenn ihr die letzten originalen Menschen "ogsagelt ...

... haum werts", werdet ihr erkennen, dass man mit politisch (und ökonomisch) korrekter Kunst, die Leute nur anödet!

Wien ist auf dem besten Wege ein museales Q-Dorf zu werden ... nur weiter so ... ;-(

team trash
25

hm. sie haben offenbar wirklich nicht viel ahnung oder sind sie auch sojemand der mehr auf seine hochwasserhosen und seinen strohhut schaut?! wien ist schon ein q dorf, aber leider eben nur deshalb weil solche ungustln wie der politschleimer-günstling matt oder noever es dazu gemacht haben. sorry.

Die Aufklärung
 
08
30.4.2011, 17:20
Wow

Pasterk-Günstlinge, zudem solche, die schon jede politische Partei "beglückt" haben, je nach Konjunktur, das sollen "originale Menschen" sein.

Im Jargon der Anständigen nennt man die Typen Opportunistenglatzen.

Hannes Kartnig
00
30.4.2011, 15:07
der macht aber keine kunst, der ist nur museumsdirektor oder so.

Medicus58
45
30.4.2011, 11:00
Gute Drittmittel - Böser Matt

Als die jetzige Justizministerin Karl als Wissenschaftsministerin das Forschungsbudget kürzen musste, forderte sie die Staatsunis auf mehr Drittmittel einzubringen.
Unsere Gugginger "Eliteuniversität" lebt ebenso wie die Salzburger "Privatuniversität für Medizin" von Spenden Dritter.

Jetzt auf Matt hinzuhauen, ohne sich einzugestehen, dass man genau dieses Verhalten von einem Manager ausgelagerter Staatseinrichtungen eigentlich verlangt hat, ist doppelzüngig.

MAN MÖGE SICH AKTUELLE AUSSCHREIBUNGEN FÜR FÜHRUNGSPOSITIONEN AN DEN UNIVERSITÄTEN EINMAL ANSCHAUEN, WO DIE FÄHIGKEIT ZUR DRITTMITTELEINBRINGUNG BEREITS WESENTLCIHER IST, ALS DIDAKTISCHE ODER WISSENSCHAFTLICHE LEISTUNGEN!

http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=37466

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
Führungspositionen sollen auch nicht forschen und weißgottwieviel lehren,

sondern den Haufen trotz aller Intrigen und EIfersüchteleien zusammen halten und zu ersprießlicher Arbeit bringen.

lessismore
00
30.4.2011, 14:41

Die Prostitution der KÖPFE ist halt ein bisserl weniger sittenwidrig ...

Big Jim007
05
30.4.2011, 13:56
faule drittmittel - Matt muss gehen

ein guter kunstmanager treibt sauberes geld auf. gut und richtig. aber im fall matt verhärtet sich der verdacht, es sich um illegale und moralisch verwerfliche machenschaften handelt: geld gegen staatsbürgerschaft. die potentiellen sponsoren aus kasachstan, russland und kuwait sind keine kunstmäze, sonst hätten sie ja auch das geld ohne empfang der staatsbürgerschaft gespendet. haben sie aber nicht. auch war geplant, dass die konstruktion einer "kunsthalle privatstiftung" keiner staatlichen kontrolle unterliegt hätte. Das sind keine guten, sondern stink faule Drittmittel. Wenn moralische integrität so mit füßen getreten wird, dann muss politisch eindeutig stellung bezogen werden.

Medicus58
14
30.4.2011, 14:42
es gibt keine "guten" Drittmittel

verabschieden Sie sich von dieser Illusion

Big Jim007
01
30.4.2011, 15:36
nur "faule" drittmittel?

Nicht alles ist schwarz, sondern es gibt zum Glück noch ein paar grautöne und ab und zu sogar bunte tupfer. ergo zahlreiche drittmittel, die nicht an staatsbürgerschaften oder krumme geschäfte geknüpft sind. an dieser stelle ausnahmsweise ein großes lob an unsere ministerin, die den unterschied sehr wohl gesehen hat und die bei dem faulen deal nicht mitgespielt hat. die rote karte für matt ist längst überfällig.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 36
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.