"Es wird noch viel projektorientierter"

29. April 2011, 17:40
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Im Segment der hoch qualifizierten Techniker werde es keine großen Veränderungen geben, sagt Gerjan Mazenier von der Zeitarbeitsfirma Brunel

Bei Brunel werden nicht "sehr viele Extrachancen" durch die Öffnung des österreichischen Arbeitsmarktes für Arbeitnehmer aus Ungarn, der Slowakei, Tschechien, Slowenien, Polen, Lettland, Litauen und Estland erwartet, sagt Gerjan Mazenier, Generalmanager des Experten für "flexible Personallösungen" verantwortlich für Zentraleuropa. "Wir arbeiten in einem höheren Segment, der Markt ist dort eigentlich schon vergeben", so Mazenier weiter. Der ehemalige Pilot der Royal Netherlands Air Force ist seit 2009 für Deutschland, Österreich, Dänemark, Polen und Tschechien verantwortlich.

Brunel ist auf die Vermittlung hoch qualifizierter Ingenieure, Informatiker, Techniker, Kaufleute und Manager spezialisiert und zählt als Brunel International mehr als 8000 Mitarbeiter in 34 Ländern weltweit. Von den weltweit 90 Standorten befinden sich fünf in Österreich.

Werfe man einen Blick auf den Zentral- und Osteuropa-Markt, sei heute schon ein - vielzitierter und deutlich erkennbarer - Fachkräftemangel zu beobachten. Klar sei, dass "die guten Ingenieure, die tatsächlich ins Ausland gehen wollten, schon längst europa- respektive weltweit eingesetzt sind", sagt Mazenier. Zu sehen sei dieses Phänomen etwa am Beispiel der Vorbereitungsarbeiten für die Fußball-EM 2012 in Polen und der Ukraine. Mazenier: "Dort wird in Infrastruktur investiert, in den Bau von Stadien und vieles mehr. In diese Arbeiten sind aber großteils ausländische Ingenieure involviert."

Es werden mehr Projekte

Klar sei, dass es in dem Segment der hoch qualifizierten Techniker schon lange nicht mehr um Gehalt oder "Wunschländer", sondern um herausfordernde Projekte gehe. Dieser Trend werde sich weiter verstärken, ist Mazenier überzeugt. Und an dieser Stelle sieht er auch große Chancen für ältere Arbeitnehmer: "Es gibt drei Gründe, um mit diesen Leuten zu arbeiten - Flexibilität, Kapazität und Kenntnis. Der Wert, den diese erfahrenden Mitarbeiter über ihr Know-how und ihr Fachwissen mitbringen, ist enorm." Die Gruppe könne ein "riesiges Loch" füllen, das durch den Fachkräftemangel bei den unter 30- bis 40-Jährigen gerissen wurde.

Was grundsätzlich einen "Bruneler" auszeichnet, bricht Mazenier auf drei Punkte herunter: Er oder sie muss erstens kommunikativ fähig sein - für internationale Projektarbeit sei diese soziale Komponente fast noch wichtiger als die fachliche Expertise, die Mazenier als zweiten Punkt nennt - "Minimum-Standard sei ein Bachelor-Abschluss". Und drittens Weiterbildung - und zwar fortlaufend und über Zertifizierungen. Reisebereitschaft nennt Mazenier ein "nice to have", aber kein "need to have". Man sei bis jetzt immer in der Lage gewesen "Leute aus der Nähe" unterzubringen, so der Brunel-Zentraleuropa-Chef, der es mit seinem Unternehmen in Österreich zur Marktführerschaft bringen will.

Auf das eher negative Image, das Zeitarbeitsfirmen nicht nur hierzulande haben, angesprochen, sagt Mazenier: "Es gibt zweifelsfrei negative Beispiele im Zeitarbeitsbereich. Diese Unternehmen werden sich ihre Haltung aber nicht mehr lange leisten können." Für einen Großkonzern wie Brunel sei es undenkbar, damit in Verbindung gebracht zu werden, Leute auszubeuten. Diese Situationen gelte es einfach allgemein zu verbessern. Als weltweiter Dienstleister für Ingenieure, sagt Mazenier, könnte Brunel für die Weiterentwicklung zahlreicher KMUs hier von großem Wert sein. (Heidi Aichinger/DER STANDARD; Printausgabe, 30.4./1.5.2011)

  • Gerjan Mazenier: Der Niederländer leitet seit 2009 das Zentraleuropa-Geschäft von Brunel. 
 
 
    foto: brunel/tom kleiner

    Gerjan Mazenier: Der Niederländer leitet seit 2009 das Zentraleuropa-Geschäft von Brunel.

     

     

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