Der Empfindung ihre Stimme

29. April 2011, 17:34
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"Das andere Konzert" mit Elgars Cellokonzert

Wien - "Anders" ist ein Konzert, wenn ein Mann, der ausschaut wie ein Dozent einer englischen Uni, sich zwischen den Sätzen eines Werkes mit einer Puppe, die er "Onkel" nennt, über Musik unterhält. "Das andere Konzert" nennt das Konzerthaus folgerichtig diese Reihe, die "familiengerechte Alternative zur üblichen Orchestermusikvermittlung". Der Dozent heißt Christopher Widauer, ist Gründer des Kabinetttheaters und kulturpolitischer Berater des Wiener Kulturstadtrates.

Hier erzählte Widauer über Edward Elgars Cellokonzert; in der verwandtschaftlichen Doppelconférence wurden biografische, musikwissenschaftliche und geschichtliche Basics über den Komponisten in Disputform aufbereitet: War Elgar ein "Hundertwasser des Musik"? War seine Musik populär oder populistisch? Ist Schönberg besser, da avantgardistischer? Und wieso ist Elgars Musik so traurig?

Den Fragen und Antworten lauschten ein angenehm gemischtaltriges Publikum, die Wiener Symphoniker, Dirigent Thomas Dausgaard und Solist Steven Isserlis. Zwischendurch wurde das Werk dann auch gespielt, Isserlis gelang dies unfassbar feinfühlig, virtuos und frei. Der Engländer spielte keine Noten oder Töne, er empfand in klingender Weise. So wurde sein Celloton zu einer Stimme, die mit schönerem Gesang berührte als die komplette Stimmbandkollegenschaft. (end, DER STANDARD - Printausgabe, 30. April/1. Mai 2011)

Konzerthaus, 30. 4., 19.30

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