Menschlicher Körper als "Brüter" für medizinische Wirkstoffe

30. April 2011, 17:40
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Projekt in Wien will Wirkstoffausschüttung optimieren

Wien - Forscher des Studiengangs "Molekulare Biotechnologie" der FH Campus Wien arbeiten an Verfahren, wie körpereigene, therapeutisch relevante Wirkstoffe direkt im Körper des Patienten produziert werden können - etwa Insulin bei einem Diabetiker. Das Projekt unter der Leitung von Thomas Czerny wird durch den Wissenschaftsfonds FWF gefördert.

Czerny und sein Team stellen zunächst sogenannte "verkapselte Zellen" her. Hierbei handelt es sich um körperfremde Zellen, die im Normalfall vom Immunsystem des Patienten bekämpft und sofort eliminiert werden. Mit der bereits etablierten Methode der Verkapselung erzeugen die Forscher eine dünne Membran, die diese Zellen schützt, gleichzeitig aber das Ein- und Ausdiffundieren von Nährstoffen und der erzeugten Wirkstoffe ermöglicht.

Zielgenaue Steuerung

Die Wiener Wissenschafter beschäftigen sich hauptsächlich damit, wie man die Wirkstoff-Herstellung gezielt steuern kann. Das Ziel besteht darin, die Wirkstoffausschüttung adaptiv auf die jeweilige therapeutische Anforderung einzustellen. Realisiert wird dieser Anspruch durch einen hitzeempfindlichen Genschalter, der ab einer gewissen Temperatur die Produktion des Wirkstoffs einleitet. "Die Erwärmung der Zellen erreichen wir durch magnetische Nanopartikel, die sich durch Einsatz von speziellen Magnetfeldern erwärmen lassen", so Czerny.

Diese Temperaturerhöhung aktiviert dann den Genschalter und bringt die Expression und in weiterer Folge die Wirkstoffausschüttung in Gang. Ein großer Vorteil ist die vielfältige Anwendbarkeit bei unterschiedlichsten Krankheiten. Czerny: "Bis zum Einsatz beim Menschen ist es - wie bei allen neuartigen Therapien - noch ein weiter Weg, aber unsere Versuche zeigen ganz klar, dass die Methode sehr gut funktioniert und eine feine Dosierung und Anpassung der Wirkstoffexpression möglich ist". (APA/red)

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