Charles hat es faustdick hinter den Ohren!

29. April 2011, 17:11
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Der Makel als Prestigeobjekt

Freitag, 29. April 2011; internationaler Tag des Maulaffen. Mein wahres Interesse an diesem Tag des großen Glotzens galt nicht Kate und William, sondern den Ohren von Prinz Charles. Königliche Henkel, hinter die man notfalls das Gesamtwerk von Shakespeare schreiben könnte! Royale Löffel, die den ausladenden Anspruch des britischen Empire klassisch elegant symbolisieren!

Ich nehme die Ohren von Charles gerne als Beleg für meine alte These, dass Schönheitsoperationen keine Sache der wirklich Reichen oder Hochadeligen sind (Ausnahme: Silvio Berlusconi, der Prolomilliardär, der nach der x-ten Fettabsaugung nicht mehr wie 74 ausschaut, sondern höchstens wie 73). Gummibusen und Botoxspritzen lassen sich nur Hollywoodstars verpassen, oder Halbwüchsige, die wegen der Castingshows im Fernsehen glauben, sie müssten wie Hollywoodstars aussehen.

Wie anders die Royals! Prince Charles besäße (es folgt ein Understatement) gewiss die finanziellen Mittel, sich bei Doktor Worseg unters Messer zu legen. Er tut es aber nicht, und zwar deshalb, weil es ihm einfach gleichgültig ist, was der Pöbel von seinen Ohren hält. Anzunehmen, dass sich Charles auch nur eine Sekunde wegen der Ohrwaschelkaktus-Witze gräme, die in den vergangenen Tagen die Runde machten, wäre grotesk. So grotesk wie die Annahme, dass sich die Queen täglich ein Activia genehmigt, um ihrem Blähbauch zu Leibe zu rücken.

Körperliche Makel sind heute eine Prärogative der wirklich Vermögenden oder der Hochadeligen, ebenso wie augenfällige Nachlässigkeiten in der Kleidung (schlecht sitzende Kronen; schmierige Szepter; mit Dotterflecken besudelte Hermelinmäntel etc.). Trifft man in Gesellschaft auf jemanden, der ungeniert einen starken Bocksgeruch spazieren führt, handelt es sich meist um einen Fürsten oder Baron. Nur von Abstiegsängsten geplagte Kleinbürger haben es nötig, sich die Achseln mit Axe auszusprühen, damit sie bei ihren Bürokollegen einen zischfrischen Eindruck schinden.

Sozial ebenfalls verdächtig: Personen von höchst attraktivem Äußeren (Sebastian Kurz, Fiona Grasser etc.): Bei ihnen keimt stets der Verdacht auf, dass sie niedriger Herkunft sind. Wer sein Sozialprestige aufpimpen möchte, täte also gut daran, sich sofort von einem Hässlichkeitschirurgen eine Zahnlücke oder Triefaugen operieren zu lassen. (Christoph Winder, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 30. April/1. Mai 2011)

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