Ace of Base-Mitgründer: Musikindustrie war bei Napster zu arrogant

21. Mai 2011, 12:54
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Die schwedische Popband setzt nach ihrem Comeback auf Remixes mithilfe von Facebook-Usern

Während die Musiklobby mit Millionen-Klagen gegen Filesharer und Tauschbörsen das geistige Eigentum von Künstlern, vor allem aber ihre eigenen Einnahmen zu schützen versuchen, können einige Künstler mit dem traditionellen Businessmodell der Labels nichts mehr anfangen. Ace of Base-Mitgründer Ulf Ekberg erklärte im April auf der Sime Vienna wieso Social Media die Zukunft des Musikgeschäfts sei.

Comeback 2007

Die schwedische Popband Ace of Base feierte in den 90ern ihre größten Hits und schaffte es etwa mit "The Sign" auch in den USA auf Platz 1 der Charts. Folgende Alben konnten jedoch noch an die Anfangserfolge anknüpfen. Nach mehreren Jahren der Auszeit und Solokarrieren kehrte die Band in veränderter Besetzung im Jahr 2007 wieder zurück ins Tonstudio. 2010 erschien mit "The Golden Ratio" das erste Studioalbum seit der Pause.

Musikindustrie muss sich ändern

Das neue Album wird zwar bei Universal Studios vermarktet, doch am Musikbusiness übt Ekberg scharfe Kritik. Einer der größten Fehler der Labels sei die Haltung gegenüber Napster gewesen. "Sie waren zu arrogant um die Innovation zu erkennen und brachten Napster um", so Ekberg. Aber auch Jahre später hätte das Musikbusiness nichts daraus gelernt. Die Industrie glaube noch immer, dass Technologie und Dienste wie YouTube eine Bedrohung seien. Das sei schon bei der Einführung der ersten Kassetten-Spieler mit Aufnahmefunktion so gewesen. "Sie müssen sich ändern, tun es aber nicht."

"Facebook ist der Schlüssel"

Ekberg ist der Meinung, dass der Schutz geistigen Eigentums zwar wichtig ist, doch das Distributions-Modell von Musik müsse überdacht werden. Ace of Base setzt daher stark auf verschiedene Social Media-Plattformen. "Facebook ist der Schlüssel zu allem", ist der Popmusiker sicher. So ließ die Band Songs von der Community remixen und veröffentlichte die besten auf ihrer Facebook-Seite. Das sei nicht nur billiger als einen Remix vom Musiklabel produzieren zu lassen, es stärke auch die Bindung zu den Fans. Die direkte Interaktion auf Augenhöhe sei für die Band sehr wichtig.

"Lady Gaga versteht Social Media"

Ekberg glaubt nicht an das Ende von Musiklabels, denn für Marketing werde es immer eine Industrie geben. Popstars wie Lady Gaga seien jedoch mithilfe von Social Networks groß geworden und nicht mit der Industrie. Die Künstlerin sei deshalb so erfolgreich weil sie Social Media verstehe. Die Sängerin hat etwa auf Twitter mittlerweile über 9 Millionen Follower und über 33 Millionen Facebook-Fans. Jahrhundertbands wie U2 oder die Rolling Stones werde es nach Ansicht des Musikers jedoch nicht mehr geben, da sich das Business dafür mittlerweile zu schnell verändere. (Birgit Riegler/derStandard.at, 21. Mai 2011)

  • Ulf Ekberg auf der Sime Vienna (Foto: Gil Cheng/www.gilcheng.de)
    foto: gil cheng/www.gilcheng.de

    Ulf Ekberg auf der Sime Vienna (Foto: Gil Cheng/www.gilcheng.de)

  • Ace of Base in aktueller Besetzung: Ulf Ekberg, Clara Hagman, Julia Williamson und Jonas Berggren
    foto: epa

    Ace of Base in aktueller Besetzung: Ulf Ekberg, Clara Hagman, Julia Williamson und Jonas Berggren

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