Weidmann leitet Deutsche Bundesbank

29. April 2011, 13:27
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Bundespräsident Wulff zu Weber-Nachfolger: "Machen Sie was draus"

Berlin - Der deutsche Bundespräsident Christian Wulff hat den 43-jährigen Jens Weidmann am Freitag zum Präsidenten der Deutschen Bundesbank ernannt. Der bisherige Wirtschaftsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist damit der bisher jüngste Chef der deutschen Notenbank. Wulff überreichte ihm die Ernennungsurkunde für seine achtjährige Amtszeit in seinem Berliner Amtssitz Schloss Bellevue mit den Worten: "Herzlichen Glückwunsch. Viel Erfolg. Machen sie was draus!" Dem bisherigen Bundesbankchef Axel Weber, der auf eigenen Wunsch ausschied, händigte Wulff die Entlassungsurkunde aus.

Mit der persönlichen Übergabe der Urkunden wollte Wulff nach eigenen Worten ein Zeichen setzen für die "überragende" Bedeutung, die er der Unabhängigkeit der Bundesbank beimesse. "Wir vertrauen Ihnen als Person. Wir vertrauen der Deutschen Bundesbank als Institution wie bisher und wir vertrauen der Europäischen Zentralbank", sagte der Bundespräsident. "Wir setzen auf Ihre Arbeit, die Stabilität des Geldes zu wahren." Weidmann stehe damit vor einer großen Herausforderung. Die Bürger erwarteten zudem, dass die Bundesbank auch unter Weidmann ihre Unabhängigkeit "weiterhin lebt." Die Deutschen hätten aus ihrer Geschichte ein besonderes Bewusstsein dafür, wie wichtig eine inflationsgeschützte, stabile Währung sei.

Dank an Weber

In seinem Dank an Weber würdigte der Bundespräsident dessen Beitrag zur Überwindung der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie zum Kampf gegen die Schuldenkrise in Europa. Die Stimme der Deutschen Bundesbank sei auch international deutlich hörbar gewesen, sagte er. Mit Blick auf die Beschlüsse zur Lösung der Schuldenprobleme im Euro-Raum forderte Wulff, diese müssten von den Beteiligten auch eingehalten werden. Sonst gerate der Euro ins Wanken. Der Bundespräsident betonte Webers Verdienste für die Geldwertstabilität. Es gelte, an wichtigen Grundsätzen festzuhalten. Einer davon laute: "Eine Politik des knappen Geldes ist eine Politik guten Geldes."

Weidmann wird gemäß seiner Ernennungsurkunde formell ab 1. Mai neue Bundesbank-Präsident sein. Damit wirkt er dann auch im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) an der Gestaltung der europäischen Geldpolitik mit. Die Amtseinführung findet am Montag in Frankfurt, dem Sitz der Notenbank, statt. Weidmann hatte erst vor wenigen Tagen seinen 43. Geburtstag gefeiert. Während seines Berufslebens arbeitete er unter anderem für den Internationalen Währungsfonds (IWF), den Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und bereits einmal für die Bundesbank. 2006 war er dem Ruf von Kanzlerin Angela Merkel gefolgt und ihr Wirtschaftsberater und später auch ihr Chef-Vorbereiter (Sherpa) für die G-8- und G-20-Gipfel geworden.

Der 54-jährige Weber hatte Mitte Februar überraschend mitgeteilt, er wolle sein Amt "aus persönlichen Gründen" mit dem Ende seines siebenten Amtsjahres zum 30. April niederlegen. Er war bis dahin auch der Kandidat der deutschen Bundesregierung für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet. Mit seinem Nachfolger verbindet ihn eine langjährige Bekanntschaft. So war er Zweitgutachter bei Weidmanns Doktorarbeit. Weber hatte sich schon vor seiner Zeit als Bundesbank-Präsident als streitbarer Wissenschafter einen Namen gemacht. Als Notenbanker galt er als geldpolitischer "Falke". Die EZB-Ankaufprogramme für Anleihen notleidender Euro-Staaten hatte er öffentlich kritisiert.

Weber will nun in die Wissenschaft zurückkehren. Er gilt aber auch als Kandidat für die Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann bei der Deutschen Bank. (APA/Reuters)

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