Inseltransplantation bei Typ-1-Diabetes

29. April 2011, 13:29
1 Posting

Transplantiertes "Mini-Organ" produziert Insulin in der Leber

München - Weltweit wird an Therapien für die bisher unheilbare Stoffwechselerkrankung Diabetes mellitus Typ 1 geforscht. Ein chirurgischer Ansatz ist es, Insulin produzierende Zellen in die Leber zu implantieren. Diese, in Deutschland sehr selten durchgeführte Inseltransplantation, ist eine Option für Typ-1-Diabetiker, die trotz optimalen Diabetesmanagements unter schweren Komplikationen, insbesondere Unterzuckerungen, leiden. Weitere Forschungsarbeit soll es ermöglichen, zukünftig Stammzellen oder gentechnologisch veränderte Zellen einzusetzen. Aktuelle Erkenntnisse in der Transplantationsmedizin sind Schwerpunktthema des 128. Chirurgenkongresses vom 3. bis 6. Mai 2011 in München.

Die heutige Diabetes-Therapie hat Lebensdauer und Lebensqualität von Typ-1-Diabetikern entscheidend verbessert, Heilung verspricht sie nicht. Bei einer Gruppe von Typ-1-Diabetiker gelingt es auch unter Therapie nicht, massive Blutzuckerschwankungen zu stabilisieren. Mit einer chirurgischen Intervention könnten sich zukünftig schwere Unterzuckerungen vermeiden lassen. 

Transplantiertes "Mini-Organ"

Ein Ansatz ist, aus der Bauchspeicheldrüse eines Organspenders Insulin produzierende Langerhans Inseln zu gewinnen und diese Zellen isoliert zu transplantieren. Dabei wird das aufbereitete Gewebe über einen Katheter in die Pfortader der Leber eingeschwemmt. Die Inseln siedeln sich dann als „Mini-Organ" in der Leber an und produzieren Insulin. „Einer der Vorteile ist, dass die Inseltransplantation als minimal invasives Verfahren wesentlich weniger Operationsrisiken hat, als beispielsweise eine Pankreastransplantation", meint Hans-Detlev Saeger vom Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden. Allerdings ist auch bei dieser Therapieform eine lebenslange Immunsuppression notwendig und die implantierten Zellen produzieren meist nicht ausreichend Insulin, um eine komplette Heilung zu erzielen. Die Behandlung wird in Dresden deshalb nur bei Diabetikern durchgeführt, die trotz optimalen Diabetesmanagements unter sehr rasch und sehr stark schwankenden Blutzuckerwerten, einer Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung oder sonstigen schweren Komplikationen leiden. Bei ihnen gelingt durch die Inseltransplantation in den meisten Fällen eine erhebliche Stabilisierung des Stoffwechsels und eine enorme Verbesserung der Lebensqualität.

Stammzellen als Alternative

Das Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden hat derzeit in Deutschland das einzige aktive Inseltransplantationsprogramm. Seit dem Jahr 2008 wurden mit dem Verfahren sechs Typ-1-Diabetiker behandelt. Weltweit nimmt allerdings über die letzten Jahre die Zahl der Inseltransplantationen stetig zu: Insgesamt wurden seit 1999 knapp 1000 durchgeführt, rund 400 davon in den letzten beiden Jahren. Weitere Aktivitäten in der Forschung sollen das Verfahren verbessern und einer größeren Anzahl von Patienten zugänglich machen. Ein limitierender Faktor ist bisher die begrenzte Anzahl von menschlichen Organspenden. Alternative Quellen für die biologische Insulinersatztherapie könnten zukünftig Stammzellen, gentechnologisch modifizierte Zellen oder die Zellen von Tieren sein. (red)

Share if you care.