Spielmacher Picasso

29. April 2011, 18:02
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Mit Impressionisten und der Moderne machen die Giganten das meiste Geschäft - kommende Woche in New York

In dieser Bilanzklasse, in der es jährlich um Umsätze in der Größenordnung von vier bis fünf Milliarden Dollar geht, tummeln sich in der Auktionsbranche halt nur zwei Anbieter. In den Chefetagen und Departments von Christie's und Sotheby's liefert man sich deshalb ein tagtägliches Kopf-an-Kopf-Rennen. Darüber, wer aktuell die Nase vorn hat, wird auch kommende Woche die weltweit verstreute Sammlergemeinde entscheiden. Konkret stehen in New York (3.-5. 5. 2011) die Versteigerungen von Kunstwerken der Kategorie Impressionist & Modern Art auf dem Programm. Ein Blick in die Bilanzen 2010 zeigt, welche Bedeutung diese Sparte tatsächlich (wieder) hat: Für beide Auktionshäuser geht es um einen jährlichen Umsatzanteil von 24 Prozent, addierten sich die in allen Auktionssälen erteilten Zuschläge vergangenes Jahr auf 1,2 (Christie's) bzw. 1,03 (Sotheby's) Milliarden Dollar. Zumindest ein, besser zwei Zehntel dessen sollten sich die Unternehmen also Ende kommender Woche jeweils notieren dürfen.

Dabei ist die Gruppe der Rekordanwärter traditionell eine überschaubare und steht im Zuge der prestigeträchtigen Evening-Sales im Rampenlicht. Zum Auftakt (3. 5.) schickt Sotheby's 59 Lots ins Rennen, für die man entsprechend ihrem Schätzwert zwischen 159 und 230 Millionen Dollar einzuspielen erhofft.

Konkurrenzloser Bestseller

Angeführt wird dieser Tross von einer Werkgruppe Pablo Picassos, die stolze zehn zwischen 1901 und 1970 ausgeführte Ölbilder umfasst. Dazu gehört Femmes lisant (Deux personnages), ein auf 1934 datiertes Porträt seiner Geliebten Marie-Thérèse Walter, für das der künftige Besitzer zwischen 25 und 35 Millionen Dollar springen lassen müsste. Ein neuer Rekordanwärter? Möglich. Und realistisch, wie Picasso auch schon fünf der letzten sieben Saisonen im Ranking der höchsten Zuschläge des Jahres weltweit für sich entscheiden konnte.

Wäre da nicht das anderntags bei Christie's angebotene und auf 20 bis 30 Millionen Dollar taxierte Les femmes d'Alger, version L, (1955) das nach fünf Jahrzehnten fern der Öffentlichkeit in einer Privatsammlung beheimatet mit seinem Format ebenso wie kunsthistorisch als Hommage an Eugène Delacroix punkten könnte.

Zu den weiteren Anwärtern auf den Titel "Höchster Zuschlag des Abends", an dem Christie's einen Umsatz von 162 bis 232 Millionen verzeichnen wird, gehören Maurice de Vlaminck (Paysage de banlieue, 1905; 18-25 Mio. Dollar), Claude Monet (Les peupliers, 1891; 20-30 Mio. Dollar; Iris mauves, 1914-17; 15-20 Mio. Dollar) oder auch Henri Matisse (La fenêtre ouverte, 8-12 Mio. Dollar). (Olga Kronsteiner, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 30. April/1. Mai 2001)

  • Maurice de Vlamincks Landschaftsstück aus dem Jahr 1905 soll bis zu 25 
Millionen Dollar bringen.
    foto: christie's

    Maurice de Vlamincks Landschaftsstück aus dem Jahr 1905 soll bis zu 25 Millionen Dollar bringen.

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