Filmstadt "Cinecitta" erstmals Besuchern zugänglich

29. April 2011, 12:08
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"Hollywood Italiens" dokumentiert seine 75-jährige Geschichte mit einer großen Ausstellung

Rom - Nach über 3.000 Filmen, mehreren legendären Mammutproduktionen und einer 75-jährigen Geschichte zeigt sich die römischen Filmstadt Cinecitta in all ihrem Glanz. Seit dem heutigen Freitag können Besucher erstmals den Ort besichtigen, an dem legendäre Filme wie "Ben Hur" und "Quo Vadis" entstanden sind. Anlässlich der Ausstellung "Cinecitta si mostra" (Cinecitta zeigt sich) öffnet das "Hollywood Italiens" seine Tore.

Die Besucher können bekannte Filmkulissen bewundern, wie jene von Martin Scorseses Film "Gangs of New York". Hier hat auch der italienische Regisseur Nanni Moretti die Sixtinische Kapelle für seinen letzten Film "Habemus Papam" nachgebildet, der im Rennen um die Goldene Palme beim diesjährigen Filmfestival in Cannes ist. Fotos von unvergesslichen Stars wie Sophia Loren und Liz Taylor dokumentieren die glorreiche Geschichte der Studios.

Benigni: "Hier atmet man die Geschichte des Films"

Die Ausstellung in Cinecitta, die bis zum 30. November besucht werden kann, wurde am Donnerstagabend mit einer großen Party eingeweiht, an der sich auch Oscar-Preisträger Roberto Benigni und der namhafte Filmproduzent Aurelio De Laurentiis beteiligten. "Hier atmet man die Geschichte des Films, es ist einfach beeindruckend", erklärte Benigni bei der Besichtigung der Ausstellung. "Cinecitta gehört wie Hollywood zur Filmgeschichte. Diese Ausstellung könnte als Grundlage für ein Filmmuseum in Cinecitta dienen", erklärte der römische Bürgermeister Gianni Alemanno.

Filme wie "La Dolce Vita" mit Anita Ekberg sind genauso mit dem Namen der Studios in der Stadt am Tiber verbunden wie die großen Künstler des italienischen Kinos von Roberto Rossellini bis hin zu Federico Fellini. Gegründet wurde die Studio-Stadt vor den Toren Roms 1937 von dem italienischen Diktator Mussolini. Der faschistische Duce hatte genau verstanden, dass das Kino eine wirksame Propagandawaffe sein kann.

US-Produktionen am Tiber

Die US-Filmemacher kamen erst, als Mussolinis Ära schon Vergangenheit war. Sie brachten Stars und Glamour an den Tiber. US-Regisseur Mervyn LeRoy drehte 1949 den Film "Quo Vadis" mit Peter Ustinov, Robert Taylor und Deborah Kerr. William Wyler produzierte hier mit Charlton Heston den Welterfolg "Ben Hur" (1958). Auch der Ruhm des italienischen Kinos ist ein Kind der Cinecitta: Rossellini, Vittorio De Sica und Luchino Visconti drehten regelmäßig in den Studios. Treuester Kunde war Fellini, der immer wieder nach Cinecitta zurückkehrte. Auch sein Meisterwerk "La Dolce Vita" entstand 1960 in den Studios.

Cinecitta erlebte in der Zeit von 1955 bis 1975 ihren Höhepunkt. Doch die glanzvollen Zeiten waren nicht von Dauer. Der einstige Ruhm ist längst verblasst. Die 70er Jahre und der Fernsehboom stürzten die Kinoindustrie in die Krise. Auf das "Goldene Zeitalter" von Cinecitta folgte ein Marsch durch die Wüste. Erst die weitgehende Privatisierung 1997, nach der der Staat nur noch 25 Prozent an dem Komplex besaß, hauchte dem Kinokoloss neues Leben ein.

Doch die Zeiten sind für die Filmstadt nach wie vor schwierig. Die Regierung Berlusconi hat im Rahmen der beschlossenen Kürzungen im Kulturbudget die Finanzierungen für die teilprivatisierten Filmstudios auf ein Rekordtief von 7,5 Millionen Euro reduziert. Noch vor sieben Jahren betrugen die öffentlichen Gelder für die Studio-Stadt vor den Toren Roms 29 Millionen Euro im Jahr. Die Regierung will die 126 Mitarbeiter der Studios reduzieren. Die Zukunft der Filmstudios bleibt durchaus ungewiss. (APA)

  • Filmstar Claudia Cardinale und Regisseur Sergio Leone bei den Dreharbeiten zu "Spiel mir das Lied vom Tod" in den Studios der Cinecitta. Die römische Filmstadt ist derzeit erstmals der Öffentlichkeit zugängig.
    foto: epa/cinecitta press office

    Filmstar Claudia Cardinale und Regisseur Sergio Leone bei den Dreharbeiten zu "Spiel mir das Lied vom Tod" in den Studios der Cinecitta. Die römische Filmstadt ist derzeit erstmals der Öffentlichkeit zugängig.

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