Prächtig statt dürr

    29. April 2011, 16:56
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    Viel Abwechslung und Aussicht verspricht eine Tour auf dem langen Kamm bis zur urigen Gauermannhütte

    Es ist manchmal ein Rätsel, wie Berge zu ihrem Namen kommen. Von einer Dürren Wand ist eigentlich zu erwarten, dass sie außer trostlosen, kahlen Flächen wenig zu bieten hat; genau das Gegenteil aber trifft zu. Bereits im späten Winter blühen Tausende von Schneerosen, die Blütenpracht findet bis in den Herbst eine Fortsetzung. Im Sommer zeigen sich geringe Bestände der Behaarten Alpenrose an, die vorwiegend unter der Bezeichnung Almrausch bekannt ist. Im Herbst erfreut sich der Wanderer an einigen Enzianarten.

    Die Dürre Wand ist folglich eine blühende Wand, die zudem ein weiteres Kuriosum aufweist: Sie ist höher als die benachbarte Hohe Wand. Der Gipfel des Berges - der Katharinenschlag - wird meist nur bei einer Überschreitung zum Öhler und Schober betreten, der Großteil der Wanderer besucht nur die urig-gemütliche Gauermannhütte auf dem vorgelagerten Plattenstein, denn dieser bietet eine prachtvolle Aussicht zum Schneeberg, zu vielen Gipfeln der Voralpen und in die malerischen Täler der Piesting und des Miesenbaches. Letzterer ist durchaus nicht mies, sein Name leitet sich von Moos her.

    Schon der Aufstieg von Waidmannsfeld über den langen Nordostkamm zum Plattenstein beschert von kleinen Felskanzeln viele Aussichtsplätze, die zum Verweilen und Schauen einladen. Etwas unterhalb der Felskante liegt die Tablerhöhle, in der es im Frühjahr interessante Eisbildungen zu bestaunen gibt. Der kurze Zugang zur Höhle ist in einem schlechten Zustand und nicht anzuraten. Der Name deutet auf einen alten Zufluchtsort hin. Die Chroniken vermelden, dass dort auch der berühmte Dichter Ferdinand Raimund zu Besuch war.

    Die Tour ist relativ lang mit stärkeren Steigungen, weniger Konditionsstarke sollten einen der kürzeren Anstiege ins Auge fassen. Die Route: Von der Haltestelle Miesenbach-Waidmannsfeld der Bahnlinie Wiener Neustadt - Gutenstein folgt man der roten Weitwandermarkierung über einen kleinen Rücken hinweg nach Waidmannsfeld. Gehzeit eine halbe Stunde. Dann beginnen die Steigungen. Über den Südhang des Martersberges erreicht man den Kamm, dem man - immer in der Nähe der felsigen Abstürze bleibend - bis zum Plattenstein und der Gauermannhütte folgt. Gehzeit ab Waidmannsfeld 2½ Stunden.

    Ein kurzes Stück weiter nach Westen, dann gabelt sich der Weg, auf dem linken Ast geht es steil hinab zum Schwaighofer. Bei einer kleinen Kapelle hält man sich links und erreicht in leichtem Anstieg auf einer roten Markierung die Anstiegsroute, auf der man nach Waidmannsfeld absteigt. Gehzeit ab Gauermannhütte 2 Stunden. Eine weitere halbe Stunde braucht man zur Haltestelle Miesenbach-Waidmannsfeld.

    Beginnt man die Tour in Waidmannsfeld, das mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht erreichbar ist, reduziert sich die Gehzeit um eine gute Stunde. (Bernd Orfer/DER STANDARD/Printausgabe/30.04.2011)

    • Gesamtgehzeit 5½ Stunden, Höhendifferenz 650 Meter. Gauermannhütte von 
Ostern bis Allerheiligen an Wochenenden und Feiertagen bewirtschaftet. 
ÖK25V Blatt 4206-Ost (Pernitz), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt 
Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000
      grafik: der standard

      Gesamtgehzeit 5½ Stunden, Höhendifferenz 650 Meter. Gauermannhütte von Ostern bis Allerheiligen an Wochenenden und Feiertagen bewirtschaftet. ÖK25V Blatt 4206-Ost (Pernitz), Maßstab 1:25.000; Freytag & Berndt Atlas Wiener Hausberge, Maßstab 1:50.000

    • Im Sommer blüht der Almrausch.
      foto: österreich werbung/wiesenhofer

      Im Sommer blüht der Almrausch.

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