User werden zu Datensammlern für Real-Time-Services

30. April 2011, 11:51
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Das MIT zeigte in Wien wie kollektiv gesammelte Daten von Mobilfunk und Sensoren neue Services ermöglichen

Die Verbreitung von Smartphones und mit allerlei Sensoren ausgestatteten Geräten ist in den vergangen Jahren stark gestiegen. Wie man die so gewonnenen Informationen für neue, urbane Services nutzen kann, damit beschäftigt sich das Senseable City Lab des MIT. Forscher Assaf Bidermann zeigte auf der SIME Vienna wie diese Daten beispielsweise für den Individualverkehr verwertet werden können.

Die Echtzeit-Stadt

Im April 2011 startete das MIT-Labor sein jüngstes Projekt namens Live Singapore. Dabei werden unterschiedlichste von Bügern generierte, digitale Daten von Mobilfunknutzung und diversen Sensoren kombiniert und in Echtzeit auf Karten visualisiert. Das System führt geografische und statistische Daten zusammen. Die Forscher erhoffen sich von dem Projekt neue Wege, wie Bürger ihre Stadt erkunden und erleben können, beispielsweise um die Wegzeit zu einem bestimmten Ziel zu berechnen oder die Verfügbarkeit von Produkten in Shops vorab abzurufen. In Kooperation mit dem Singapore Art Museum startete Anfang April eine Ausstellung, in der die Karten zu sehen sind.

Dem Müll auf der Spur

2009 wurde in Seattle das Projekt Trash Track ins Leben gerufen. 500 Personen erklärten sich bereit, einige ihrer Abfallstücke mit Smart Tags ausstatten zu lassen, um die Objekte auf ihrem Weg zur jeweiligen Entsorgungs- oder Wiederverwertungsstätte innerhalb der USA zu verfolgen. Insgesamt wurden 3000 Objekte getaggt und die Daten auf einer Landkarte visualisiert. Mehrere Objekte legten dabei einen Weg quer über den ganzen Kontinent zurück. Die Wissenschaftler wollen mit dem Projekt die Entsorgungskette so transparent wie die Lieferkette machen. So soll mehr Bewusstsein dafür geschaffen werden, was mit dem Müll passiert. Gleichzeitig lässt sich auch kontrollieren, ob gewisse Produkte tatsächlich recycelt werden.

Intelligente Fahrräder

Einen umweltbewussteren Lebensstil zu unterstützen ist auch das Ziel eines weiteren Projekts des MIT-Labs. In Kopenhagen hat man eine Lösung gesucht, den Bürgern mehr Anreize für die Radnutzung in der Stadt zu bieten. Beim 2009 gestarteten Projekt Copenhagen Wheel wurden Sensoren und Motor in das Hinterrad eines herkömmlichen Fahrrades integriert. Das E-Bike speichert die Energie während man selbst in die Pedale tritt und kann den Radfahrer etwa bei steileren Strecken mit Motorantrieb unterstützen. Über die Sensoren werden Daten über Feinstaubbelastung, Verkehrsaufkommen sowie den Zustand der Straßen in Echtzeit gesammelt. Die Daten können direkt über eine App an ein Smartphone übertragen und mit anderen Nutzern geteilt werden. Das System lässt sich prinzipiell in jedes Fahrrad einbauen.

Datensammlung mit User-Hilfe

Den Wert von solchen kollektiv gesammelten Daten haben Konzerne wie Apple und Google schon länger erkannt. Mithilfe von iPhones und Android-Smartphones werden beispielsweise die Standorte von WLAN-Hotspots und Mobilfunkanlagen erfasst. Jedes einzelne Gerät, auf dem Ortsdatendienste aktiviert sind, trägt dazu bei, dass die Datenbanken umfangreicher und genauer werden. Doch diese Datensammlung hat erst vor kurzem für Kritik seitens Nutzern und Datenschützern gesorgt. Apple hat die Daten zu lange in einer unverschlüsselten Datei gespeichert, die sich nach einem Backup auf dem Rechner leicht auslesen lässt. Das Unternehmen hat inzwischen angekündtigt, die Praxis mit einem baldigen Update zu ändern. Freiwilligkeit und Transparenz sind daher entscheidende Faktoren für Projekte wie die des MIT. (Birgit Riegler/derStandard.at, 29. April 2011)

  • Mithilfe von Mobilfunkdaten und Sensoren entstehen im Rahmen von Live Singapore Echtzeit-Karten.
    foto: mit.edu

    Mithilfe von Mobilfunkdaten und Sensoren entstehen im Rahmen von Live Singapore Echtzeit-Karten.

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