Gangaufsicht

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Das "Fahren im Idiotengang" ist nicht besonders schlau. Weder für den Menschen, noch für die Maschine

Es ist ja nicht so, dass H. sonst fad wäre: Als Restaurantkritiker hat er er- und ausgefüllte Tage. Doch da sich Lokale nicht vom Schreibtisch aus testen lassen und Bewegung gerade in H.s Beruf nicht schadet, fährt H. meist mit dem Rad durch die Stadt.

H. kommt dabei - gerade als Mann mit Blick für Details - nicht umhin, anderen Radfahrern aufs Ritzel zu schauen. Manchmal, erklärte er unlängst, könne er es sich dann nicht verkneifen, Menschen, die sich beim Anfahren fast über den eigenen Lenker katapultieren, anzusprechen. Oder Zeitgenossen, deren Strampelgeschwindigkeit beim gemächlichen Rollen in der Ebene dem Bergabsprint eines Rennfahrers entspricht, zu belehren.

Den Ausdruck "Fahren im Idiotengang", betont H., verwende er aber nie, wenn er derart radelnde Zeitgenossen frage, ob sie sicher seien, den optimalen Gang gewählt zu haben. Er meine es nur gut - und weise darum nur kurz darauf hin, dass es nicht sonderlich schlau sei, sowohl vorn als auch hinten gleichzeitig den kleinsten (oder: größten) Zahnkranz zu benutzen. Weder für den Menschen, noch für die Maschine.

Doch Dank erntet H. da selten. Meist bloß indigniertes Erstaunen. Oft auch unflätiges "Was geht das dich an?"-Gemaule. Einmal hat H. aber schon vom "Idiotengang" des Angesprochenen profitiert: Ein besonders gut gelaunter Zeitgenosse drohte ihm stante pede Schläge an - hatte aber bergauf keine Chance, H. einzuholen. (Thomas Rottenberg/DER STANDARD/Automobil/29.04.2011)

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