Schwacher Dollar befeuert Silber

29. April 2011, 08:09
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Das Edelmetall überspringt mit 49,51 Dollar das Rekordhoch von 1980

Der schwache Dollar macht wahr, was lange als unmöglich galt. Der Silberpreis hat seinen 31 Jahre alten Rekordstand übertroffen. Damals trieben zwei Spekulanten den Preis in die Höhe, heute sind es eine Handvoll Faktoren weltweit.

In der Nacht zum Freitag war es soweit: Mit 49,51 US-Dollar (33,47 Euro) übersprang der Preis für eine Feinunze (rund 31 Gramm) am Londoner Spotmarkt die magische Marke von 1980: Damals notierte die Feinunze ihren spekulationsgetrieben Höchststand von 49,45 Dollar. Hauptgrund waren Hamsterkäufe der US-Brüder Hunt, die damit in die Geschichte eingingen.

Allein in diesem Jahr hat der Silberpreis um fast zwanzig Dollar oder gut 65 Prozent zugelegt. Als weitaus wichtigsten Grund dafür nennen Marktbeobachter den schwachen US-Dollar. Seit vielen Monaten verliert der "Greenback" zu vielen wichtigen Währungen beständig an Wert. So notiert der Euro zum Dollar aktuell so hoch wie zuletzt vor knapp zweieinhalb Jahren - und das trotz der europäischen Schuldenkrise. Zu anderen Währungen sind die Verluste des Dollar sogar noch größer. Die Dollar-Schwäche führt dazu, dass die Silber-Nachfrage aus vielen Ländern einen starken Schub erhält: Die Anleger kehren dem Dollar zusehends den Rücken und investieren lieber in Silber.

Die Gründe für den schwachen Dollar liegen auf der Hand: Experten nennen die lasche US-Geldpolitik, die allenfalls mittelprächtige US-Konjunktur und die angeschlagenen Staatsfinanzen der USA als Hauptgründe. Einen starken Schub hatte der Silberpreis zuletzt von der amerikanischen Geldpolitik erhalten: Im Gegensatz zu vielen anderen Zentralbanken lässt die US-Notenbank Fed derzeit überhaupt keine Neigung erkennen, auf die geldpolitische Bremse zu treten. Mit rekordniedrigen Zinsen nahe null Prozent und einer immer noch immensen Geldschwemme trägt die Fed aber nicht nur zur Schwächung des Dollar bei. Sie hält auch die Liquidität im Markt so hoch, dass große Investoren stets auf den Suche nach neuen Anlagemöglichkeiten sind. Fündig werden sie nicht zuletzt am Edelmetallmarkt.

Verunsicherung

Zudem verunsichert die immense Verschuldung zahlreicher Staaten die Investoren und treibt sie in wertstabile Anlagen wie Silber - zumal neben Griechenland, Irland und Co. weitere Länder außerhalb Europas unter Beschuss geraten. So hatte die große Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) den USA unlängst mit dem Entzug ihrer Top-Bonität gedroht, sollte das Land nicht bald seinen Staatshaushalt in Ordnung bringen. Noch schlimmer sieht die Lage in Japan aus, das bereits vor der schweren Natur- und Atomkatastrophe den mit Abstand höchsten Schuldenberg aller großen Industrienationen angehäuft hatte.

Hinzu kommt die Furcht vor einer hohen Geldentwertung: So sorgen hohe Öl- und Energiepreise weltweit für einen starken Preisschub auf Verbraucherebene. Silber zählt mit Gold zu denjenigen Anlagen, die regelmäßig als Inflations- und Krisenschutz gesucht werden. Darüber hinaus verweisen Experten auf die anhaltend starke Silber-Nachfrage aus der Industrie. Silber wird bei der Produktion vieler hochwertiger Güter eingesetzt, allen voran im Elektronikbereich. Und Marktbeobachter sind sich einig: Trotz der schweren Produktionseinbrüche in Japan, das im Elektronikbereich besonders stark vertreten ist, dürfte die industrielle Silber-Nachfrage hoch bleiben.

Ob die Silber-Hausse andauern wird, darüber gehen die Meinungen der Experten auseinander. "Die fundamentalen Rahmenbedingungen des physischen Silbermarktes sind intakt", sagt etwa Bayram Dincer, Rohstoffexperte beim Handelshaus LGT Capital Management. Anders ausgedrückt: Mit dem schwachen Dollar, dem starken Inflationsdruck und der hohen Unsicherheit sprechen gleich drei wichtige Faktoren für anhaltend hohe Silberpreise. Dincer hält gar einen Höchstpreis von 60 Dollar in diesem Jahr für möglich. Andere Beobachter teilen diese Einschätzung nicht. So gehen die Rohstoffexperten der Commerzbank von einem baldigen Ende des Preisbooms aus und verweisen etwa auf ein zuletzt geringeres Anlegerinteresse. (APA/Reuters)

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    Wenn auch nicht echtes Silber, dafür glanzvoll: Die Schuhe der Skirennfahrerin Maria Höfl-Riesch bei ihrer standesamtlichen Trauung Mitte April.

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