Nur kein Drama

28. April 2011, 19:35
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Man kann sich fragen, was hier vorgeht

Wenn ein ganzes Land stillsteht und ein Fünftel der Menschheit via TV zusieht, wie sich zwei attraktive, aber recht durchschnittliche junge Menschen nach jahrelangem Zögern das Jawort geben, kann man ruhig innehalten und sich fragen, was hier eigentlich vorgeht.

Die britische Monarchie ist ein Relikt aus einer vergangenen Zeit und ein Konstrukt des modernen Medienzeitalters. Mit alten Ritualen und neuen Storys wollen die Royals der Nation Identität geben und das Volk unterhalten. Doch die Tragikomödie rund um Charles, Diana und Camilla trieb das teure Staats- und Familienunternehmen Windsor fast in den Ruin. Aus den Royals wurde eine billige Seifenoper, für die sich die meisten Briten genierten.

Die William-und-Kate-Show ist nun das totale Gegenprogramm. Angeblich hasst der Prinz die Medien, die seine Mutter einst gemacht und dann zerstört haben; er sorgt dafür, dass es über diese Hochzeit nichts Interessantes zu schreiben gibt. Seine Entscheidung für eine bürgerliche Braut wirkt wie eine Revolution, ist aber vor allem ein Akt höchster Vorsicht: lieber eine coole Aufsteigerin, die so gar nicht dem Bild einer Märchenprinzessin entspricht, als eine exaltierte Aristokratin à la Lady Di und Fergie. Nur keine negativen Schlagzeilen, nur kein Drama.

Wenn das langweiligste Freitagvormittagsprogramm aller Zeiten dann zu Ende ist, sollte nach der Vorstellung der Queen eine Ära beginnen, in der das Königshaus nur noch abgestumpfte Rituale ohne jeden Unterhaltungswert abwickelt. Damit will sich die Monarchie in die nächste Generation retten. Aber wenn die Illustrierten einmal nicht mal mehr genug Stoff haben, um Klatschgeschichten aus dem Königshaus zu erfinden, dann werden sich die Briten vielleicht doch noch fragen, was das ganze Theater soll. (Eric Frey, DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2011)

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