Der Rest ist Arbeit

28. April 2011, 18:40
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Faszinierend, wie stark Kurz bei Stimmklang und Sprechduktus an Karl-Heinz Grasser erinnert

Keine Ahnung, welch tollkühne Ideen in dem jungen Mann schlummern. Unklar auch, wie groß dessen Gestaltungsspielraum ist. Unmöglich auch zu sagen, ob er nur das freundliche Gesicht einer sehr unfreundlichen Politsache wird. Keine Ahnung, ob er dazu selbst eine Ahnung hat. Nach seinem ZiB 2-Interview ist zumindest aber sicher - Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz, der dem Gedanken "Deutsch vor Zuzug" sehr viel abgewinnen will, könnte in Österreich problemlos einwandern!

Er kann Deutsch, er drückt sich sogar unfallfrei aus, was angesichts erlebter TV-Sprachkarambolagen einiger seiner erfahrenen Politkollegen tatsächlich Fortschritt bedeutet. Natürlich merkte man, dass er sich noch in den Flitterwochen mit seinem neuen Job befindet. Er hat in der ZiB 2, wenn man so will, erfolgreich keinen Eindruck hinterlassen. "Beachtlich" in diesem Zusammenhang aber seine Fähigkeit, einen einstudierten Text gut über die Rampe zu bringen und nur wenig zu variieren, auch wenn selbiger durch Journalistenfragen unterbrochen wird.

Tatsächlich faszinierend indes, wie stark Kurz bei Stimmklang und Sprechduktus an Karl-Heinz Grasser erinnert. Nachdem es jedoch kein Urheberrecht bezüglich der Art gibt, wie man sich ausdrückt, darf Kurz nicht hoffen, von Studienobjekt Grasser wegen Stimmenplagiats geklagt zu werden und auf diesem Weg seine Bekanntheit weiter auszubauen.

Dennoch: Auf dem schon Erreichten - Kurz hat sich schnell (medial) als freundlich-unscheinbarer Diplomat gut integriert - könnte er sich jetzt schon ausruhen. Sollen jedoch die Fragen nach dem Geilomobil aufhören, wird es nötig sein, die Ärmel hochzukrempeln. (Ljubisa Tosiæ/DER STANDARD; Printausgabe, 29.4.2011)

Link zur ORF-TV-Thek
Kurz im Studio der "ZiB 2"

  • Kurz in der "ZiB 2".
    foto: screenshot/orf-tvthek

    Kurz in der "ZiB 2".

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