Rektorenchef

"In Töchterles Haut möchte ich nicht stecken"

28. April 2011, 17:59

Rektorenchef Sünkel kritisiert Budgetplan der Regierung, an den Universitäten laufen Sparpläne an

Wien - "Keine gute Nachricht" hält der neue Budgetplan der Regierung für Hans Sünkel bereit. "Ich hätte mir sehr viel Mut bei der Planung für die Zukunft erwartet", sagt der Wortführer der Uni-Rektoren im STANDARD-Interview: "Darunter verstehe ich Investitionen in die Bildung der Jugend. Das vermisse ich im Finanzrahmen."

Was die Unis brauchen

Allein die Unis bräuchten ab 2013 pro Jahr um 300 Millionen Euro mehr Budget, warnt Sünkel - "nicht um Luxus aufzubauen, sondern um den ohnehin schon schlechten Status Quo aufrechtzuerhalten". Bleibe das Geld aus, müssten unweigerlich Einschnitte beim Personal folgen.

Wie ein Rundruf der Austria Presse Agentur ergab, laufen bereits erste Maßnahmen an. Die Uni Wien spricht von 20 Millionen, die nach aktuellem Stand bereits heuer eingespart werden müssten. An der TU Graz gilt bereits ein Berufungsstopp, an der Med-Uni Wien wird das Gros der frei werdenen Stellen nicht nachbesetzt.

Weniger Budgetsteigerung als Inflation

Allerdings hoffen die Rektoren noch auf Verhandlungen im Herbst, wenn das neue Dreijahresbudget der Unis für 2013 bis 2015 fixiert wird. Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), einst selbst Rektor, sei "davon überzeugt, dass die Unis die 300 Millionen brauchen", glaubt Sünkel: "Er ist nun gefragt, mehr Geld an Land zu holen." Verständnisvoller Nachsatz: "In Töchterles Haut möchte ich nicht stecken."

Laut Finanzrahmen steigt das Budget für Wissenschaft und Forschung bis 2015 um 3,9 Prozent und damit geringer als die erwartete Inflation. Im Finanzministerium lässt man diese Rechnung so aber nicht gelten. Erstens sei der Warenkorb, anhand dessen die Teuerung gemessen wird, für Unis nicht repräsentativ. Zweitens, sagt Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP), könnten Ressorts ja bei der Verwaltung sparen, um Geld für Investitionen frei zu machen. Im Bereich Wissenschaft fehlt Sünkel freilich der Glaube: "Die großen Happen sehe ich da nicht."

Ministerium verweist auf privaten Sektor

Zur Kritik an zu geringen Budgets für Forschung hält man im Ministerium fest: Die öffentliche Hand komme hierzulande für 41 Prozent der Forschungsausgaben auf, der OECD-Schnitt liege bei nur 28 Prozent. Es sei vielmehr der private Sektor, der schwächle.

Kritik üben auch Hilfsorganisationen, weil das Budget für Entwicklungshilfe bis 2015 um ein Drittel gekürzt werde, sowie der Rechnungshof. Laut dessen Bundesrechnungsabschluss wurden Vorbelastungen im Zusammenhang mit Investitionen der ÖBB nicht im Budget ausgewiesen - das Finanzministerium sagte in der Folge zu, die 28,9 Milliarden über 50 Jahre zu verbuchen. Weil die Staatsschulden 2010 auf 205 Milliarden stiegen, mahnt Rechnungshofpräsident Josef Moser zu Strukturreformen: "Wir können nicht länger warten". (Gerald John, STANDARD-Printausgabe, 29.4.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 67
1 2
Outlaw
14
29.4.2011, 09:14
Ich habe mein Studium über den 2. Bildungsweg beschritten

und ich muß sagen, daß ich wirklich enttäuscht war. Unterrichtet wird man von hilflosen, stotternden Studienassisten, seinen Professor bekommt man oftmals gar nicht zu Gesicht. Die Studienprogrammleitung war komplett inkompetent und änderte ständig die Zugangsbestimmungen zu Kursen, so daß das was man im Vorsemester dafür leistete nichts mehr Wert war. Außerdem wurden 4!!! E-Learningplattformen benutzt - eine derartige Verschwendung ist mir noch nie untergekommen. Bitte keine Steuergelder mehr für diesen inkompetenten Haufen ausgeben!

28 Mitgliedstaaten
00
29.4.2011, 10:11
StudAss

dürfen nicht unterrichten!

Dürfte spezifisch an Ihrem Fach liegen ...

Amokk
11
29.4.2011, 15:29

Dürfen... Sie müssen manchmal trotzdem

skyrock
00
klar weil die Profs ihre Lehrverpflichtung nicht einhalten

da sollte das Ministerium einmal näher hinsehen

gerneleserIn
11
29.4.2011, 10:29

wer sagt das? Warum werden dann häufig Studienassistenten (prae doc) mit Lehrverpflichtung eingestellt?

28 Mitgliedstaaten
00
29.4.2011, 16:47
ich dachte schon,

dass hier so einige nicht wissen, welche Kategorien von Mitarbeitern an Unis es eigentlich gibt ...

zauberlehrling85
00
29.4.2011, 10:41

das sind dann Universitätsassistenten (die haben einen Master/Mag)
Studienassistenten sind Studierende ohne Master/Mag die an der Uni beschäftigt sind

gerneleserIn
01
29.4.2011, 10:44

stimmt, ich hab das verwechselt....outlaw wird wohl auch die uni.ass gemeint haben u nicht studienass.

Outlaw
00
29.4.2011, 12:47

Ja, habe ich. Tut mir leid wenn Mißverständnisse aufgekommen sind.

28 Mitgliedstaaten
00
29.4.2011, 16:48
vermutlich

stottern aber nicht alle Absolventen, die an Unis als wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt sind ...

ChristianderGuru
10
29.4.2011, 09:13
In Töchterles Haut möchte ich nicht stecken

Es gibt eben Tuer und Macher und vom Balkon aus Kritisierer (siehe Muppets Show)

Günter Marek
21
29.4.2011, 08:54
Nicht mehr Geld, sondern besseres Personal (Teil 2)

... Jemand wie ich, der nicht seine Zeit mit akademischen Hirngespinnsten (und das in einer Disziplin wie der Informatik) vergeuden möchte, war nach einen Jahr wieder raus aus dem Doktoratsbusiness. Mich verwundert nun aber zumindest nicht mehr, warum es mit den Unis so bergab geht. Am Geld liegt es aber definitiv nicht ;-)

prado
22
29.4.2011, 09:49
ein weiteres hätte Ihnen nicht geschadet

vielleicht wären dann ihre Deutschkenntnisse etwas besser

Günter Marek
22
29.4.2011, 10:05
Kleinkrieg

"vielleicht wären dann >>>ihre<<< Deutschkenntnisse etwas besser"

Naja, "ihre" schreibt man trotz Rechtschreibreform immer noch groß ;-)

Amokk
11
29.4.2011, 15:30

Da hat er nicht unrecht.

Günter Marek
00
29.4.2011, 08:58
Zur Überschrift

Bzgl "In Töchterles Haut möchte ich nicht stecken": Ich auch nicht! Aber nicht wegen dem Budget, sondern weil mit dieser personellen Truppe kein Krieg zu gewinnen ist. (Es gibt natürlich auch löbliche Ausnahmen, das sind aber maximal 10% der Gesamtheit)

Langschluss
02
29.4.2011, 09:32

Sie haben Informatik studiert, so wie ich das jetzt verstanden habe. Wieviel Geräte braucht man als Informatiker? Ich kenn mich mit der Materie nicht wirklich aus, aber ich nehme mal an, dass ein Computer, von mir aus ein High-End PC, ausreicht.

Ich habe meine BSc in Chemie gemacht und schliesse gerade meinen MSc in Biochemie und Biomedizin ab. Dort sieht die Sache anders aus: Billige Geräte kosten zwischen 10000 und 50000 €.
Höhere 6-stellige Beträge sind auch keine Seltenheit.
Die Kosten fuer ein einziges Experiment können durchaus 500 € betragen. Und dieses Experiment muessen Sie dann aber mehrmals wiederholen um statistisch auswertbare Daten zu erhalten.
Schliessen sie also bitte nicht von ihrer Studienrichtung auf andere.

Günter Marek
21
29.4.2011, 08:52
Nicht mehr Geld, sondern besseres Personal (Teil 1)

Nach 15 Jahren in der Industrie wollte ich es nochmals wissen und begann vor 2 Jahren ein Doktoratsstudium an der TU/Informatik. Was mir aber dort begegnete, wäre ein Buch wert. Man kann mehr Geld ins Unisystem pumpen, das käme mMn aber einer unsinnigen Geldverschwendung gleich. Es würde reichen, 50% der Professoren durch junge kreative Köpfe auszutauschen und schon wäre der Drive an den Unis gleich ein ganz anderer. Die Science-Community stützt sich halt gegenseitig, die Peer-Reviews bringen diesbzgl. auch sehr wenig, wenn der Name der Autoren auf den Papers mehr ausmacht als dessen Inhalt. So werden teilweise seit Jahren immer wieder die gleichen Paper mit geringen Adaptierungen auf diversen Konferenzen präsentiert ...

tock tock tock
00
29.4.2011, 10:13
*lach*

Ja, wenn man mit beiden Beinen im Berufsleben steht, wird das schwierig mit der UNI ... da kommt man sich oft veräppelt vor und meint, man träumt (schlecht)....

ElSnorro
01
29.4.2011, 09:37
Aha

"Es würde reichen, 50% der Professoren durch junge kreative Köpfe auszutauschen und schon wäre der Drive an den Unis gleich ein ganz anderer."

Und die kommen nicht, weil die Einstiegsgehälter ein Witz sind und die Ausrüstung veraltet ist.

Günter Marek
31
29.4.2011, 10:02
Ausrüstung

Bzgl. Ausrüstung: Da kann ich natürlich nur für die Informatiker sprechen. Im Grunde reicht für die meisten Disziplinen ein Standard-PC mit Internetzugang und ein Zugang zu IEEE/ACM-Portal. Diese Möglichkeiten stehen heute jedem Studenten zur Verfügung. Nur wenige brauchen bessere Hardware, etc. Man sollte sich halt einmal ein reales Bild davon machen, ob die angeschaffte Hardware tatsächlich an manchen Instituten gebraucht wird. Da stehen Rechencluster herum, die kein Mensch nutzt.

PS: Bei den vielen Nebenjobs, die so manch ein Prof. hat, ist es kein Wunder, wenn der eigentliche Hauptberuf zu kurz kommt.

Günter Marek
21
29.4.2011, 09:54
Kein Einsteiger

Die Einsteiger kommen deshalb nicht, weil sie an der Arbeitsweise der Alteingesessenen verzweifeln. Kein Meeting beginnt pünktlich, die Zeit der Dissertanten wird nach Belieben vergeudet, die Dissertanten werden als billige Hilfsarbeitskräfte für Doddelarbeiten eingesetzt, etc. Logischerweise bleibt da keiner an der Uni!

Selbständiger
81
29.4.2011, 08:33
.... müssten unweigerlich Einschnitte beim Personal folgen.

Na hoffentlich. Wenn sich jeder einbildet kostenlos und meist umsonst studieren zu müssen, dann genügen auch ein paar Professoren und überfüllte Unis.

Wenn den Studenten ihr Studium schon selbst nichts wert ist, warum sollten dann wir für sie arbeiten und zahlen. Für ausländische Studenten, die nie Steuer in Österreich zahlen werden, für einheimische Studenten die ins Ausland gehen und nie Steuern zahlen werden, für Studienabbrecher wo das Geld verschwendet ist, für akademische Taxifahrer, die nicht wie immer erzählt wird über später höheres Einkommen einen kleinen Teil über höhere Steuern zurückzahlen.

28 Mitgliedstaaten
00
29.4.2011, 10:16
Trugschluss

der grösste Bluff der Unigeschichte kam von Grasser/Gehrer, die den Menschen glaubhaft machten, die Studiengebühren kämen den Unis zu Gute.

Tatsächlich aber wanderte das Geld direkt ins Budget, die Unis haben keinen Cent mehr bekommen als vorher! Deshalb bin ich gegen solche Studienbeiträge.

zauberlehrling85
00
29.4.2011, 10:38

und ich dachte immer, dass der größte Bluff die Auslagerung der Immobilien (die vorher im Besitz der Unis waren) in die BIG war. Die Unis konnten sich dann ihre Immobilien von der BIG anmieten. Ob die zusätzliche Verwaltungsinstanz die Sache wirklich günstiger macht?

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