Die Königsklasse der Manipulation

28. April 2011, 18:19
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Im Prozess zum größten Wettskandal des europäischen Fußballs werden kommende Woche in Bochum Urteile erwartet. Auch Spiele in Österreich sollen verschoben worden sein

Staatsanwalt Andreas Bachmann wusste vor dem Bochumer Landgericht die verbrecherische Leistung des geständigen Hauptangeklagten Ante Sapina zu würdigen. "Das ist die Champions League der Wettmanipulation", sagte er zu den Umtrieben des kroatischen Wettpaten. 2008 und 2009 soll Sapina 43 Fußball-Spiele in halb Europa manipuliert haben. Dank der Mithilfe seines Kompagnons Mario C., bestechlicher Kicker, Funktionäre und Wettvermittler waren insgesamt 2,8 Millionen Euro erzockt worden.

Fünfmal war die Champions League 2009 auch in Österreich zu Gast, davon bei drei Spielen von Bundesligist Kapfenberg. Allerdings spielten die Steirer gegen die Austria (1:0), Rapid (0:1) und Salzburg (4:0) nicht immer so, wie Sapina es wünschte. Insgesamt sollen, exklusive Schmiergeld, 483.000 Euro verwettet worden sein.

Besser kooperiert sollen Spieler von Hartberg haben. Im Zweitligaspiel zwischen den Red Bull Juniors aus Salzburg und Hartberg setzte es für die Steirer am 22. September 2009 eine 0:7-Niederlage. Sapina wettete bei asiatischen Buchmachern - und lukrierte mehr als 650.000 Euro.

"Drei, vier Hartberger Spieler", sagte der in Berlin lebende Kroate aus, seien mit 60.000 Euro bestochen worden. Auch ein Pokalspiel gegen den SC Zwettl (4:2) sei für Sapina einträglich gewesen. Hartberg-Obmann Franz Grandits kennt die Aussagen Sapinas nur aus den Medien. Welche seiner Spieler dem Lockruf erlegen sein könnten, weiß er nicht. "Wir haben noch keine Namen übermittelt bekommen", sagt Grandits. "Bis dahin gehe ich davon aus, dass nichts dran ist."

Dass Spielmanipulationen nicht erst seit den Verdächtigungen ein Thema sind, bestätigt Grandits. "Die Spieler bekommen Verträge, wo explizit drinsteht, dass jede Art von Fußball-Wetten verboten sind. Ob sie zu Hause vor dem Computer wetten oder andere für sich zocken lassen, können wir nicht überprüfen."

Vertretern des Österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) war erst am Mittwoch in Bochum Einsicht in die Gerichtsakten genehmigt worden. Herbert Hübel, Rechtsanwalt und Präsident des Salzburger Fußballverbandes, rechnet damit, dass dem ÖFB die geforderten Akten "in den nächsten zehn Tagen" übermittelt werden.

Da sollte Sapina, der schon ab 2005 wegen Wettbetrugs zwei Jahre und elf Monate einsitzen musste, schon wieder verurteilt sein. Ihm drohen sechs Jahre Haft. Hübel sagt zu den Akten vorerst nur so viel: "Die Welt wird sich weiterdrehen." Das gilt auch für Wettpaten abseits von Sapina.

Die Zweitligapartie zwischen Austria Lustenau und der Vienna (3:2) am 12. April steht unter Beobachtung, weil beim Stand von 2:2 beim asiatischen Wettanbieter SBOBET.com hohe Summen auf ein weiteres Lustenau-Tor eingegangen sind. Lustenau gewann durch einen Hands-Elfmeter in der Nachspielzeit. Der Fall liegt beim Justizministerium. (David Krutzler, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 29. April 2011)

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    Zum Erliegen kommt der Fußball freilich nicht, trotz aller Affären. Durch Wettmanipulationen wird er aber dreckiger.

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    Dem kroatischen Wettpaten Ante Sapina drohen sechs Jahre Haft.

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