Geschäft mit der Zockerei

28. April 2011, 17:57
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Immer mehr Firmen überwachen den Sportwettenmarkt

Bei Joseph Blatter klingt es so, als befände sich die Welt des Fußballs im Krieg. "Unser Spiel wurde in Geiselhaft genommen", wetterte der Präsident des Weltfußballverbandes Fifa unlängst bei einer Tagung in Zürich. Ihm geht es darum, endlich eine "Null-Toleranz-Politik" zu schaffen, und zwar gegen manipulierte Spiele und illegale Wetten.

Dabei kann seine Forderung auch als Eingeständnis verstanden werden, dass die bisherigen Kontrollinstrumente versagen. Als Reaktion auf die vielen Manipulationsfälle der vergangenen Jahre hat sich nämlich ein eigener Wirtschaftszweig von Unternehmen etabliert, die den Wettmarkt überwachen sollen.

Als Marktführer in Europa gilt die Vorarlberger Firma Sportradar, die im Auftrag des europäischen Fußballverbandes Uefa den Wettmarkt kontrolliert. Seit 2007 verfügt auch die Fifa mit EWS über ein eigenes Unternehmen.

Wettbewegungen im Visier

Das Prinzip ist immer ähnlich: Bei den Kontrolleuren laufen Daten von Wettanbietern zusammen, allein EWS kooperiert mit 400 Buchmachern und Wettbüros. Gesucht wird dann nach ungewöhnlichen Wettbewegungen. "Wird zum Beispiel auf ein österreichisches Zweitligaspiel statt der üblichen 20.000 bis 30.000 Euro das Zehnfache gesetzt, schlagen die Systeme Alarm", erklärt der deutsche Wettbranchenexperte Dirk Makritzki. Lässt sich die Anomalie nicht aufklären, folgt eine Meldung an den jeweiligen Sportverband. Auch die österreichische Bundesliga betreibt mit dem Buchmacherverband und Tipp 3 ein Frühwarnsystem.

Genau darin, im Nebeneinander vieler Systeme, sehen Branchenkenner eines der Hauptprobleme. Während die Zocker via Internet in Sekundenschnelle Geld setzen können, funktioniere die Infoweitergabe nicht immer so rasch. Zudem haben auch Wettbetrüger reagiert, meint Makritzki. Statt einer großen Wette, werden viele kleinere platziert, was die Erkennung erschwert. Zudem fehlen den Kontrolleuren gerade am großen asiatischen Wettmarkt verlässliche Partner. Die Anklage gegen den Wettpaten Ante Sapina fußt jedenfalls nicht auf Infos von Sportradar und Co, sondern auf Ergebnissen einer "klassischen" Telefonüberwachung.(András Szigetvari, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 29.4.2011)

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