Asien als Hochburg für illegale Sportwetten

28. April 2011, 17:55
posten

Gigantische 70 Milliarden werden heuer legal in Wettcafés, Wettbüros und im Internet umgesetzt

Würden die weltweiten Sportwetteneinsätze eines Jahres in den österreichischen Staatshaushalt fließen, könnte Finanzministerin Maria Fekter damit sämtliche Ausgaben der Republik für das Jahr 2011 finanzieren. Gigantische 70 Milliarden Euro werden heuer laut der Beratungsgesellschaft H2 Gambling Capital in Wettcafés, Wettbüros und im Internet umgesetzt, wobei es vor allem im Online-Markt enorme Zuwachsraten gibt.

2004 war das Internetgeschäft mit 16,3 Mrd. an Wetteinsätzen noch um ein Drittel kleiner als der Offline-Markt. 2012 wird es mit 50,7 Mrd. Euro voraussichtlich schon doppelt so groß sein. Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Die zunehmende Verbreitung mobiler Geräte und die steigende Wichtigkeit von Social-Media-Plattformen gelten als Wachstumstreiber für das Wettgeschäft.

Diese Zahlen decken aber nur den legalen Markt ab. Allein für China gibt es Schätzungen, dass weitere 70 Mrd. Euro im Schwarzmarkt umgesetzt werden, meint Simon Holliday von H2 Gambling. Asien gilt generell als Hochburg für illegale Sportwetten.

Der legale Markt ist von Land zu Land rechtlich unterschiedlich ausgestaltet. Aus historischen Gründen wird oft zwischen Pferdewetten und sonstigen Sportwetten unterschieden. In Deutschland wurde die bisherige Form des staatlichen Monopols 2006 vom Bundesverfassungsgericht aufgehoben. Derzeit wird gerade an einer Neuregelung gearbeitet.

Die Regelung in Österreich

In Österreich wiederum dürfen Private grundsätzlich Sportwetten anbieten. Werden aber mehr als zehn Sportveranstaltungen miteinander kombiniert, zählt das Ganze als Glücksspiel, unterliegt also dem staatlichen Monopol. Toto kann deshalb nur von den Lotterien angeboten werden.

Was die heimischen Umsätze im Sportwettengeschäft betrifft, variieren die Angaben stark. Während der Buchmacherverband die Wetteinsätze mit rund vier Mrd. Euro beziffert, schätzte sie die Beratungsgesellschaft Kreutzer Fischer & Partner zuletzt auf nur rund 900 Millionen Euro pro Jahr.

Größter Player in Österreich ist mit Abstand Bwin. Das Unternehmen, das vor kurzem mit der britischen Partygaming fusionierte, kam 2009 auf einen Marktanteil von fast 28 Prozent. Den überwiegenden Teil des Geschäftes macht Bwin aber im Ausland. Zweitgrößter Anbieter in Österreich ist Admiral Sportwetten mit einem Marktanteil von rund 18 Prozent. Dahinter folgen die Österreichischen Lotterien, Wett-Punkt und bet-at-home, wobei die letzteren zwei in den vergangenen Jahren Marktanteile dazugewinnen konnten. (Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 29.4.2011)

Share if you care.