Super, Diesel, Strom - "O'zapft is!"

3. Mai 2011, 16:55
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Motorsportautor Christof Vieweg geht der Geschichte der "Tankstelle" nach

Vor hundert Jahren, am Beginn des automobilen Zeitalters, war man, analog zur heutigen Situation, unsicher, welche Energiequelle für Fahrzeuge die beste, effizienteste ist. Der Historie der "Tankstelle" geht der renommierte Motorsportautor Christof Vieweg in Volltanken, bitte! nach. Anno 1855 wurde in den USA die erste Mineralölgesellschaft der Welt, die Rock Oil Company gegründet, 1859 gelang in Titusville (Pennsylvania) die erste Erdölbohrung, 1863 wurde die Standard Oil Company, später die weltgrößte Erdölraffinierie, gegründet. Carl Benz' Erfindung eines Fahrzeuges mit Verbrennungsmotor im Jahr 1886 veränderte die Geschichte. Wesentlich ist aber, dass es lange keine Entscheidung für Benzin als Treibstoff gab. Ferdinand Porsche hatte bereits am Ende des 19. Jahrhunderts ein elektrisch betriebenes Automobil entwickelt. Weitere Alternativen waren Erdgas, Dampfturbinen und Petroleum.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Verkauf von Treibstoff nur ein Nebenprodukt von Drugstores, Kleinläden, Restaurants oder Werkstätten. 1907 wurde in Seattle die erste "richtige" Tankstelle mit Zapfsäule, Pumpe und Schlauch eröffnet, 1923 in Deutschland der erste "Tank-Kiosk". Anfangs wurden Tanks mit Kanister und Kanne, später mit Handpumpe befüllt. Erst die Eiserne Jungfrau, ein Glaszylinder mit Uhrzeigeranzeige machte das Tanken transparent. In den 1920er-Jahren erblühte das Geschäft mit klingenden Namen wie Strax, Stellin oder Olexin. Das Benzin der Marke Sphinx war ein Produkt der Vacuum Oil Company, aus der sich später Mobil Oil und ExxonMobil entwickeln sollten.

Viewegs Opus visualisiert abseits technischer Details kulturhistorisch relevante Aspekte mittels zahlreicher Darstellungen aus Architektur, Kunst, Film und Literatur, illustriert hiemit den Nimbus persönlicher Freiheit, den das Auto lange Zeit repräsentierte, und der Tankstelle als Epizentrum der Landstraße, mit Drive-in, Supermarkt et alii. Zu guter Letzt hinterfragt Vieweg die Grenzen des derzeitigen Treibstoffes und prognostiziert alternative Energiequellen, Visionen und umweltbewusste Perspektiven für die Zukunft. (Gregor Auenhammer/DER STANDARD/Automobil/29.04.2011)

  • Christof Vieweg: "Volltanken, bitte! - 100 Jahre Tankstelle", € 30 / 144 Seiten, Delius-Klasing-Verlag, 2011
    foto: delius-klasing-verlag

    Christof Vieweg: "Volltanken, bitte! - 100 Jahre Tankstelle", € 30 / 144 Seiten, Delius-Klasing-Verlag, 2011

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