Tiroler Privat-Uni UMIT will expandieren

28. April 2011, 15:11
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Uni 2,4 Millionen Euro im Minus - Etablierung von "Euregio-Universität"

Innsbruck - Nachdem der Tiroler Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik (UMIT) im September 2010 aufgrund von "Missständen" die Akkreditierung des Doktoratstudiums Gesundheitswissenschaften entzogen wurde, hat sie jetzt mit roten Zahlen zu kämpfen. Das Defizit der vergangenen zwei Studienjahre betrage 2,4 Millionen Euro, hieß es in der Donnerstags-Ausgabe der "Tiroler Tageszeitung" (TT). Dennoch wolle die Uni expandieren.

Neuer Entwicklungsplan

Im aufgrund der Turbulenzen erarbeiteten Entwicklungsplan sei die Rede von einer "Etablierung einer Euregio-Universität im Bereich Medizinische Wissenschaften zwischen Innsbruck, Hall in Tirol, Bozen und Rom". Dies sei ein zentrales Anliegen des 100-prozentigen Eigentümers, des Landes Tirols. Weiters sei die Mitwirkung an einer Technologieoffensive des Landes ein Schwerpunkt. Auch die "Errichtung eines Public Health Zentrum Tirol" und die Einbindung im Rahmen der "Entwicklung eines interuniversitären Zentrums für Alternsforschung Tirol" stünden im Strategiepapier. Zudem solle das Studienangebot der UMIT überarbeitet und die Anzahl der Studierenden von 1.200 auf 1.630 bis ins Jahr 2015 erhöht werden.

Fraglich sei aber weiterhin die Finanzierung der in Hall im Bezirk Innsbruck-Land gelegenen Hochschule. Von 11,2 Millionen Euro solle das Budget kontinuierlich auf 13,2 Millionen ausgeweitet werden, hieß es in dem Blatt. Mit einer höheren Basisfinanzierung durch das Land von bisher 2,2 Millionen Euro auf 3,2 Millionen, Consultingtätigkeit und Auftragsforschung solle die Liquidität sichergestellt werden.

Aberkennung der Zulassung

Einen ersten Erfolg konnte die UMIT Anfang März dieses Jahres verbuchen. Der für die Zulassung von Privat-Unis bzw. deren Studienprogrammen zuständige Akkreditierungsrat (ÖAR) hatte die Abänderung des Doktoratsstudium der Pflegewissenschaft genehmigt und das Doktoratsstudium "Health Technology Assessment" neu akkreditiert. Zuvor hatte der ÖAR als Begründung für seine Entscheidung der Aberkennung des Doktoratsstudiums Gesundheitswissenschaften angeführt, dass "angesichts der großen Zahl der Studierenden keine geeignete qualitative Betreuung in allen Phasen des Studiums gegeben" sei. Darüber hinaus habe "die Begutachtung durch externe internationale Gutachter ergeben, dass schwere Mängel sowohl in der Durchführung als auch in der wissenschaftlichen Ausrichtung des Studiums bestehen und damit die Vergleichbarkeit mit internationalen Standards nicht mehr gegeben war". Die UMIT trennte sich daraufhin unter anderem vom zuständigen Department-Leiter.

"Ohne Plan, mit viel Steuergeld"

Bei den Tiroler Oppositionsparteien herrscht Uneinigkeit bezüglich des 104 Seiten langen Entwicklungsplan bis ins Jahr 2020 der defizitären heimischen Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik UMIT. Während die Grünen am Donnerstag eine Korrektur vonseiten des Landtages forderten, zeigte sich die Liste Fritz als größte Oppositionspartei im Tiroler Landtag "von der Idee einer Euregio-Universität begeistert."

"Die UMIT arbeitet weiterhin ohne Plan, dafür aber mit viel Steuergeld", meinte der Grüne LAbg. Gebi Mair in einer Aussendung. Er sei mit den Lehren der Privatuniversität des Landes aus dem "UMIT-Desaster" nicht glücklich. Ohne echte Reformen und einen klaren Zukunftsplan mehr Geld in diese Institution zu pumpen komme für ihn nicht infrage. "Mit der darin aufgezeigten Entwicklung zeigen die Verantwortlichen, allen voran Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP), dass sie hauptsächlich keinen Plan haben", äußerte er sich auf seiner Homepage.

"Die ÖVP-SPÖ Landesregierung muss ein klares Bekenntnis zum Uni-Standort Tirol abgeben", forderte indes der Obmann des Bürgerforums/Liste Fritz, LAbg. Fritz Dinkhauser. Dafür benötige es aber "klare finanzielle Zusagen sowohl von Nordtirol wie auch von Südtirol". Die Idee der Euregio-Universität gefalle ihm ausgezeichnet, sie müsse aber mit Geist und Geld ausgefüllt werden, hieß es in einer Stellungnahme. Laut Dinkhauser müsse das Geld für die Bildung vernünftig eingesetzt werden, zudem brauche man ein vernünftiges Neukonzept. Für die Umsetzung der Euregio-Universität verlangte die Liste Fritz einen "gemeinsamen Kraftakt Gesamttirols". (APA)

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