Grazer Schauspielhaus mit Kehlmann-Uraufführung

28. April 2011, 14:55
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Saisonpläne 2011/12 beinhalten auch Glavinics "Das bin doch Ich" und Jelineks "Rechnitz (Der Würgeengel)"

 

Graz  - Mit einer Uraufführung von Daniel Kehlmanns "Geister in Princeton" eröffnet Intendantin Anna Badora am 24. September ihre sechste Spielzeit am Schauspielhaus Graz, und sie wird das erste Theaterstück Kehlmanns auch selbst inszenieren. Mit der Dramatisierung von Thomas Glavinics "Das bin doch Ich" folgt am 2. Oktober eine weitere Uraufführung eines zeitgenössischen österreichischen Stückes. Und Elfriede Jelineks "Rechnitz (Der Würgeengel)" erlebt im März 2012 seine österreichische Erstaufführung, hieß es am Donnerstag bei der Programmpräsentation.

Insgesamt stehen 19 Neuproduktionen auf der Haupt- und Probebühne sowie der "Ebene 3" auf dem Spielplan der kommenden Saison. Mit "Geister in Princeton" zeichnet Daniel Kehlmann die Lebensstationen des Mathematikers Kurt Goedel (1906 - 1978) und seiner Frau Adele zwischen Wien und Princeton nach. Mit seinem Unvollständigkeitssatz bewies der Wissenschafter u.a., dass die Möglichkeit von Zeitreisen theoretisch nicht auszuschließen ist. "Für uns ist das auch ein Beitrag zur Entwicklung des Bildes der modernen Naturwissenschaften", so Badora.

Die Aufführung ihres Theatertextes "Rechnitz (Der Würgeengel)" hat Elfriede Jelinek in Österreich bisher nicht erlaubt, nur als Münchner Gastspiel war das Stück im Vorjahr bei den Wiener Festwochen zu sehen. Im März 2012 erlebt das Stück der Literaturnobelpreisträgerin nun doch seine österreichische Erstaufführung. Michael Simon - er inszenierte zuletzt Jelineks "Winterreise" am Staatstheater Karlsruhe - übernimmt die Inszenierung in Graz.

Von der jungen oberösterreichischen Regisseurin Christine Eder hat man zuletzt die Dramatisierung von Wolf Haas' "Das ewige Leben" gesehen. Im Oktober wird sie Thomas Glavinics Bestseller "Das bin doch ich" auf die Bühne bringen, in dessen Zentrum wiederum der Schriftsteller Thomas Glavinic steht - und die Gier nach dem, was alle haben wollen: Erfolg.

Neben den drei zentralen Ur- und Erstaufführungen österreichischer Autorinnen und Autoren geben Bühnenklassiker den Ton an: U.a. Lessings "Minna von Barnhelm" (Regie: Elmar Goerden), Friedrich Schillers "Don Carlos" in einer Inszenierung von Ingo Berk, der in Graz zuletzt "Onkel Wanja" und "Peer Gynt" auf die Bühne gestellt hat, und William Shakespeares "Ein Sommernachtstraum", die Viktor Bodo inszenieren wird. Für den ungarischen Theatermacher Bodo ist es die sechste Produktion am Schauspielhaus. Wieder mit dabei sind Darsteller seiner "Szputnyik Shipping Company" aus Budapest. Mit seiner Grazer Produktion "Die Stunde ..." hat der Regisseur zuletzt in Moskau mit der "Goldenen Maske" die Auszeichnung für die beste ausländische Inszenierung gewonnen.

Ibsens "Nora oder ein Puppenhaus", Brechts "Dreigroschenoper" (Regie: Anna-Sophie Mahler) und die Verwechslungskomödie "Floh im Ohr" (George Feydau) sind weitere Programmpunkte auf der Hauptbühne. Den Schluss des Premierenreigens macht ein Theaterabend mit Stermann & Grissemann unter der Regie von Fritz Ostermayer, in dem sich das Kabarettistenduo mit Unterstützung des Schaupielhaus-Ensembles durch die Schlussakte berühmter Bühnenklassiker spielt.

Aktuelle Positionen zeitgenössischen Theaters stehen außerdem mit Arbeiten u.a. der Performance-Regisseure Boris Nikitin und Johannes Schmit und einer weiteren Inszenierung von Anna Badora eines Stückes der jungen polnischen Autorin Lilka Dyderska auf dem Programm. (APA)

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