Sexuelle Aktivität verdoppelt die Lebenserwartung

28. April 2011, 14:01
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Nagetier-Gattung aus dem südlichen Afrika für Altersforscher interessant

Duisburg-Essen - Ansell's Graumull (Fukomys anselli), ein entfernter Verwandter des bekannten Nacktmulls und noch entfernterer Verwandter der Stachelschweine, ist ein bescheiden attraktives Tier mit vorstehenden Zähnen, das im südlichen Afrika in unterirdischen Gangsystemen lebt und sich von Wurzelknollen ernährt. Etwas unerwartet ist das Nagetier vor einiger Zeit in den Fokus der Altersforschung geraten, nachdem Forscher festgestellt hatten, dass sexuell aktive Graumulle doppelt solange leben wie keusche.

... das ist nämlich keineswegs erwartbar: "Auch wenn es überrascht, aber sexuelle Aktivität ist im Tierreich keine ungetrübte Freude. Im Gegenteil: die Risiken und physiologischen Kosten der Fortpflanzung sind bei vielen Arten so hoch, dass eine starke Aktivität meist eher negativ auf die Lebenswartung wirkt", erklärt Philip Dammann von der Universität Duisburg-Essen, warum Ansell's Graumull etwas Besonderes ist. Langzeitdaten aus der Zucht hatten ergeben, dass reproduktive Tiere über 20 Jahre alt werden können, ihre sexuell  inaktiven Koloniegenossen jedoch höchstens acht bis zehn Jahre - trotz ansonsten identischer Lebensbedingungen.

Kein singuläres Phänomen

In einer Folge-Studie zeigte das Team um Dammann und Hynek Burda nun, dass das Phänomen nicht auf eine einzige Spezies beschränkt ist, sondern auch für andere Vertreter der Gattung Graumulle (Fukomys) gilt; belegt am Beispiel des Riesengraumulls (Fukomys mechowii). "Wir haben diese Art gewählt, weil sie innerhalb des Stammbaumes der Gattung nur ganz entfernt mit dem Ansell's Graumull verwandt ist", erklärt Dammann. "Wenn also ein Merkmal bei beiden Arten auftritt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es auch bei allen anderen Graumull-Spezies zu finden ist." Berichte von anderen Forschergruppen, die wiederum andere Spezies untersuchten, stützen dies offenbar.

"Nun haben sich unsere Möglichkeiten schlagartig erweitert, anhand dieser Tiere noch mehr über die Mechanismen des Alterns zu erfahren", so Dammann abschließend zur potenziellen Verwertbarkeit der Ergebnisse. (red)

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