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28. April 2011, 13:37
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José Mourinho, Stummfilmschurke - Von Simon Rothöhler

Kein Akteur der globalen Fußballwelt ist theatralisch so begabt, so genial-lächerlich medienbewusst wie José Mourinho, der am Mitwoch beim Champions League-Halbfinale Real vs. Barca mal wieder sein ganzes Repertoire auf die Bühne gebracht hat (im Gegensatz zu seinem auf stur gestellten Team).

Ein Stummfilmschurke, der weiß, dass die Kameras zwar ständig auf ihn gerichtet sind, aber nur nonverbale Kommunikation möglich ist. Also: Große, aufgeblasene Gesten in der Gloria Swanson-Tradition, die weniger an FIFA-Offizielle neben und auf dem Platz gerichtet sind, als an den Fernsehzuschauer. Zur Sicherheit wird alles doppelt gespielt, soll ja keiner übersehen, dass "Mou" (unironische Selbdesignation während seiner Chelsea-Zeit: "The special One") auf die finsteren Mächte, die ihn angeblich ständig um Großes bringen, nur noch mit Zynismus reagieren kann.

Wie gebannt schaut die Fußballwelt schon seit Jahren auf die irre Medienoperette, deren Ouvertüre im System Mourinho stets mit paranoiden Verbalinjurien auf Pressekonferenzen zusammenfällt und im zuverlässig reproduzierten Coachingzonen-Overacting kulminiert. Das Wissen um die Close-Ups, die die Fernsehregie ihm über Gebühr zumessen, ist jeder seiner Gesten überdeutlich eingeschrieben.

Dass die Faszination an diesem Mann, halb Witzfigur, halb Traniergenie, irgendwie dann aber doch nicht unberechtigt ist und offenbar auch als Strategie der Teamführung funktioniert, belegt ein legendäres Männermelodram, aufgenommen nach dem Finalsieg von Inter Mailand letztes Jahr gegen die Feierbiest-Bayern - leidenschaftlicher kann der Cowboy-Machismo des hard boiled-Fußball à la Mourinhi & Materazzi eigentlich kaum sein. Douglas Sirk (oder sein Ausbuchstabierer Todd Haynes) hätten an diesem Hinterbühnenauftritt ihre Freude gehabt. Ein "Mou" bleibt eben auch off stage in character.

CARGO Film Medien Kultur ist ein Magazin und eine Website. derStandard.at bringt in unregelmäßiger Folge Beiträge aus der Cargo-Redaktion.

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    Gesten in der Gloria Swanson-Tradition für die TV-Konsumenten: Mourinho und der Referee

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