Post bündelt Werbung im Postfach

28. April 2011, 13:14
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Die Post will Werbeverweigerer durch mehr Kundenfreundlichkeit überzeugen - auf der HV gibt es Lob für Peter Michaelis, der als "Oberpostmeister" abtritt

Wien - Die Post will ihre Postwurfsendungen künftig kundenfreundlicher im Postfach ablegen. Im Laufe des heurigen Jahres werden Maschinen angeschafft, die die Broschüren in einem Cover bündeln, so Briefvorstand Walter Hitziger bei der Hauptversammlung (HV) der Post AG in der Wiener Stadthalle.

Damit sollen die Broschüren künftig geordneter im Postkasten landen und somit die Kunden davon abgehalten werden, mittels Aufkleber die Zustellung der Werbeblätter zu verweigern. Der Plan wird allerdings von den Zeitungsverlegern kritisch beäugt, da sie fürchten, die Post mache ihnen mit einer Gratis-Inseratenzeitung Konkurrenz.

Peter Michaelis geht

Der scheidende Chef der Staatsholding ÖIAG, Peter Michaelis, hat zum letzten Mal die Hauptversammlung (HV) der Post AG geleitet. Er tritt Ende Juni - aus gesundheitlichen Gründen, wie er zur Eröffnung der HV sagte - von der Leitung der ÖIAG zurück, sein Nachfolger wird der frühere Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Markus Beyrer. Er gilt auch als fixer Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrates der Post.

Michaelis zog am Donnerstag in der Wiener Stadthalle vor den zahlreich erschienen Postaktionären eine äußerst positive Bilanz des Geschäftsjahres 2010. Es sei der Post gelungen, die durch das Internet hervorgerufenen Rückgänge beim Briefgeschäft durch andere Geschäftsfelder, insbesondere dem Bereich Paket, zu kompensieren. Das teilstaatliche börsenotierte Unternehmen habe demnach einen niedrigen Verschuldungsgrad bei gleichzeitig hoher Liquidität, was die um 10 Cent erhöhte Dividende von 1,60 Euro rechtfertige.

Die Nachfolger

Peter Michaelis scheidet ebenso wie OMV-Chef Gerhard Roiss und Casinos-General Karl Stoss aus dem Aufsichtsrat der Post aus. Sie sollen durch Markus Beyrer, Ex-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) sowie Markus Pichler, Unibail-Rodamco-Österreich-Chef (Donauzentrum- und SCS-Eigentümer) und Elisabeth Stadler, Chefin der Ergo Versicherung, ersetzt werden.

Post-Chef Georg Pölzl betonte, dass in den Bereichen, in denen die Post Mitbewerber hat, die Marktanteile gesteigert werden konnten. Er verteidigte einmal mehr die Schließungswelle bei den Postämtern. Mittlerweise hat die Post rund 1.200 Post-Partner bei insgesamt 1.850 Geschäftsstellen.

Lob für den "Oberpostmeister vom Attersee"

Die HV war heute auch ein Lobgesang auf Postchef Pölz und Michaelis. Letzter wurde von den ansonsten sehr kritischen Aktionären für die (unentgeltliche) Ehrenpräsidentschaft vorgeschlagen - oder zumindest als "Oberpostmeister vom Attersee".

Neben dem vielen Lob gab es aber auch kritische Fragen. So wollten die Aktionäre wissen, wie es um die Lobbyingtätigkeiten bei dem teilstaatlichen Konzern bestellt ist. Pölzl versicherte, dass unter seiner Ägide keine Lobbyisten beschäftigt wurden. Insgesamt habe das Unternehmen im Vorjahr 14 Mio. Euro für Beratung ausgegeben, etwa für IT-Services und Wirtschaftsprüfung. Für Kommunikationsberatung wie beispielsweise rund um die Postämterschließungen wurden rund 200.000 Euro aufgewendet.

Unter dem Wert geschlagen

Pölzl kritisierte, dass die Post in den Medien oft unter ihrem Wert geschlagen werde. Im Kontakt mit den Kunden merke er, dass das Image der Post nicht so schlecht ist, wie manchmal dargestellt. Er widersprach Meldungen, wonach der Umstieg von Postlern zur Polizei deshalb etwas schleppend laufe, weil viele Postler unterqualifiziert seien. Mittlerweile sind 260 Postbeschäftigte in den Bundesdienst gewechselt. Weiterhin unterbeschäftigt sind rund 500 Postler. Die Hoffnung von Aktionären, dass diese Zahl in kurzer Zeit signifikant sinkt, zerstreute Pölzl. (APA)

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    Die Post will sich Werbeverweigerer zurückholen.

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