Verstorbener Flugzeugbomber kündigte Enthüllungen an

29. April 2011, 12:27
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Dokumente sollen Wahrheit über Anschlag auf kubanische Linienmaschine ans Licht bringen

Miami - Der kubanische Extremist und Gegner von Revolutionsführer Fidel Castro, Orlando Bosch, ist tot. Bosch sei am Mittwoch im Alter von 84 Jahren in Miami gestorben, teilte ein enger Freund der Familie mit. Bosch, dem in Venezuela ein Anschlag auf eine kubanische Verkehrsmaschine im Jahr 1976 mit 73 Todesopfern zur Last gelegt worden war, sei an einer "langen und schmerzhaften Krankheit" gestorben, teilte Pedro Corzo mit, ohne nähere Angaben zu machen. Bosch lebte zuletzt auf freiem Fuß in Miami.

Panzerfaust gegen Schiff

Bosch hatte die kommunistische Revolution in Kuba zunächst unterstützt, schloss sich später aber militanten Castro-Gegnern in den USA an. Der zum überzeugten Anti-Kommunisten gewandelte Extremist wurde 1968 in den USA zu zehn Jahren Haft verurteilt. Er hatte mit einer Panzerfaust auf ein polnisches Schiff gefeuert, das im Hafen von Miami ankerte. 1972 wurde er auf Bewährung freigelassen und reiste dann illegal nach Venezuela. 

"Alle Flugzeuge Castros sind Kampfflugzeuge"

Dort wurde er nach dem Anschlag auf eine kubanische Verkehrsmaschine 1976 inhaftiert. Die venezolanischen Behörden sahen in Bosch den mutmaßlichen Drahtzieher des Anschlags, er wurde jedoch nie wegen des Bombenanschlags verurteilt. Anfangs verteidigte Bosch den Anschlag noch mit dem Argument, "alle Flugzeuge Castros" seien "Kampfflugzeuge" und manchmal sei es "unmöglich zu vermeiden, dass Unschuldige zu Schaden" kämen, später distanzierte er sich aber von seinen Aussagen.

Die Kamera-Pistole

Im Interview mit der katalanischen Zeitung La Vanguardia erzählte Bosch, dass einer seiner Versuche, Fidel Castro zu ermorden fast gelungen sei: zwei Mitglieder seiner Organisation hatten es 1971 in Santiago de Chile geschafft, als Reporter des Fernsehsenders Venevision getarnt in die Nähe des Revolutionsführers zu gelangen.

In der Kamera war eine Pistole versteckt. Die Attentäter hatten laut Bosch die Zusicherung des chilenischen Geheimdienstes, dass ihnen nichts passieren würde, wenn sie Castro attackierten. Im letzten Moment verließ den Schützen aber dann der Mut, bedauerte Bosch.

Ein mittlerweile freigebenenes CIA-Dokument belegt, dass Bosch 1976 stolz bekanntgab, seine Organisation stehe hinter der Ermordung des chilenischen Außenministers Orlando Letelier.

Bei seiner Rückkehr in die USA wurde er wegen illegalen Verlassens des Landes während seiner Bewährungszeit inhaftiert. 2005 kündigte er in einem Zeitungsinterview an, nach seinem Tod werde durch veröffentlichte Dokumente die Wahrheit über den Anschlag auf die kubanische Linienmaschine ans Licht kommen. (red/APA)

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    Für die kubanischen Behörden stehen Orlando Bosch, sein Komplize Luis Posada Carriles,  George W. Bush und Adolf Hitler (von rechts) auf einer Stufe.

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