Versuchte Entführung für eine "Live"-Vergewaltigung

28. April 2011, 21:34
202 Postings

Sadomaso-Club-Betreiber und seine Ex-Freundin gestehen vor Gericht den Überfall in Hietzing

Wien - "Eher schon schlank, im Bereich zierlich", sollte sie sein, berichtet der Angeklagte. "Vom Alter her so 17, 18 Jahre." Das waren die Kriterien, nach denen ein Opfer gesucht wurde.

Der 47-jährige Roland N., der Besitzer eines Sadomaso-Clubs hatte gemeinsam mit seiner Geliebten, die für ihn als "Miss Jaqueline" arbeitete einen neuen Kick geplant: "Er wollte einmal eine echte Vergewaltigung live erleben", berichtet die nunmehrige Ex-Freundin am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht.

Im Juni 2002 fanden die beiden bei einer ihrer nächtlichen Fahrten durch die Stadt ein mögliches Opfer: Ein 17-jähriges Mädchen, das in Hietzing auf den Nachtbus wartete. "Miss Jaqueline" ging zuerst alleine hin, bot der 17-Jährigen an, sie und ihr Freund könnten sie mitnehmen, es sei ja ohnehin der gleiche Weg.

Das Mädchen zögerte, willigte dann doch ein und ging mit. Als sie beim Auto von Roland N. ankamen, stieg dieser aus und hieb der 17-jährigen mit einer Stabtaschenlampe über den Kopf. Zu ihrem Glück blieb sie bei Bewusstsein, schrie um Hilfe, wehrte sich aus Leibeskräften. Ein Mann, der seinen Hund äußerln führte, kam vorbei und ging dazwischen. Das Paar flüchtete.

Kampusch-Ermittlungen

Aufgeklärt konnte der Fall erst viel später werden - als die Evaluierungskommission im Fall Kampusch mögliche Verbindungen des Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil zur Kinderporno- beziehungsweise Sadomaso-Szene noch einmal überprüfen ließ.

Damals stießen die Ermittler des Bundeskriminalamtes auf den SM-Club-Betreiber. Und zum Erstaunen gestand der 47-Jährige rasch den Angriff auf die 17-Jährige. Eine Verbindung zumFall Kampusch fand sich aber keine.

Vor Gericht belasten sich die Angeklagten nun wechselseitig: Roland N. sagt, seine damalige Freundin "hat mich immer wieder traktiert damit" . Ihm sei es "etwas mulmig" gewesen. Er habe dann auch nur "halbherzig" zugeschlagen. Darauf Richter Norbert Gerstberger: "Also wie man halbherzig jemand eine Taschenlampe über den Schädel haut, müssen Sie mir erst mal erklären." Und als Richter Gerstberger den Angeklagten nach der geplanten Tatausführung befragt, gibt dieser auch freimütig an: "Im Club gibt's ein Bondage-Bett mit Handfesseln, Fußfesseln, Flaschenzügen und so."

Die ehemalige "Miss Jaqueline" berichtet, dass sie nur aus Angst vor Roland N. gehandelt habe. Er habe sie aus dem Heim geholt, ein besseres Leben versprochen.

Doch kaum war sie in seinem Haus, habe er seine andere Seite gezeigt und sie zum "Dreier" mit seiner damaligen Ehefrau genötigt. Roland N. habe sie auch immer wieder gequält, "mit den Füßen quer durchs Wohnzimmer in die Küche getreten" , Zigaretten auf ihr ausgedrückt, sie mit einem Skalpell misshandelt. SM-Spiele seien das keine gewesen. Und zur geplanten Entführung: Roland N.s "Grundidee" sei es gewesen, "dass er eine Sklavin für sein Geschäft sucht und sie sich gefügig macht".

Der Prozess wird fortgesetzt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2011)

Share if you care.