23-Jähriger wegen Brandstiftung und Geiselnahme angeklagt

28. April 2011, 11:16
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Bestreitet Geiselnahme von Elfjährigem

Linz - Im Landesgericht Ried im Innkreis hat sich am Donnerstag ein 23-jähriger Schärdinger verantworten müssen, der im Oktober 2010 einen Brand, bei dem neun Menschen verletzt wurden, gelegt und ein Kind als Geisel genommen haben soll. Dem Innviertler wurde paranoide Schizophrenie diagnostiziert, zum Tatzeitpunkt stand er unter Drogen.

Wegen der Unzurechnungsfähigkeit des Mannes handelt es sich um ein sogenanntes Unterbringungsverfahren. Wäre er schuldfähig, würde die Staatsanwaltschaft versuchten Mord in neun Fällen, Brandstiftung, gefährliche Drohung, Freiheitsentziehung, schwere Körperverletzung, versuchten Widerstand gegen die Staatsgewalt und einen - länger zurückliegenden - versuchten Raub anklagen. Sollten die Geschworenen befinden, dass er die Taten begangen hat, droht ihm statt einer Haftstrafe eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.

Wolljacke angezündet

Vor Gericht gab der 23-Jährige an, Erinnerungslücken zu haben. Es sei aber nicht seine Absicht gewesen, dass jemand zu Schaden kommt. Er habe nur seine eigene Wohnung in einem Schärdinger Mehrparteienhaus abfackeln wollen, weil er glaubte, von der Polizei und von Medien überwacht zu werden. Er habe eine Wolljacke unter sein Bett geschoben und sie angezündet. Dann öffnete er die Fenster und verließ das Haus.

Danach soll der Mann laut Zeugenaussagen im Haus lebenden Ausländern zugerufen haben, er habe ihnen jetzt ordentlich "untergeheizt". Er habe die Feuerwehr am Löschen gehindert, die Tür zu einem Einfamilienhaus eingeschlagen, den Besitzer mit einem Steckschlüssel bedroht und einen elfjährigen Buben als Geisel genommen, so die Anklage. Bei seiner Festnahme wenig später trug ein Polizist eine Knochenabsplitterung davon.

"Habe den Buben nur zur Seite geschoben"

Der 23-Jährige bestritt sowohl ausländerfeindliche Bemerkungen und Behinderung der Feuerwehr als auch die Geiselnahme. "Ich habe den Buben nur zur Seite geschoben und wollte vorbei", sagte er aus. Die Anklage geht aber davon aus, dass er das Kind in den Schwitzkasten genommen hat. Dafür würden auch die Blutspuren sprechen, die der Elfjährige auf seiner Kleidung hatte. Der 23-Jährige hatte sich nämlich beim Einschlagen der Terrassentür geschnitten.

Der Prozess ist vorerst für einen Tag anberaumt. Das letzte Wort dürfte der medizinische Sachverständige haben. (APA)

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