Ernährung

Wie sich Kleinkinder Hüftspeck anessen

Güler Alkan, 28. April 2011, 13:42
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    foto: apa/helmut fohringer

    Wer im Kleinkindalter zuviel Zucker, Eiweiß und Fett isst, darf bereits im Schulalter mit Speck auf den Hüften rechnen. 

Frühe Ernährungsfehler zeigen sich bereits im Schulalter - Experten plädieren für kleinkindgerechte Familienkost

Ernährungsempfehlungen für Säuglinge und Schulkinder gibt es bereits. Wer nach  Ernährungsvorgaben für Kleinkinder sucht, wurde bisher aber nicht fündig. Ein Expertenteam hat daher erstmals ein Positionspapier mit "Ernährungsempfehlungen für 1- bis 3-Jährige" erarbeitet. Vorgestellt wurden die Empfehlungen am Mittwoch im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien.

"Die ersten drei Jahre sind eine wichtige Phase für die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes. Die Organe wachsen in dieser Phase besonders stark, insbesondere das Gehirn. Eine optimale Zusammensetzung der Ernährung ist erforderlich", erklärt Jürgen König vom Department für Ernährungswissenschaften an der Universität Wien.

Der Übergang von der Säuglingsnahrung zur Familienkost verläuft jedoch nicht immer optimal. Die Lebensmittelauswahl ist durch die Familienkost geprägt, die nicht immer kleinkindgerecht ist. „Wir haben zu viele Nahrungsmittel mit geringer Nährstoffdichte wie Süßigkeiten und Weißbrot, zuviel eiweiß- und salzreiche Lebensmittel und ein ungünstiges Fettsäuremuster mit zuviel gesättigten und zuwenig mehrfach ungesättigten Fettsäuren", so der Ernährungswissenschaftler.

Kein Mangel- sondern ein Problemstoff

König bezieht sich dabei auf Verzehrsdaten von Kleinkindern in Deutschland, da es in Österreich noch keine repräsentativen Daten gibt und von ähnlichen Ernährungsgewohnheiten in beiden Ländern ausgegangen wird. Auffallend bei den Ergebnissen aus Deutschland ist, dass die Nährstoffzufuhr bei Säuglingen besser abschneidet. "Ein Kleinkind nimmt mehr als doppelt so viel Eiweiß als nötig auf. Der Süßigkeitenverzehr und damit die Zuckerzufuhr mit all den negativen Folgen für Gewicht und Zähne verdoppelt sich zwischen dem ersten und dem dritten Lebensjahr." 

In den vergangenen Jahrzehnten war es ein Hauptanliegen bei Säuglingen und Kleinkindern eine ausreichend hohe Eiweißversorgung sicherzustellen. Jetzt erfolgt ein Paradigmenwechsel. „Eiweiß ist kein Mangelstoff mehr, sondern ein Problemstoff, wenn er im Überfluss konsumiert wird", berichtet Karl Zwiauer, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde am Landesklinikum St. Pölten.

Studien liefern Hinweise darauf, dass Eiweiß - wie andere Makronährstoffe auch - an der Entstehung von Übergewicht wesentlich mitbeteiligt ist. Zwiauer spricht von einem doppelt so hohen Risiko übergewichtig zu werden, wenn die Eiweißzufuhr im Kleinkindesalter erhöht ist.

Weniger tierisches Eiweiß

Die eingeschränkte Aufnahme von tierischem Eiweiß im Kleinkindalter, soll der Adipositas im Schulkindalter und späteren Lebensjahren entgegenwirken. Die aktuelle Ernährungsempfehlung für Kleinkinder lautet daher: Maximal dreimal pro Woche magere und fettarme Fleisch- und Wurstwaren. Milch soll als Eiweißlieferant ebenfalls nur noch in Maßen genossen werden. Zwiauer rät zu maximal drei Portionen Milchprodukte pro Tag, "insgesamt 300 bis 330 Milliliter, am besten speziell eiweißreduzierte Kindermilch." 

Bei der Fettzufuhr gilt es die Qualität zu beachten. Weg von gesättigten, hin zu mehrfach ungesättigten Fettsäuren lautet hier die Devise. Für neurologische Entwicklungen sind essentielle Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren wichtig. Beide müssen dem Körper mit der Nahrung zugeführt werden. Studien weisen darauf hin, dass eine niedrige Aufnahme von langkettigen Omega-3-Fettsäuren mit Konzentrationsschwierigkeiten und Lernschwierigkeiten assoziiert ist. Omega-3-fettreiche Lebensmittel wie Fisch, Rapsöl, Nüsse, Samen und Weizenkeime gleichen Mangelzustände aus. 

Zu wenig Eisen und Folsäure

Während es Kleinkindern und in weiterer Folge auch Schulkindern an Eiweiß, Natrium, Zucker und gesättigten Fetten nicht fehlt, zeigen Deutschlands Kinder deutliche Mängel an Spurenelementen wie Eisen und Folsäure. "Bei 20 Prozent der deutschen Kinder liegt eine Eisenmangelanämie vor. Die Folsäurezufuhr bei 1- bis 3-Jährigen liegt unter 50 Prozent der Empfehlungen", berichtet Nadja Haiden von der Medizinischen Universität Wien. 

Eisen ist unter anderem wichtig für die Blutbildung und den Ausbau intellektueller Fähigkeiten. Eine Unterversorgung im Kleinkindalter führt im Schulalter zu eingeschränkten Merkfähigkeiten, insbesondere zu verminderten mathematischen Leistungen. Ein Folsäure-Mangel äußert sich durch Müdigkeit und Appetitlosigkeit.

Mangelernährung vorbeugen

Bekannte Eisenlieferanten sind rotes Fleisch und geriebene Nüsse, Samen und Weizenkeime. Folsäurereiche Gemüsesorten wie Spinat, Erbsen, Brokkoli, Karfiol oder Fenchel sollten täglich auf dem Speiseplan eines Kleinkindes stehen. Die Zufuhr von Hülsenfrüchten einmal pro Woche und der Umstieg auf Vollkornvarianten bei Brot, Nudeln und Reis optimiert die Folsäure-Versorgung der Kinder.

Nebenbei gilt es auf salzreiches Knabbergebäck zu verzichten und zuckerreiche Fruchtsäfte durch Leitungswasser zu ersetzen - All das, am besten bereits im Kleinkindalter. Nur so lässt sich der Kampf gegen das steigende Übergewicht unter Schulkindern gewinnen. Darüber sind sich die Experten einig. (derStandard.at, 28.04.2011)

Aus Babyspeck wird Kummerspeck

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 62
1 2
Chocoholic
00
29.8.2011, 15:50
Wahnsinn! Diätvorschriften schon für Einjährige.

bei uns in bagdad
00
16.5.2011, 15:03
bewegung würde helfen!

mehr bewegung und weniger computer ist die lösung!

Graf Bobby
00

es geht um 1-3 jährige, die sitzen nicht so viel vor dem PC.

Bonustrack
00
Gegen verseuchtes Gemüse

Ich gebe meinen Kindern nur Produkte von Nestle, weil die sind mit Abstand die besten und gesündesten. ;-)

Knochenmann
15

Meine Frau kocht so schlecht das unsere Kinder nicht mehr essen als zum überleben notwendig.

zellu lloyd
00
vielleicht

könnten sie ja mal kochen!

Knochenmann
00

Davon werden die Kinder nur fett :=)

meresi
00
EIN PERFEKTER ANSATZ

um schlank zu bleiben, selten so gelacht, danke

guzo
03
30.4.2011, 23:04
Wahrscheinlich geht's bei den Kids

weniger um die Ernährung als um viel zu wenig Bewegung.

hans hansson
10
27.5.2011, 19:33
da sie kids sagen, sollten sie sowieso andere sorgen haben

So Nina
04
29.4.2011, 11:37
Ob Eiweiß, Kohlehydrate oder Fett...

...zuviel ist einfach zuviel. Leider wird in Mitteleuropa und Nordamerika eine (milch-)eiweißreiche Nahrung für Kinder propagiert. Noch immer werden Milchprodukte als Grundlage der Kleinkinderernährung angesehen (Brei, Pudding, Joghurt- und Topfencreme...), angereichert mit viel Zucker, künstlichen Aromen und Farbstoffen.

Dabei basiert die beste Nahrung für Kinder auf einer gesunden Mischkost aus Getreide, Gemüse, Obst, Fleisch; Milchprodukte sind eher als Ergänzung zu sehen.

Und vor allem soll man kleine Kinder nie und nimmer dazu zwingen (auf-)zuessen! Essen ohne Hunger als Trost, Stimmungsaufheller, Belohnung, aus Langeweile oder wegen familiärer Zwänge (um 12:00 gibt es Mittagessen!!!) ist die Basis für späteres Übergewicht...

Chocoholic
00
29.8.2011, 15:54
Richtig. Und die sollen jetzt auf doppelt so teure fertiggemüsebreis

Umgestellt werden, weil die den Diätvorschriften für 1-3jährigen entspricht: oder wie heissts so schön: "light" und fettfrei, dafür mit unnötigen Kohlehydraten und billiger Stärke angereichert...

Einfach selbst machen. Und Zuckereinsatz selbst entscheiden. Und mehr biogemüse.

meresi
00
JO EH; HOST EH RECHT

aber leider sehe ich in den supermärkten frauen mit ihren schreihälsen einkaufen...um sie ruhig zustellen kriengs halt irgendwas süßes in den a... geschoben. perfekt, ach ja , und auch keine zeit um frisch zu kochen, kein problem, mikrowave angeworfen rein mit dem Dreck und ab geht die post, a gsunde fettn kann nie schaden. obwohl ein gemeinsames essen am tage ja nicht schaden kann, verstärkt vielleicht die soziale Bindung, aber wer will das schon, normaler weise ne angelegenheit für den staat der sich ja sonst überall einmischt, wie esse ich richtig als unterrichtsfach na wie wärs damit als nachspeise?

ubu roi
04
29.4.2011, 13:44

sehe ich großteils genauso, bis auf den schluss: fixe mahlzeiten und kein unkontrolliertes naschen dazwischen halte ich für sehr wichtig. natürlich ohne aufess-zwang.

ubu roi
06
29.4.2011, 11:28

immerhin beginnt man zu überlegen. mein sohn ist in frankreich geboren, da bekommt man gleich bei der geburt diverse ernährungsbroschüren ähnlichen inhalts (ernährungstipps, mengenangaben, menüvorschläge), sind sehr praktisch und helfen gerade beim ersten kind tatsächlich viel.
nächster schritt bei uns: bitte machts was bei den schülern. in den schulen sind dank gehrer cola-automaten aufgestellt, kantine gibts selten, und wenn, dann hat man die wahl zwischen spaghetti, leberkas und fleischlaberl. alles mit pommes. ausnahmen sind selten. dass diese ernährung nicht gut fürs lernen ist, weiß jeder. also bitte ganztagesschulen mit guten kantinen einführen, wäre eine wichtige zukunftsinvestition.

Der Österreicher
41
29.4.2011, 13:07

Das war doch in meiner Kindheit genaus. Da hatte jedes Kind nicht die normale Milch bestellt, sondern die Vanille oder Kakao Milch, und jedes Kind hatte ein Extrawurstsemmerl. Ich bin für meine Vollkornbrote belächelt worden.

Es ist IHRE Aufgabe für IHR Kind die richtigen Entscheidungen zu treffen und Ihrem Kind Das Thema Ernährung näher zu bringen.

Als wenn es nicht hundert tausend Broschüren bei uns gibt...

Mycroft Holmes
00
21.6.2011, 17:48

Ein Kind wird aber nie nur von den Eltern großgezogen, sondern immer auch von der Gesellschaft, in der es heranwächst. Lässt sich nicht vermeiden.

ubu roi
00
29.4.2011, 13:41

nur klappt es mit dem wahrnehmen dieser aufgabe bei vielen nicht ganz so, aufklärung scheint notzutun. vielleicht lächeln dann weniger über vollkornbrot..

meresi
00
DINKELBROT IST BESSER

verklebt den Darm nicht so, auch die Kartoffel ist nicht wirklich ein Dickmacher, die Dosis macht das "Gift"

zuzkario
04
29.4.2011, 09:43
Theorie und Praxis

Gemüsesorten wie Spinat, Erbsen, Brokkoli, Karfiol oder Fenchel sollten täglich auf dem Speiseplan eines Kleinkindes stehen

das kann nur jemand schreiben der keine Kinder zu Hause hat.

Chocoholic
00
29.8.2011, 15:57
MachenS doch einfach "Piratenstäbchen" und "Kapitänsstächen"

Die Piratenstäbchen sind panierte Gemüsekartoffelbreistäbchen (selbstgemacht) und die Fischstäbchen sind die Kapitänstäbchen. Nur aufpassen, dass das Gemüse so gut vermischt ist, dass keine einzelne Erbse rausschaut. Und hausgemavhtes Ketchup (weil im gekauften ist irre viel Klumo und Zucker drin)...

ubu roi
01
29.4.2011, 11:23

einspruch, ich habe zwei. mein sohn (4) isst alles von der liste außer erbsen, meine tochter (eineinhalb) alles außer karfiol. fenchel klaubt sie sich aus dem risotto. man muss gemüse den kindern nur anbieten, dann essen sie es auch. ich kenne auch kein kind, das keinen brokkoli mag.

little django
 
00

zwei - beide hassen broccoli.
eines davon ist nahezu alles obst+gemüse außer ein paar ausgewählte, das andere ißt obst+gemüse nur unter androhung von "gewalt". als kleinkind aß es wenigstens noch erbsen und karotten, das hat sich aber im laufe der jahre ausgewachsen. da hilft alles anbieten seit jahren nichts. und das kind kennt obst+gemüse aus dem speiseplan weil wir anderen gerne obst+gemüse+salat essen, es immer verfügbar ist (obstschale am tisch)

Chocoholic
00
29.8.2011, 15:58
Konkurrenzverhalten gezüchtet?

A Voice
00
Zwei Kinder

eins liebt Gemüse, eins haßt es seit Jahren, beginnt jetzt langsam davon zu kosten.
Entspannt bleiben und weiter anbieten. Das wird schon.

Ich will damit nur sagen, daß nicht jedes Kind Gemüse isst, bloss weil das angeboten wird. Unsere Mahlzeiten bestehen zu ~50% aus Gemüse - ließ den Gemüsehasser immer völlig kalt.

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