Erdbeben lässt Japans Industrie einbrechen

28. April 2011, 08:11
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Das Erdbeben und der Tsunami vom vergangenen Monat haben die japanische Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen

Tokio - Erdbeben und Tsunami haben in Japan zu einem Rekordeinbruch bei Industrieproduktion und Verbraucherausgaben geführt. Wie das Wirtschaftsministerium mitteilte, ging die Industrieproduktion im März um 15,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat zurück, dies sei der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen 1953. Japans Notenbank senkte ihre Konjunkturprognose auf ein Wachstum von 0,6 Prozent.

Die Industrie der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt wurde mit voller Wucht von den Naturkatastrophen getroffen. Besonders empfindlich traf es die Zulieferer der Automobilindustrie, deren Fabriken in der nordöstlichen Region Tohoku zerstört wurden. Wegen fehlender Teile und Stromausfällen mussten Firmen wie der weltweit größte Autokonzern Toyota ihre Werke vorübergehend schließen oder die Produktion zu Hause und im Ausland drosseln. In diesem Sektor ging die Produktion von Einzelteilen und fertigen Autos um knapp die Hälfte zurück.

Schlimmer, als erwartet

Aber auch andere Wirtschaftszweige waren betroffen. "Die Schäden bei den Halbleitern und anderen elektronischen Produkten waren schlimmer als zunächst erwartet", sagte Hideki Matsumura, Ökonom am Japanischen Forschungsinstitut.

Wegen des Ausfalls von Atom- und Wärmekraftwerken müssen Fabriken in der Region Tohoku und im Großraum Tokio auch in den heißen Sommermonaten weiter mit Stromausfällen rechnen. Wochenlange Störungen im Straßen- und Bahnverkehr beeinträchtigten zudem die logistische Versorgung, japanische Supermärkte hatten Probleme mit dem Nachschub.

Der Rückgang der Industrieproduktion fiel schlimmer aus als erwartet und übertraf deutlich den bisherigen Rekordrückgang von 8,6 Prozent im Februar 2009, als die weltweite Finanzkrise Japan in die schwerste Rezession der Nachkriegszeit stürzte. Die japanische Regierung rechnet ab April allerdings wieder mit einer leichten Erholung. Experten sagten einen Anstieg der Produktion um 3,9 Prozent voraus, für Mai seien 2,7 Prozent zu erwarten.

Konsumausgaben gehen zurück

Die Ausgaben der Privathaushalte gingen im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um 8,5 Prozent zurück, wie das Innenministerium in Tokio mitteilte. Auch dies sei ein Rekord seit Beginn der Statistik 1964. Die Verbraucher übten sich angesichts der Naturkatastrophen und der Atomkatastrophe von Fukushima in Zurückhaltung und kauften nur lebensnotwendige Dinge. Für Autos, Kleidung, Kultur und Hobbys gaben sie im März demnach kaum Geld aus.

Die japanische Notenbank senkte ihre Wachstumsprognose für das laufende Haushaltsjahr um einen Prozentpunkt auf 0,6 Prozent, setzte seine Prognose für das darauffolgende Budgetjahr aber um 0,9 Prozentpunkte auf 2,9 Prozent herauf. Die Auswirkungen der Katastrophen auf die Deflation, die seit zwei Jahren das japanische Wachstum bremst, bleiben ungewiss. Die Verbraucherpreise fielen im März um knapp 0,1 Prozent.

Das Beben und der Tsunami vom 11. März hatten immense Schäden in Japan angerichtet, die Behörden schätzen den Gesamtschaden auf umgerechnet 210 Mrd. Euro. 26.000 Menschen starben oder werden seitdem vermisst. (APA)

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    Ab April rechnete das japanische Wirtschaftsministerium wieder mit einer Erholung.

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