Strabag baut leichte Gewinne

28. April 2011, 07:48
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Das Konzernergebnis steigt gegenüber 2009 um acht Prozent, die Bauleistung sinkt allerdings - Die Dividende wird angehoben

Wien - Der börsenotierte Baukonzern Strabag hat das abgelaufene Geschäftsjahr 2010 besser abgeschlossen als selber noch vor einem Jahr erwartet. Der operative Gewinn (EBIT) erhöhte sich gegenüber 2009 um 6 Prozent auf 299 Mio. Euro und das Konzernergebnis um 8 Prozent auf 174,9 Mio. Euro. "Ich habe mich in meinen pessimistischen Erwartungen für die Jahre nach der Krise 2008 geirrt - es ist deutlich besser geworden als wir erwartet hatten - wir hatten insgesamt ein sehr stabiles Geschäftsjahr 2010", betonte Vorstandschef Hans Peter Haselsteiner am Donnerstag bei der Bilanzpressekonferenz. Die Bauleistung verringerte sich leicht um 2 Prozent auf 12,78 Mrd. Euro, der Umsatz ging um 1 Prozent auf 12,38 Mrd. Euro zurück.

"Wir haben natürlich - wie in jeder Krise - an der Kostenschraube gedreht", erklärte Haselsteiner. So wurde etwa der Personalstand von 75.548 auf 73.600 Mitarbeiter gekürzt. "Wie immer, wenn Gefahr droht, ist die Bereitschaft des Managements größer, Kosten zu senken. Der Gewinn je Aktie stieg von 1,42 auf 1,53 Euro. Die Dividende soll nun von 0,50 auf 0,55 Euro angehoben werden. "Das entspricht einer Ausschüttungsquote von 36 Prozent und liegt in der beim IPO festgelegten Bandbreite von 30 bis 50 Prozent", so der Strabag-Chef. Die in Wien gehandelte Aktie der Strabag stieg am Donnerstag bis gegen 13.30 Uhr um 1,67 Prozent auf 22,48 Euro.

Harter Winter belastet Geschäfte

Die Geschäfte belastet habe der ungewöhnlich harte Winter. "In Österreich, Deutschland, Polen und Russland, also in all unseren Kernländern, hatten wir einen mindestens einen Monat längeren strengen Winter", erklärte Haselsteiner. Dafür sei die Konjunktur in einigen Ländern, vor allem in Polen, ausgesprochen stark gewesen. Zahlreiche Autobahnen werden gebaut. Im deutschen und im ungarischen Verkehrswegebau sei die Leistung jedoch "auffällig gesunken".

Am Hauptmarkt Deutschland erzielte der Konzern 2010 den Angaben zufolge 40 Prozent seiner Bauleistung, in Österreich 15 Prozent - in den gesamten mittelosteuropäischen Ländern waren es 30 Prozent. Am aktuellen Auftragsbestand, der sich per Ende Dezember um 6 Prozent auf 14,74 Mrd. Euro erhöhte, hält Osteuropa mit 37 Prozent den größten Anteil - gefolgt von Deutschland mit 26 Prozent. Auf Österreich, wo die Strabag den Zuschlag für den Bau des Herzstücks der Koralmbahn, des Bauloses Koralmtunnel 2 (KAT2), im Gesamtvolumen von 570 Mio. Euro erhielt, entfallen 11 Prozent.

"In drei Jahren werde ich Ihnen sagen, ob der Auftrag erfreulich ist", meinte Haselsteiner und verwies auf das Restrisiko bei jedem Tunnelbau. Man wisse nie, was auf einen zukomme. "In das Loch kann man vorher nicht hineinschauen."

Beim Ausblick für 2011 bleibt die Strabag vorsichtig optimistisch. 2011 will der Konzern seine Bauleistung auf mindestens 13,5 Mrd. Euro steigern, 2012 auf 13,7 Mrd. Euro. Die EBIT-Marge bezogen auf die Leistung soll in den kommenden beiden Jahren bei 2,2 Prozent liegen - heuer soll das EBIT auf 295 Mio. Euro sinken, ehe es sich 2012 wieder auf 300 Mio. Euro erholt. 

45 Millionen Euro Verlust durch Libyen

Angesichts der Kriegswirren in Libyen hat sich die Strabag vorerst vollständig aus dem Land zurückgezogen. "Wir haben alle unsere Mitarbeiter ins Ausland gebracht und die Baustellen ordnungsgemäß geschlossen und eingemottet", sagte Haselsteiner. Der Baukonzern musste etwas mehr als 1.000 Menschen evakuieren. Den Auftragsbestand im Volumen von rund 350 Mio. Euro habe der Bauriese "aus dem Auftragsüberhang herausgenommen" - er wird im ersten Quartal 2011 gelöscht. Aus dem Libyen-Geschäft hatte die Strabag den Angaben zufolge einen Verlust von 45 Mio. Euro zu verkraften. (APA)

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    Strabag erhöhte den Gewinn 2010 bei verringerter Bauleistung.

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    Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner während der Bilanz-Präsentation.

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