Unterschätzte Belegflut, teure Reparaturen

2. März 2005, 16:52
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Leasing oder Eigentum: Wann sich Flottenmanagement rechnet - Es geht um erhebliche Einsparungspotenziale

Fuhrparkverwaltung ist ein Hauptjob: sollte der Verantwortliche doch Versicherungs- und Finanzierungsexperte sein, technisches Fachwissen haben, Verträge mit Werkstätten aushandeln und selbstverständlich Controlling-Aufgaben und laufendes Reporting wahrnehmen.

Ein ganzes Bündel an Aufgaben also, das einiges an Know-how erfordert und - als Nebenjob betrieben - Mitarbeiter schnell überfordert. Deshalb liebäugeln Unternehmen vermehrt mit der professionellen Verwaltung des Kostenfaktors Flotte. Laut Georg Mölzer, Leiter Fuhrparkmanagement bei der Raiffeisen-Leasing, rechnet sich eine Auslagerung bereits ab rund zehn Fahrzeugen.

Einsparungspotenziale

Ein Outsourcing-Vorteil ist jedenfalls, dass mit einer gleichmäßigen monatlichen Belastung kalkuliert werden kann und es zu keinen Kostenspitzen kommt. Der Kunde erhält monatlich eine Abrechnung - ein laufendes Reporting macht zudem eine genaue Kostenkontrolle möglich.

Der am meisten unterschätzte Brocken ist laut Mölzer die Belegflut, da die Eigenkosten pro Beleg in Unternehmen oft beträchtlich sind. Häufiges Szenario: Bevor es zu einer Verbuchung im Rechnungswesen kommt, liegt der Beleg im Posteingang, wird sortiert, verteilt und dem Fahrer vorgelegt, bevor ein Vorgesetzter ihn zur Verbuchung freigibt. Die Archivierung und Vorlage beim Steuerberater nicht zu vergessen. Die verursachten internen Kosten werden je nach Studie mit fünf bis 22 Euro pro Beleg beziffert. Abhängig von der Schlankheit des Unternehmens schätzt Mölzer die Kostenreduktion in diesem Bereich auf mindestens fünf, in Einzelfällen auf bis zu 30 Prozent.

Überprüfung der Werkstattrechnungen

Für Vinzent Pflanz, Geschäftsführer der Fleet Company mit Sitz bei München, liegt ein weiteres Einsparungspotenzial in der qualifizierten Überprüfung von Werkstattrechnungen: Kfz-Meister sehen die Rechnungen detailliert durch und reklamieren, wenn beispielsweise ein zu teures Öl eingefüllt wurde oder die Werkstatt bei einem Service übereifrig war. Dazu Heinz Scheibenpflug, Leiter der BA-CA Fuhrparkmanagement: "Gut ein Drittel aller Service- und Reparaturrechnungen bieten Einsparungspotenzial."

Das Service eines professionellen Fuhrparkmanagements umfasst in der Regel auch Anschaffung und Versicherung des Fahrzeugs sowie die Abrechnung von Service, Reifenwechsel und Tanken. Abgewickelt wird das Service aber nach wie vor vom Fahrzeugnutzer, da die Intervalle an gefahrene Kilometer gebunden sind. Eine vereinbarte Mobilitätsgarantie ist in vielen Fällen möglich und geht über jene des Hersteller hinaus. Scheibenpflug: "Sie beschränkt sich nicht nur auf technische Liegenbleiber, sondern gilt europaweit auch für Unfall- und Schadensereignisse."

Leasing oder Eigentum

Finanzierungstechnisch gibt es im Flottenmanagement zwei Möglichkeiten: Entweder die Fahrzeuge bleiben im Eigentum des Unternehmers oder werden geleast, wobei sich immer mehr Unternehmen für Letzteres entscheiden. Für Mölzer eine klare Sache: "Flottenmanagement und Leasing sind eine logische Gemeinschaft, da durch die exakte Abrechnung der gefahrenen Kilometer Kostenwahrheit entsteht."

Die Auslagerung der Flottenbetreuung sei aber nicht nur für Unternehmer interessant. Gemeinden und öffentliche Institutionen würden vom Know-how eines Fuhrparkmanagent-Unternehmens ebenfalls profitieren. Indes: Dieser Bereich ist laut BA-CA-Fuhrparkchef Scheibenpflug in Österreich bis dato noch unterbelichtet. (Gregor M. Waidacher, DER STANDARD Print-Ausgabe, 16.5.2003)

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    montage: derstandard.at
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