Messi durchkreuzt Mourinhos Plan

27. April 2011, 22:49
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Der FC Barcelona steht nach einem 2:0 bei Real Madrid vor dem Einzug ins Finale. Lionel Messi setzt in einem unschönen Clásico die Glanz­lichter, bestraft mit zwei Toren die Defensivtaktik der Gastgeber

Madrid/Wien - Nicht einmal zwölf spanische Weltmeister und zehn weitere Internationale aus quasi aller Herren Länder garantieren ein überragendes Spiel. Es dauerte also, bis der dritte sogenannte Clásico innert elf Tagen Fahrt aufnahm im durch 80.000 Zuseher gefüllten Estadio Santiago Bernabéu zu Madrid.

Barça versuchte es trotz des verletzungsbedingten Ausfalls von Motor Andrés Iniesta mit dem gewohnten Kurzpassspiel, das zu unterbinden Reals Coach José Mourinho drei eher defensive Mittelfeldspieler aufbot. Die Offensivkraft der Madrider drängte sich nur auf der Bank - die Stürmer Karim Benzema und Gonzalo Higuaín sowie überraschend auch Regisseur Kaká.

Barcelona ganz zu entwaffnen, gelang freilich mit dieser destruktiven Anlage nicht. Die Katalanen haben ja David Villa, der nach elf Minuten knapp verschoss, haben Lionel Messi, der Xavi ideal bediente. Dessen Schuss parierte Iker Casillas im Tor von Real allerdings problemlos (23.).

Die Gastgeber versuchten es mit Konterspiel, vor allem aber mit Provokationen. Der Rest der ersten Halbzeit verging mit Fouls, Reklamationen bei Schiedsrichter Wolfgang Stark und Rangeleien. Kurz vor dem Pausenpfiff konnte Barcelonas Schlussmann Valdes einen Schuss von Cristiano Ronaldo nur kurz abwehren, Mesut Özil scheiterte aber im Nachschuss.

Beim Abgang in die Kabinen sah Barcelonas Ersatzgoalie Jose Pinto wegen einer Tätlichkeit die Rote Karte. Die zweite Rote entschied das Spiel. Sie traf Reals Pepe nach einem brutalen Foul gegen Dani Alves (61.). Zwei Minuten später musste Mourinho wegen Kritik am Schiedsrichter auf die Tribüne. Der Portugiese schrieb fortan Zettelchen mit Anweisungen für seine Mannschaft, die in numerischer Unterlegenheit immer größere Probleme bekam.

Probleme, die Barcelona eiskalt zur Revanche für die jüngste 0:1-Niederlage im Finale der Copa del Rey nützte. Der eingewechselte Ibrahim Affelay setzte sich auf der rechten Seite gegen Marcelo durch, seinen Querpass verwertete Messi zum 1:0 (76.). Das 52. Saisontor im 50. Pflichtspiel gelang dem 23-jährigen Argentinier nach traumhaftem Solo drei Minuten vor Schluss.

Am Dienstag kann Barcelona im Camp Nou den Sack schließen und also ins Finale einziehen. Gegner am 28. Mai im Wembley-Stadion dürfte Manchester United sein, das am Mittwoch, ebenfalls daheim, ein 2:0 gegen Schalke zu verteidigen hat. (red; DER STANDARD Printausgabe 28. April 2011)

 

Real Madrid - FC Barcelona 0:2 (0:0)
Madrid, Bernabeu-Stadion, 71.000, SR Stark/GER

Tore:
0:1 (76.) Messi

0:2 (87.) Messi

Real: Casillas - Arbeloa, Sergio Ramos, Albiol, Marcelo - Xabi Alonso, Pepe, Diarra - Ronaldo, Özil (46. Adebayor), Di Maria

Barcelona: Valdes - Alves, Pique, Busquets, Puyol - Xavi, Mascherano, Keita - Pedro (71. Afellay), Messi, Villa (91. Roberto)

Rote Karte: Pepe (Real, 61., Foul), Jose Pinto (Barcelona-Ersatztormann, 45., Wegen Tätlichkeit nach Pausenpfiff auf dem Weg in die Kabine)

Gelbe Karten: Arbeloa, Sergio Ramos (im Rückspiel gesperrt), Adebayor bzw. Alves, Mascherano, Messi

Anmerkung: Real-Trainer Jose Mourinho wurde in der 63. Minute wegen Schiedsrichter-Kritik auf die Tribüne verwiesen

Rückspiel am 3. Mai in Barcelona (20.45 Uhr)

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    Lionel Messi war lange nicht zu sehen, dann hatte der kleine Argentinier aber zwei große Auftritte.

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    Pepe sieht nach einem gestreckten Bein glatt Rot.

  • Real Madrid-Trainer Jose Mourinho bekam nach Reklamationen einen neuen Platz von Schiri Stark zu gewiesen.
    foto: epa/alberto martin

    Real Madrid-Trainer Jose Mourinho bekam nach Reklamationen einen neuen Platz von Schiri Stark zu gewiesen.

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