Aus Afrika rund um den Globus

27. April 2011, 19:07
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Forscher entdecken, wie Taufliegen die Welt eroberten

Wien - Nicht nur der Mensch, sondern auch die kleine Fruchtfliege hat sich aus dem Afrika südlich der Sahara rund um den Globus ausgebreitet. Die kleinen Plagegeister, die sich am liebsten an überreifem Obst laben, sind die wahrscheinlich am besten erforschten Tier unseres Planeten, denn seit rund einem Jahrhundert sind sie der wichtigste Modellorganismus für Genetiker.

Unklar war bis jetzt allerdings, wie die Fliegen vor etwa 10.000 Jahren die ganze Welt erobern konnten, ist es doch im südlichen Afrika viel heißer als in sehr viel weiter nördlichen Klimaregionen, wo die Insekten ebenfalls längst zuhause sind und dort auch ziemlich anders aussehen als ihre afrikanischen Artgenossen. Wie es dazu kam, hat nun ein Team von Populationsgenetikern um Christian Schlötterer von der Veterinärmedizinischen Universität Wien erforscht - und fand eine erstaunliche Antwort, die auch für das Verständnis der Evolution insgesamt von Relevanz sein dürfte.

Für ihre Studie im Fachblatt "PLoS Genetics" untersuchten die Forscher das sogenannte crm-Gen sowie das dazugehörige Protein, von dem man wusste, dass sie für die Temperaturanpassung eine wichtige Rolle spielen dürften.

Die Genetiker verglichen zunächst Fliegen mit verschiedenen Varianten von crm-Genen und fanden tatsächlich bestätigt, dass die Tiere aufgrund der genetischen Unterschiede verschieden auf Kälte reagierten. Betroffen war unter anderem das sogenannte ci-Gen, das vom Master-Gen crm gesteuert wird, aber auch die Farbe des Hinterleibes und die Ausbildung der bürstenartigen Strukturen an den Beinen der Männchen.

"Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Unterschiede in den crm-Genen die Auswirkungen geänderter Temperaturen auf die Fliegen gedämpft haben könnten", so Schlötterer. Die Erkenntnisse sollten nicht zuletzt eine neue Sicht auf die Evolution ermöglichen: Die Anpassung der Fruchtfliege an eine kältere Umgebung scheint nämlich nicht durch Anpassung, sondern durch Änderungen eines übergeordneten genetischen Steuermechanismus entstanden zu sein. Das wiederum sichere ab, dass einzelne Prozesse trotz geänderter Umweltbedingungen weiterhin funktionieren. (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 28. 4. 2011)

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