Vom ÖBB-Elektriker zum Wirt für Reich & Schön

27. April 2011, 19:06
73 Postings

Vor 20 Jahren eröffnete Bernd Schlacher das "Motto" - und begründete ein schickes Gastro-Imperium

Wien - Im Nachhinein sieht immer alles einfach aus. Da braucht Bernd Schlacher bloß mit den Fingern zu schnippen, um das nächste Projekt auf Schienen zu stellen. Schließlich gilt Schlacher als Gastronom mit dem Midas-Touch: Was der 45-Jährige anfasst, heißt es, das funktioniert. Einfach so. Während andere Wirte um ihr Leiberl rennen, radelt Schlacher durch Wien - entspannt. Von Goldgrube zu Goldgrube.

Wenn der aus dem steirischen Obdach stammende Sohn einer Eisenbahnerfamilie derlei hört, lacht er: "Wie viel Arbeit dahintersteckt, will keiner sehen." Doch auch  Donnerstagabend wird keiner seiner Gäste in Schlacher anderes als den jovialen und smarten Gastgeber sehen: Der Wirt bittet zum Geburtstagsfest. Sein "Motto" wird nämlich 20.

Doch vor 20 Jahren stand weder Reich noch Schön in der Rüdigergasse in Margareten Schlange: Im "Motto" hatte Franz Thell zwar schon zuvor Wiens Szene begrüßt (und Helmut Lang gekellnert). Dennoch musste das Lokal zusperren. Und als Schlacher es kaufte, "war da kaum Zuspruch. Ich bin dann zehn Jahre jeden Tag im Lokal gestanden." So viel zu "alles einfach".

Mit 15 zu den ÖBB

Einfach hatte es Schlacher aber ohnehin nicht: fünf Geschwister, kein Geld. An Matura und Studium war nicht zu denken. Schlacher ging mit 15 zu den ÖBB, lernte in Wien Elektromechanik: "Ich habe es gehasst." Nebenbei kellnerte er. Unter anderem im 80er-In-Lokal "Wiener". Mit 21 jobbte er in einem Club auf Jamaica, mit 22 wurde er Teilhaber des "Wiener", verkaufte seine Anteile - und eröffnete das Motto neu.

"Als das lief, dachte ich: Das kann doch nicht alles gewesen sein." Also arbeitete Schlacher mit dem Erfinder des Clubbingbooms, Hannes Jagerhofer, zusammen, organisierte die Gastro des Life Balls, eröffnete 2001 die "Halle" (Museumsquartier) und war mit dem "Motto"-Catering überall dort, wo vor Seitenblicke-Kameras Häppchen gereicht wurden. 2004 kam das "Kunsthallencafé" (Karlsplatz) dazu, 2007 ein Ausflug zum Opernball. 2010 dann Schlachers bislang letzter Streich: das "Motto am Fluss".

Freilich gelang nicht alles: Schlacher bewarb sich um das Café Museum, weigerte sich aber, das Lokal in den Loos-Zustand zurückzuversetzen. Die, die das taten, erlitten prompt Schiffbruch. Heute gehört das Lokal (erneut umgebaut) zur Landtmann-Dynastie Querfeld.

Obwohl sein Plan, gemeinsam mit dem Architekten Wolf Prix auf den Esterhazy-Flakturm ein Hotel zu setzen, an der Politik scheiterte, gilt er als bestens SP-vernetzt. Spätestens seit "seiner" Wahlparty am Kanal für Michael Häupl. Schlacher: "Die haben das Lokal regulär gemietet." Im fünften Bezirk habe er aber für den SP-Vorsteher geladen: "Den finde ich gut. Außerdem ist er auch Elektriker." Sonst, betont der Chef von 280 Mitarbeitern aber, "glaube ich nicht an die Politik: Würde ich so arbeiten, wäre ich im Konkurs." (Thomas Rottenberg; DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.04.2011)

 

  • Der König über ein Imperium schicker Lokale: Bernd Schlacher. Im Bild bei einer Party in der "Halle" im MQ.
Foto: Tischler
    foto: andreas tischler

    Der König über ein Imperium schicker Lokale: Bernd Schlacher. Im Bild bei einer Party in der "Halle" im MQ.

    Foto: Tischler

Share if you care.