Meisterwerke in Serie

28. April 2011, 17:30
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Die Kompilation "Life Stories" weist den aus Ghana stammenden Gitarristen Ebo Taylor als ungekrönten König des Highlife aus

Der Einfluss afrikanischer Musik auf die moderne Populärmusik wurde in den letzten zehn, fünfzehn Jahren selbst für Hardcore-Ignoranten unüberhörbar. Quasi als Kollateralsegen der Globalisierung wurde der alles umarmende Elendsbegriff Weltmusik von realen Begrifflichkeiten abgelöst, Genres und Identitäten konkret benannt.

Eine Reihe von Kompilationen, Wiederveröffentlichungen und Neuerscheinungen gaben und geben Einblicke in die Musikkultur Afrikas. Dabei dient nun nicht mehr allein der Weg über ihre Diaspora in der westlichen Welt als Schuhlöffel, mittlerweile werden auch die zeitgenössischen afrikanischen Szenen aktuell beobachtet und nicht nur retrospektiv wahrgenommen.

Das Label Strut darf sich diesbezüglich einiger Verdienste rühmen. Im Vorjahr hat es etwa das erste Album des aus Ghana stammenden Gitarristen Ebo Taylor für den internationalen Markt veröffentlicht und betreut: Love And Death. Jetzt legt es nach.

Taylor hat in den frühen 1960er-Jahren zusammen mit dem Übervater des Afrobeat in London Musik studiert, dem aus Nigeria stammenden Fela Kuti. Bald verlieh er dem Sound des Highlife seine persönliche Note - nachzuhören auf der nun erscheinenden Kompilation Life Stories - Highlife & Afrobeat Classics 1973-1980.

Diese Sammlung gibt vor allem Einblick in weniger bekannte Veröffentlichungen und Nebenprojekte Taylors, in denen seine spezielle Handschrift überwältigende Ergebnisse zeitigt. Denn mitunter können manche Afrobeat- und Highlife-Berühmtheiten gehörig nerven, wenn sie sich in aufgeregte Ekstase spielen, die Stringenz der Stücke sich in eitler Virtuosität auflöst und manche Bands einfach kein Ende finden wollen. Nicht so bei den vorliegenden Stücken von und mit Ebo Taylor.

Wobei man über das 15-minütige Stück Aba Yaa eventuell diskutieren kann. Aber nur kurz, denn auch in diesem spielen die Bläser auf den Punkt, wird man als Zuhörer nicht Zeuge enervierender Machbarkeitsstudien. Im Gegenteil: Man wundert sich, wie schnell so eine Viertelstunde vergeht.

Der 1936 geborene Ebo Taylor vertritt eher jene Schule, die man von Tony Allen kennt, dem einstigen Drummer von Fela Kuti. Wie Allen pflegt Taylor eine entspanntere Spielweise, was eine Subtilität zeitigt, die vielen nach drei Sekunden bereits restlos durchgeschwitzten Highlife-Stücken fehlt. Taylor schien immer schon zu wissen, dass man nicht eine Viertelstunde lang Vollgas geben kann, ohne zu nerven. Dementsprechend lässt er seiner Musik Platz zum Atmen - wodurch sie umso prächtiger erblüht.

Dem Einfluss von US-Soul und Funk, dem Taylor in den frühen 1970ern nachgab, schuldet er sattes Georgel, das den Sound erdet, den Rest klären unpackbar scharfe Bläser und eine Rhythmus-Sektion, die stellenweise auch einen Reggae-Beat antäuscht. Taylor produzierte so mit Bands wie The Apagaya Showband, Super Sounds Namba, CK Mann Big Band oder im Verein mit Pat Thomas einen Sog, ein heiße Mischung, in der alle Zutaten Profil zeigen können, nicht im Sound-Eintopf untergehen.

Life Stories zeigt diesen eleganten Stilisten am Zenit seiner Kunst: Das hier sind Meisterwerke in Serie gesetzt, unglaubliche Musik. (Karl Fluch / DER STANDARD, Printausgabe, 29.4.2011)

Ebo Taylor: Life Stories - Highlife & Afrobeat Classics 1973-1980 (Strut/ Vertrieb: Hoanzl)

  • Ebo Taylor am Gerät: Die Kompilation "Life Stories" fasst einige der besten Stücke aus seinem Schaffen während der 1970er zusammen: unpackbar geniale Musik.
    foto: hoanzl

    Ebo Taylor am Gerät: Die Kompilation "Life Stories" fasst einige der besten Stücke aus seinem Schaffen während der 1970er zusammen: unpackbar geniale Musik.

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